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Kultur

Kinderbücher für Muslime

Christliche Kinderbücher gibt es viele in Deutschland. Muslimische Kinder hingegen haben es schwerer, sich auf Deutsch mit ihrer Religion auseinanderzusetzen. Für sie gibt der Salam Verlag jetzt religiöse Bücher heraus.

Logo Salam Verlag

Speziell für Muslime

Integration fängt bei den Kindern an, denn "Kinder sind die Träger unserer Gesellschaft", sagt Ahmad Milad Karimi, promovierter Islamwissenschaftler und Herausgeber des frisch gegründeten Salam Kinder- und Jugendbuchverlages in Freiburg. Ein Mann, der weiß, wie es sich anfühlt Migrant zu sein. Geboren in Kabul, floh er als Kind mit seinen Eltern aus Afghanistan und kam als Jugendlicher nach Deutschland. Mit religiös orientierten Kinderbüchern möchte er muslimischen Kindern, die in Deutschland aufwachsen, helfen, sich hier zurechtzufinden.

Den Kindern gerecht werden

Buchcover

Dieses Buch will kranken Kindern Mut machen

Muslime in Deutschland haben seit Jahrzehnten ihre eigenen Gemeinden, in denen sie sich treffen und in denen sie den islamischen Glauben vermitteln. Aber muslimische Kinder brauchen mehr als das, sagt Ahmad Milad Karimi. In den Gemeinden, Vereinen und Moscheegesellschaften der Migranten gebe es kein angemessenes Material, das das Selbstbewusstsein der Kinder und ihre Integration fördere. Und die Bilderbücher in den Kindergärten, findet Karimi, ignorierten diese Kinder, "die eine komplexere Identität haben als nur deutsch-deutsch zu sein. Die können sich in diesen Büchern nicht wiederfinden."

Diese Lücke will der Verlag schließen. Der Name ist Programm: "Salam" heißt auf arabisch "Frieden". In spielerischer Weise sollen muslimische Kinder Antworten finden auf Fragen wie: Was ist der Koran? Wer war Mohammed? Wer waren Moses und Jesus? Wie feiern wir Ramadan? Zunächst auf Deutsch, später auch zweisprachig, wollen die bunten Bücher die Vielfalt islamischer Glaubensrichtungen und den Dialog mit anderen Kulturen lehren. Die Autorinnen und Autoren stammen aus Marokko und Ägypten, Deutschland und Syrien.

Gute Autoren sind schwer zu finden

Ahmad Milad Karimi (Foto: by-sa)

Ahmad Milad Karimi

Die bisher vorliegenden Bände fallen allerdings sehr unterschiedlich aus. Das ambitionierteste Projekt, "Fayzal der Krebsfänger", ist ein in sanften Farben filigran illustriertes Prachtstück, das krebskranken Kindern Mut machen will. Ein schwieriges Thema, auf das die Autorin ihre kleinen Leser märchenhaft und gleichzeitig unpathetisch anspricht.

"Der kleine Hassan" hingegen portraitiert in altbackener Sprache einen kreuzbraven und sehr frommen muslimischen Jungen in Deutschland, der Bienen und Blumen bewundert; die Mutter ist Hausfrau und der weise Vater beantwortet philosophische Fragen. Sein bester Freund heißt Peter, und man darf vermuten, dass diese Geschichte kein modernes, mit Computer und Fernsehen aufwachsendes Kind - ob muslimisch oder nicht - hinter dem Ofen hervorlocken wird.

Ahmad Milad Karimi verteidigt sich: Es sei gar nicht so einfach, Autoren zu finden, die in der Lage seien "interkulturelle Bezüge verständlich darzulegen".

Die Bücher zu den Lesern bringen

Die zentrale Frage bleibt: Wie gelangen die Bücher nicht nur an Bildungsbeflissene, sondern auch an Kinder und deren Eltern, die normalerweise nicht lesen? Ahmad Milad Karimi skizziert eine Herkulesaufgabe: Neben dem Verkauf in Buchhandlungen will er seine Bücher auch direkt vertreiben, will islamische Gemeinden und Kindergärten ansprechen und Kinder in sozialen Brennpunkten erreichen. Das ist "Pionierarbeit" - wie er sagt, aber auch eine Aufgabe, der er sich stellen will.

Autorin: Beate Hinrichs
Redaktion: Petra Lambeck

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