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Top-Thema – Podcast

Kindergarten statt Straße

In Berlin leben zahlreiche Roma-Familien. Seit einigen Monaten kümmern sich zwei Sozialarbeiterinnen um sie. Sie helfen ihnen, einen Job zu finden und ihren Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen.‎

Es ist acht Uhr morgens. Cristina Nastase steht im schmutzigen Hof eines grauen, heruntergekommenen Hauses in Berlin, in dem einige Roma-Familien leben. Leise ruft die 32-jährige Sozialpädagogin zu einem geöffneten Fenster hinauf. Als der zweijährige David und seine Mutter aus dem Haus kommen, begrüßt sie beide herzlich und geht mit ihnen zum Kindergarten. Vor ein paar Tagen hat sie dort einen Platz für David gefunden.

Cristina Nastase arbeitet seit Kurzem als Streetworkerin beim Verein "Südost Europa Kultur e.V.". Dort ist es ihre Aufgabe, Roma-Familien zu unterstützen. Für den kleinen David und seine Mutter ist diese Hilfe eine ganz neue Erfahrung. Bisher sind beide meist gemeinsam zum Betteln auf die Straße gegangen. "Der Kindergartenplatz ist absolut wichtig", erklärt Cristina Nastase, "nur so hat David eine Chance auf eine unbeschwerte Kindheit und kann Deutsch lernen".

Die meisten Roma-Familien schaffen es nicht alleine, sich im Behördendschungel zurechtzufinden: Viele sind Analphabeten und sprechen kaum Deutsch. Sie können zum Beispiel weder einen Antrag auf Einschulung ihrer Kinder ausfüllen, noch einen Mietvertrag oder eine Krankenversicherung abschließen. Cristina weiß, dass ihre Hilfe gerne angenommen wird. Trotzdem läuft das Hilfsprojekt bald aus. Wie es danach weitergeht, weiß Cristina nicht. Sie hofft auf eine Verlängerung.

Glossar

Roma, die (Plural) – osteuropäische Volksgruppe; Mitglieder dieser Volksgruppe

Sozialarbeiter/in, der/die – jemand, der sich um arme Familien in Not kümmert

etwas ermöglichen – etwas möglich machen

heruntergekommen – ungepflegt; kaputt

Sozialpädagoge/Sozialpädagogin, der/die – ein/e Fachmann/Fachfrau für die Erziehung von Kindern und Jugendlichen außerhalb der Schule

Platz, der – hier: die Aufnahme in einer Einrichtung (z. B. im Kindergarten)

Streetworker/in, der/die – → Sozialarbeiter, die auf der Straße arbeiten und Menschen mit Problemen (wie z. B. Armut, Drogen) helfen

Betteln, das – Leute auf der Straße um Geld oder Essen bitten (Personenbezeichnung: der/die Bettler/in)

unbeschwert – ohne Sorgen

Behördendschungel, der – umgangssprachlich für: die schwer zu verstehenden Regeln und Wege der Behörden

sich zurechtfinden – hier: klarkommen; mit etwas keine Probleme haben

Analphabet/in, der/die – jemand, der nicht lesen und schreiben kann

Einschulung, die – die Aufnahme eines Kindes in die Schule

etwas ausfüllen – hier: Informationen auf ein Formular schreiben

Krankenversicherung, die – der Vertrag mit einer Krankenkasse

(einen Vertrag) abschließen – (einen Vertrag) unterschreiben

etwas läuft aus – hier: etwas geht zu Ende

Verlängerung, die – hier: der Beschluss, dass etwas noch nicht beendet wird

Fragen zum Text

1. Was macht Cristina in dem heruntergekommenen Hof?

a) Sie geht zum Verein "Südost Europa Kultur e.V.".

b) Sie holt Davids Mutter ab, um sie zu verschiedenen Behörden zu begleiten.

c) Sie holt David ab, um ihn zum Kindergarten zu bringen.

2. Wenn David keinen Kindergartenplatz bekommen hätte, …

a) hätte er noch ein paar unbeschwerte Jahre bis zu seiner Einschulung gehabt.

b) wäre er mit seiner Mutter auf der Straße betteln gegangen.

c) hätte er zu Hause Deutsch lernen müssen.

3. Weshalb haben viele Roma-Familien Probleme mit den Behörden?

a) Sie möchten ihre Kinder nicht in die Schule schicken.

b) Viele können nicht gut lesen und schreiben.

c) Die Antwort steht nicht im Text.

4. Cristina hilft vor allem solchen Roma, die … lesen … schreiben können.

a) sowohl … als auch

b) besser … als

c) weder … noch

5. Welcher Satz ist falsch? "Manche Kinder, deren Eltern sehr arm sind, müssen …"

a) zum betteln auf die Straße gehen.

b) zum Betteln auf die Straße gehen.

c) auf der Straße betteln gehen.

Arbeitsauftrag

In jedem Land gibt es Bevölkerungsgruppen aus anderen Ländern, die arm sind und kaum Chancen auf eine gute Zukunft haben. Der Einsatz von Streetworkern ist eine von vielen Möglichkeiten, ihnen zu helfen. Was könnte man noch tun? Erstellen Sie eine Liste. Diskutieren Sie dann in der Gruppe und legen Sie gemeinsam die drei wichtigsten Maßnahmen fest.

Autorinnen: Svenja Pelzel/Anne Gassen

Redaktion: Raphaela Häuser

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