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Politik & Gesellschaft

Kinderfreundliches Deutschland?

Kinder sind die Zukunft eines Landes. Im Falle Deutschlands, also einem Land mit Bevölkerungsrückgang, gilt das umso mehr. Aber wie leben Kinder in Deutschland heute? Das Statistische Bundesamt gibt Auskunft.

Symbolbild: Kinder auf Tischtennisplatte auf einem Schulhof (Foto: dpad)

Im vergangenen Jahrzehnt gab es von Seiten der deutschen Politik vielfältige Maßnahmen, um die Situation von Kindern in Deutschland zu verbessern. Vor allem gab es auch mehr Geld für junge Familien. Daneben trat frühkindliche und schulische Bildung verstärkt in den Vordergrund - hier wurde Deutschland in internationalen Studien, wie der Pisa-Studie, ein erheblicher Nachholbedarf bescheinigt. Das Statistische Bundesamt legte nun Zahlen vor, die widerspiegeln, wie Kinder in Deutschland heutzutage leben. Diese Zahlen sagen auch etwas darüber aus, ob und wie die politischen Maßnahmen gewirkt haben.

Roderich Egeler, Präsident des Statistischen Bundesamts (Foto: dapd)

Roderich Egeler, Präsident des Statistischen Bundesamts

Das Gesamturteil des Präsidenten des Statischen Bundesamts, Roderich Egeler, fiel nicht gut aus: "Deutschland ist das kinderärmste Land in Europa. Im Jahr 2010 waren 16,5 Prozent der Bevölkerung in Deutschland jünger als 18 Jahre." Vor zehn Jahren dagegen betrug der Anteil der Kinder und Jugendlichen noch 18,8 Prozent. Laut Egeler wird sich dieser rückläufige Trend fortsetzen. In absoluten Zahlen lebten im Jahr 2010 rund zwei Millionen Kinder weniger in Deutschland als noch zur Jahrtausendwende.

Betreuungsplätze fehlen

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist für viele junge Eltern ein großes Problem bei der Familienplanung. Eine Entlastung, so hofft die Politik, schaffen mehr Betreuungsplätze für Kleinkinder bis zu drei Jahren. Bis zum Jahr 2013 soll für 38 Prozent der Unterdreijährigen ein Krippenplatz oder eine Tagesmutter zur Verfügung stehen, so lautet das offizielle Ziel. Davon ist Deutschland, bundesweit gesehen, noch ein ordentliches Stück weit entfernt, denn die aktuelle Quote liegt bei gerade einmal 23 Prozent.

Kinderkrippe 1972 in Ost-Berlin (Schwarz-Weiß-Foto: dpa)

Kinderkrippen wie diese gab es in der DDR viele

Dabei gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern, genauer zwischen den ost- und westdeutschen Ländern. Im Osten waren sogenannte Kinderkrippen vor 1989 für die Kleinsten eine Selbstverständlichkeit. Das hat sich seit dem Mauerfall nicht geändert. Dagegen müssen die alten Bundesländer noch erheblich nachholen, verdeutlichte Roderich Egeler. Im ostdeutschen Sachsen-Anhalt betrug der Anteil im März 2010 rund 56 Prozent, was gesamtdeutscher Rekord ist. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen ist die Chance, einen Krippenplatz zu bekommen, sehr viel geringer - die Quote liegt bei 14 Prozent. Während 2013 immer näher rückt, fehlen in Deutschland noch mehr als 250.000 Plätze für Kinder unter drei Jahren.

Viele Kinder von Armut bedroht

Symbolbild: Alleinerziehende Mutter

Trend: Immer mehr Kinder wachsen bei nur einem Elternteil auf

Ein weiteres Problem ist Kinderarmut, die durch den soziologischen Trend verstärkt wird, dass immer mehr Kinder bei Alleinerziehenden aufwachsen, meistens bei der Mutter. "Kinder, die in Haushalten von Alleinerziehenden leben, gehören zu den stärksten armutsgefährdeten Personen in Deutschland", sagte Egeler. Bei diesen Haushalten lag die Armutsgrenze im Jahr 2008 bei 37,5 Prozent und damit fast drei Mal so hoch wie der Durchschnitt.

Armutsgefährdung ist der Begriff der Statistiker für ein zu geringes Haushaltseinkommen - hier orientiert sich Deutschland an der europaweit üblichen Definition des Begriffs. Beim Thema Armut zeigen sich noch immer deutsch-deutsche Unterschiede: "Mehr als 20 Jahre nach der Wiedervereinigung ist die Armutsgefährdung in Ostdeutschland noch immer höher als im Westen", betonte Silvia Deckel, Referentin beim Statistischen Bundesamt: "Das gilt für alle Bevölkerungsschichten, also auch für die Kinder."

Große Unterschiede zwischen Ost und West

Im Osten leben weiterhin, so wie vor 1989, mehr Kinder als im Westen in Lebensgemeinschaften, also bei unverheirateten Eltern (West: 6 Prozent, Ost: 17 Prozent) oder bei nur einem Elternteil (West: 15 Prozent, Ost: 24 Prozent) statt bei verheirateten Paaren (West: 79 Prozent, Ost: 58 Prozent).

Positiv werten die Statistiker, dass rund 45 Prozent der Jungen und Mädchen Abitur machen wollen - der Trend zur Höherqualifizierung sei stabil. Bemerkenswert sei auch, dass im Vergleich zu vor 30 Jahren Söhne und Töchter immer länger bei den Eltern wohnen bleiben. Das kann positiv gedeutet werden, weil sich das Verhältnis zwischen den Generationen verbessert hat. Es könnte aber auch damit zusammenhängen, dass sich immer weniger junge Erwachsene einen eigenen Haushalt und damit auch eigene Kinder leisten können.

Autor: Kay-Alexander Scholz
Redaktion: Pia Gram

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