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Deutschland

Kinderfreundliches Gelsenkirchen

Immer mehr deutsche Städte wollen Maßstäbe setzen in Sachen Kinderfreundlichkeit. Bei einer europaweiten Ausschreibung hat Gelsenkirchen den Preis "City for Children 2010" erhalten.

Kinder in einem Kindergarten (Foto: AP)

Gelsenkirchen setzt auf Förderung von der Geburt bis zur Schule

Deutschlandweit sollen in den nächsten drei Jahren alle Kommunen ihre Angebote ausbauen, um Kindern und Familien das Leben in Städten zu erleichtern. Gelsenkirchen - als kinderfreundliche Stadt ausgezeichnet - bietet sich da als Vorbild an.

Melanie Klarks hält ihr fünfeinhalb Monate altes Baby im Arm, während sie der Familienbegleiterin der Stadt Gelsenkirchen aufmerksam zuhört. Eva Kleinau ist heute zum Begrüßungshausbesuch da und überreicht der jungen Mutter ein Elternbegleitbuch. Darin findet sie Anregungen und Tipps zu wichtigen und interessanten Anlaufstellen für Eltern und Kinder, aber auch Informationen zu Beratungsangeboten, Freizeitmöglichkeiten und Kindesgesundheit.

Seit fünf Jahren besuchen Familienbegleiter in allen Bezirken der Stadt jede Familie mit einem Erstgeborenen. Es sei wichtig, dass die Stadt daran arbeite, für Kinder eine gute Grundlage aufzubauen und sie den Eltern vorzustellen, sagt Melanie Klarks. Für die Mutter ist der Begrüßungshausbesuch eine Selbstverständlichkeit. Jedes Kind sollte einen Anspruch darauf haben, findet sie.

Bildung und Erziehung der Kinder

Ein Kind am Glockenspiel (Foto: Stadt Gelsenkirchen)

Zum Konzept der Stadt gehören auch ganztägig geöffnete Kindergärten

In der 260.000 Einwohner zählenden Stadt Gelsenkirchen steht das Konzept "Bildung und Erziehung der Kinder von Anfang an" im Vordergrund. Begrüßungsbesuche dienen als Einstieg in ein vernetztes Angebot für Familien. Dazu gehören Elternschulen, Familienzentren und Eltern–Baby-Treffs. Für die Eltern ist das vorteilhaft - und kostenlos. Gelsenkirchen setzt seit Jahren auf ein Fördernetzwerk, das Kinder individuell betreut und fördert - von der Geburt bis zur Grundschule.

Im Unterschied zu vielen anderen Städten erhalten in Gelsenkirchen Kinder in Kindertagesstätten frühkindliche Spracherziehung. In Grundschulen werden sie zudem individuell mit Sprachunterricht gefördert. Zum Konzept der Stadt gehören auch ganztägig geöffnete Kindergärten, die sogar an manchen Wochenenden besucht werden können. Zusätzlich wurden wohnortnahe Elternschulen eingerichtet. Dort erhalten Eltern Anregungen und Hilfen für den Erziehungsalltag mit Kindern unterschiedlichen Alters. Jährlich besuchen 1000 Eltern die Elternschulen in der Stadt.

Angebote kommen bei den Familien an

(Foto: Stadt Gelsenkirchen)

Die Familienzentren sind über die Stadt verteilt

Um die kinderfreundlichen Angebote flächendeckend zu koordinieren, hat Gelsenkirchen den öffentlichen Träger GeKita (Gelsenkirchener Kindertagesbetreuung) gegründet. "Wir wissen, dass ein Großteil der Eltern räumlich nicht mobil ist. Die Familienbildung war bisher immer in den Zentren stationiert und unsere Eltern sind nicht dorthin gegangen", sagt Alfons Wissman, Leiter des Referats Erziehung und Bildung der Stadt. Die Lösung lag für ihn auf der Hand: Dezentralisierung der Angebote für Elternbildung.

Pädagogische Einrichtungen haben längst erkannt, dass die Mitarbeit der Eltern in Kindertageseinrichtungen und Familienzentren unverzichtbar ist. In Gelsenkirchen wurden Kindertageseinrichtungen deshalb zu Familienzentren weiterentwickelt. Über die Stadt verteilt. Und die sind zu besonderen Treffpunkten für Familien geworden. Die Treffs sind in der Nähe und gerade deshalb sehr beliebt, sagt die Leiterin des Offenen-Baby-Treffs im Familienzentrum, Birgit Busse. "Die Eltern bekommen ganz viele Anregungen, was sie mit ihren Kindern machen können und merken, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine sind." Für viele Familien bleiben die Zentren bis zur Einschulung ihres Kindes eine kontinuierliche Anlaufstelle.

Preis für besonderes Engagement

Vetreter der Stadt Gelsenkirchen nehmen den Preis entgegen (Foto: Stadt Gelsenkirchen)

Stolze Preisträger

Mit dem Preis "City for Children" werden jährlich europäische Städte ausgezeichnet, die sich mit herausragenden Projekten für Kinder und Eltern engagieren. In diesem Jahr standen Projekte zum Thema "Informelle Bildung" im Mittelpunkt. Die Stadt Gelsenkirchen hat den Preis für ihr kinderfreundliches Konzept "Bildung und Erziehung von Anfang an" erhalten.

Alfons Wissmann ist stolz auf die Auszeichnung: "Da können wir als Gelsenkirchener Vorbild sein." Gleichzeitg müsse man aber auch weiterhin lernen. "Es gibt immer etwas, das man verbessern kann."

Autor: Özlem Ucucu

Redaktion: Michael Borgers