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Kultur

Kinder in den Wald

Die Greenpeace-Kampagne "Kids for Forests" kämpft gegen den Raubbau an der Natur. 19 Länder sind beteiligt. Auch Schulen machen mit. In der Region Rjazan in Russland zum Beispiel.

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Jeder Baum eine gute Tat!

Keine fünf Minuten braucht Sergej, bis er die winzige Kiefer eingepflanzt hat. Professionell sticht er ein kleines Quadrat aus dem Boden, lockert die Erde und schlemmt sie ein. Behutsam wird der Setzling festgedrückt. "Ich pflanze hier die Bäume, weil sie die Luft sauber halten und den Boden vor Erosion schützen sollen." Sechs Bäume habe er heute morgen schon eingesetzt, erklärt der 14-Jährige stolz.

Ein Greenpeace-Mitarbeiter hat ihm zuvor erklärt, wie man das macht. Die 30 Schüler der Nesnanovskaja Mittelschule nehmen ihre Arbeit sehr ernst. Das wird auch an der kleinen Baumschule deutlich, die sie hinter dem Schulgebäude angelegt haben: Sauber und akkurat stehen die Pflanzen nebeneinander.

140.000 Bäume

Wald in Rußland, Sibirien, Taiga

Die Idylle kommt (nicht mehr) von allein

Jugendliche sind einfach zu motivieren, wenn es um ihre Zukunft geht, erklärt der deutsche Greenpeace-Koordinator Dietmar Kress, der vor drei Jahren das Aufforstungsprojekt in Russland angestoßen hatte. Heute nehmen bereits 145 Schulen im ganzen Land an der Aktion teil. Rund 140.000 Bäume wurden bisher angepflanzt. "Das ist natürlich nicht die Errettung der Urwälder oder der Wiederansiedlung größerer Waldgebiete. Es geht schlicht darum, ein Zeichen der Hoffnung für Kinder zu setzen. Man muss sich nur mal eine Schule hier in drei Kilometer Entfernung anschauen: Es gibt dort Tische, Bänke, eine Tafel und sonst nichts. Es gibt keine Bücher, es gibt keine elektronische Ausstattung - wir sehen aber auf der anderen Seite eine riesengroße Bereitschaft von Kindern, insbesondere auch der Lehrer und der Eltern, mit Kindern sinnvolle Projekte zu machen."

Die Lehrer greifen das Greenpeace-Angebot gerne auf. Denn es kostet nicht viel. Samen und Setzling werden von der Umweltorganisation gestellt oder von den Schülern selbst eingesammelt. Für die 14-jährige Aksan ist Aktion eine willkommene Abwechslung im eintönigen Schulalltag. Nicht nur im Unterricht, sondern auch in ihrer Freizeit engagiert sie sich für die Aktion. "Ich mache die Pflanzarbeiten gerne und ich mache bereits seit drei Jahren mit. Es ist eine sinnvolle Arbeit. Es wird ein Wald entstehen, der Boden ist gut - und dann wird es viel besser hier."

Ökologie und Bewusstsein

Jahrhunderte langes Abholzen in der Region Rjazan hat dazu geführt, dass es kaum noch Bäume in Sjsoij, 300 km südlich von Moskau, gibt. Einst war die Region die Kornkammer Russlands. Seitdem die Kolchosenwirtschaft vor einigen Jahren eingestellt wurde, wird kaum noch Landwirtschaft betrieben. Die riesigen Felder veröden. Eine gigantische Ebene aus gelbem Gras und brauner Erde erstreckt sich bis zum Horizont. Ausgetrocknete Flüsse und Erosionskrater durchziehen die Landschaft.

Aber nicht der ökologische Effekt stehe bei dem Wiederaufforstungsprojekt im Vordergrund, erklärt der deutsche Kampagnenplaner, sondern das Ziel, in den Köpfen der Menschen etwas zu verändern - Kinder und Eltern für ihre Umwelt zu sensibilisieren. "Die Grundidee dabei ist, nachdem die Kinder gelernt haben, wie ein Setzling gepflegt wird, zu lernen ihre Umwelt zu schätzen und nicht mehr so mit den Wäldern umzugehen."

Vieles kann helfen

In Russland wie in vielen anderen Ländern der Welt spiele Umwelterziehung an Schulen bisher kaum eine Rolle. Das landesweite Projekt soll dies ändern. Denn Kinder seien schließlich die Unternehmer, Politiker und Beamten der Zukunft und werden später über den Fortbestand der lebenswichtigen Ressource Wald entscheiden.

Das Wiederaufforstungsprojekt in Russland ist Teil der internationalen Greenpeace Kampagne "Kids for Forests". Nicht alle pflanzen Bäume wie die Schüler in Rjazan. In Kamerun beispielsweise haben 2000 Schüler eine
Urwaldgalerie erstellt in der Bilder, Geschichten und Comics zum Thema Urwaldzerstörung gesammelt werden. In China malen Kinder Banner gegen die Waldzerstörung und demonstrieren auf der Straße. In Deutschland haben sich auf Druck der Kampagne 90 Schulen bereit erklärt, nur noch urwaldfreundliches Papier und Mobiliar zu kaufen.

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