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Wirtschaft

Kinderarbeit für das neue Handy

Kobalt wird in vielen elektronischen Geräten verwendet, aber Salil Shetty, Generalsekretär von Amnesty International sagt, oft kommt es bei der Förderung zu Kinderarbeit. DW sprach mit ihm auf dem Weltwirtschaftsforum.

DW: Herr Salil, hier in Davos hat Amnesty International gerade einen Bericht über Kinderarbeit im Zusammenhang mit der Herstellung von Smartphones und Batterien für Elektroautos vorgestellt. Können Sie uns mehr über den Bericht erzählen?

Salil Shetty: Nun, es sind schockierende Enthüllungen über Kobalt, ein Material, das in den wiederaufladbaren Batterien von mobilen Geräten wie Handys oder iPads verwendet wird. Mehr als die Hälfte des Kobalts wird in der Demokratischen Republik Kongo gefördert und leider wird ein erheblicher Teil davon mithilfe von Kinderarbeit hergestellt.

UNICEF zufolge sind an diesem Prozess des Kleinstbergbaus 40.000 Kinder beteiligt und unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass im vergangenen Jahr 80 Kinder dabei sogar gestorben sind.

Aber wenn wir Unternehmen wie Apple, Samsung, etc., die Kobalt am Ende für ihre Batterien verwenden, darauf ansprechen, dann sagen sie, dass sie davon nichts wussten. Wir waren völlig schockiert, als wir hörten, dass denen das scheinbar nicht bewusst ist. Manche sagen, dass sie Kinderarbeit nicht tolerieren, aber der Punkt ist: Sie scheinen die Fakten nicht zu kennen.

Aber wenn Amnesty International die Fakten vor Ort herausfinden kann, dann können Samsung, Apple, Microsoft etc. das auch. Daher denke ich, das ist ein sehr gutes Beispiel, das zeigt, dass Unternehmen sehr genau prüfen müssen, wenn es um Menschenrechte in ihrer Zulieferkette geht. Und deshalb präsentieren wir diesen Bericht hier auf dem Weltwirtschaftsforum.

Also glauben Sie, dass die großen Marken an dieser Information nicht wirklich interessiert sind?

Salil Shetty

Salil Shetty, Generalsekretär von Amnesty International

Nun, wir haben die Antworten, die wir von den 24 befragten Firmen bekommen haben, in einen Anhang zur Studie gestellt. Die Frage ist also nicht, ob es sie interessiert, sie scheinen sich der Auswirkungen nicht völlig bewusst zu sein. Und das ist ein bisschen merkwürdig, denn Amnesty International ist nicht die erste Organisation, die Bedenken zur Kobaltförderung in der Demokratischen Republik Kongo anmeldet. Sie hätten das schon wissen müssen und sie hätten schon handeln sollen.

Sie scheinen also in ihrer Reaktion sehr langsam und lethargisch zu sein und darüber sind wir sehr besorgt. Aber die Unternehmen sind das Eine, das Andere ist die Regierung der Demokratischen Republik Kongo, die handeln muss. Und was ist mit den Ländern, wo diese Unternehmen ihren Sitz haben? Die sollten ihre Firmen regulieren. Kobalt scheint also der Aufmerksamkeit der Welt entfallen zu sein.

Was sollte aus Ihrer Sicht getan werden? Fordern Sie eine Art Aktionsplan?

Wir haben klare Empfehlungen ausgesprochen. Zu allererst sollte die Kinderarbeit sofort aufhören und die Kinder und ihre Familien sollten die Entschädigungen erhalten, die sie verdienen. Und es muss klare Standards und Richtlinien für die Kobalt-Beschaffungskette geben. Das ist absolut notwendig und längst überfällig.

Können Sie uns etwas mehr darüber sagen, woher Sie Ihre Informationen erhalten? War es schwer, diese Art von Informationen zu bekommen?

Dieser Bericht entstand gemeinsam mit Afriwatch, einer afrikanischen NGO. Aber unsere Recherche-Methodik ist, dass wir direkt vor Ort arbeiten, mit unseren eigenen Forschern. Wir sammeln Beweise aus erster Hand, daher verbringen wir viel Zeit mit Gesprächen mit Zeugen, Gesprächen mit Opfern, Gesprächen mit Unternehmen und der Regierung. Aber es ist ein offenes Geheimnis. Es ist nicht so, dass wir losziehen mussten, um das herauszubekommen, es ist kein sehr schwieriger Prozess. Was diesen Bericht besonders macht, ist, dass er den Prozess systematisch von der Basis entlang der gesamten internationalen Lieferkette verfolgt.

Wie sieht es mit der Demokratischen Republik Kongo aus? Haben Sie denen ihre Informationen auch vorgelegt?

Ja, das ist immer unsere Vorgehensweise. Wir geben unseren Bericht der Regierung und allen Beteiligten. Die entscheidenden Erkenntnisse werden ihnen mitgeteilt. Leider ist die Resonanz von all diesen Beteiligten sehr enttäuschend gewesen, egal ob es die Regierung der Demokratischen Republik Kongo war oder die Unternehmen.

Das Interview führte Manuela Kasper-Claridge (z. Z. in Davos).