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Asien

Kindergesichter gegen Drohnenangriffe

Seit Jahren fliegen die USA Drohnenangriffe gegen Pakistan. Was die Piloten dabei sehen, sind Menschen im Miniaturformat. Mitleid? Selten. Das wollen pakistanische Künstler ändern: Sie geben den Opfern ein Gesicht.

Mit großen dunklen Augen schaut das Mädchen in den Himmel. Und von dort wird zurückgeschaut, auch wenn im Moment Ruhe herrscht: Die USA haben ihre umstrittenen Drohnenangriffe in Pakistan gestoppt - vorübergehend, damit die Regierung in Islamabad Friedensgespräche mit den islamistischen Kämpfern führen kann. Den letzten Angriff flogen die Vereinigten Staaten kurz nach Weihnachten, am 26. Dezember 2013. Drei Männer wurden dabei getötet.

Auch das Mädchen hat ihre Eltern durch einen Drohnenangriff verloren. Jetzt ist sie das Gesicht einer Kampagne eines pakistanisch-amerikanischen Künstlerkollektivs gegen eben diese Angriffe: #NotABugSplat heißt die Kampagne. Ein "Bug Splat" beschreibt im Englischen den Fleck, den ein Insekt hinterlässt, wenn es zerquetscht wird. Und, so heißt es: US-Piloten beschreiben so ihre Opfer, wenn sie sie auf den Bildschirmen sehen.

Mitleid vor dem Monitor

Blick auf den Monitor eines Drohnenpiloten (Foto: Ethan Miller/Getty Images)

Gebäude ja, Menschen kaum: Viel ist nicht zu erkennen auf dem Monitor eines Drohnenpiloten

In den vergangenen Jahren haben zahlreiche pakistanische Politiker und lokale Menschenrechtsorganisationen gegen den Einsatz von Drohnen protestiert. Diese Kampagnen kritisierten meist die "Kriegsverbrechen" der US-Regierung und den Bruch der pakistanischen Souveränität. Das Künstlerkollektiv will die USA jedoch nicht verdammen - es will Empathie schaffen. Es will, dass die Drohnenpiloten etwas fühlen bei ihrer tödlichen Arbeit. Und, dass die US-Politiker diesen Teil ihres Anti-Terror-Programms überdenken.

"Von oben sehen die Menschen immer winzig aus, wie kleine Käfer. Wir wollen den Drohnenpiloten zeigen, wie die Leute tatsächlich aussehen", sagte einer der Künstler der Nachrichtenagentur AFP. "Wir hoffen so, Empathie und eine gewisse Inneneinsicht zu schaffen."

"Effektive" Eingriffe

Washington hat sich immer wieder für die Angriffe gerechtfertigt: Sie seien notwendig, um Amerika vor terroristischen Angriffen aus dem Ausland zu schützen. Mehrere wichtige Al Kaida- und Talibanführer wurden schon durch unbemannte Drohnen getötet: Hakimullah Mehsud, der Chef der pakistanischen Taliban, etwa kam durch einen Drohnenangriff ums Leben.

"Drohnenangriffe sind ein hochpolitisches Thema in Pakistan", sagt Ali K. Chishti, Sicherheitsexperte aus der südpakistanischen Stadt Karatschi, der DW. "Insgeheim akzeptieren das Militär und die politische Führung, dass die Angriffe sehr effektiv sind. Wir dürfen nicht vergessen, dass Baitullah Mehsud durch eine Drohne getötet wurde, der Mann, der für die Ermordung der ehemaligen pakistanischen Premierministerin Benazir Bhutto verantwortlich war."

Offiziell verurteilt die pakistanische Regierung aber die Angriffe: Sie verletzten die Souveränität Pakistans, so die politische Führung in Islamabad. Außerdem kämen dabei deutlich mehr Zivilisten als islamistische Kämpfer ums Leben. Die New America Foundation, ein Think Tank aus Washington, berichtet, dass in den vergangenen acht Jahren in Pakistan zwischen 1.715 und 2.680 Menschen durch Drohnenangriffe ums Leben gekommen seien - darunter viele Zivilisten.

Dorfbewohner vor dem Bild eines Mädchens - die Kampagne #notabugsplat (Foto: KHYBER PAKHTUNKHWA)

Menschenrechtsorganisationen sagen, dass auch viele Kinder bei den Drohnenangriffen getötet wurden

Kunst zum Überleben

Während sie diesen Opfern jetzt ein Gesicht geben, wollen die Künstler von #NotABugSplat selbst jedoch unerkannt bleiben. Sie nennen sich einfach ein "Künstlerkollektiv aus Pakistan und den USA". Gerüchten zufolge unterstützt auch der französische Straßenkünstler JR die Kampagne.

Feica, eine bekannte pakistanische Künstlerin, fordert gegenüber der DW, dass es mehr solche Projekte geben sollte, um nicht nur gegen die Drohnenangriffe zu demonstrieren, sondern gegen Kriege allgemein. "Das Projekt #NotABugSplat ist mächtig, aber es sollte nicht auf ein Thema beschränkt sein. Künstler entwickeln immer neue Ideen, um den Frieden zu fördern", sagt Feica, die seit mehr als drei Jahrzehnten politische Cartoons zeichnet.

Statt den Ausweg in Gewalt zu suchen, sollten Pakistanis künstlerische Mittel verwenden, um ihren Ärger über politische Themen auszudrücken. "Weltweit haben Künstler immer eine zentrale Rolle gespielt in politischen Bewegungen", sagt Feica. "Pakistan ist leider ein kunstfreies Land. Und nicht viele unserer Künstler zeigen politisches Engagement."

Gut gegen Islamisten

Und: Nicht jeder in Pakistan ist grundsätzlich gegen die Drohnenangriffe. Viele liberale Pakistanis und einige Experten glauben, dass die Angriffe tatsächlich recht erfolgreich die Verstecke von Rebellen in den Stammesgebieten des Landes zerstört haben. "Viele Leute in Pakistan glauben, dass die Drohnenangriffe die Rebellen in Schach halten", sagt die Journalistin Asha'ar Rehman. Einzig die vielen zivilen Opfer würden den Pakistanis Sorge bereiten.

Sie sollte künftig nicht mehr nur als Zahl betrachtet werden, meint auch die Künstlerin Feica. Sondern als Menschen.

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