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Welt

Kinder als Selbstmordattentäter in Zentralasien

In Afghanistan und anderen Ländern Zentralasiens bringen Terroristen sogar Kinder dazu, sich als Selbstmordattentäter in die Luft zu sprengen. Minderjährige werden entführt und in Camps für den Terror ausgebildet.

Im Irak und in Syrien baut der sogenannte "Islamische Staat" spezielle Zentren für Jugendliche und Kinder auf, berichten europäische Medien immer wieder. In Zentralasien ist das schon längere Praxis. Vor allem in Grenzregionen ist die Zahl solcher Terror-Camps sehr hoch.

"In der nordafghanischen Provinz Kundus haben die Taliban eine wichtige Ausbildungsstätte für Attentäter. Dort werden nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder unterrichtet. Sie lernen das Handwerk eines Selbstmordattentäters", sagt Andrej Serenko, Experte am Zentrum für moderne Afghanistan-Studien in Moskau, im DW-Interview. "Kinder zwischen sechs und acht Jahren üben zum Beispiel, wie man Minen am Straßenrand installiert." Die Ausbildung für die Kinder dauere in der Regel ein bis sechs Jahre.

Taliban bereiten Kinder für Attentate vor

Andrej Serenko vom Zentrum für moderne Afghanistan-Studien in Moskau (Foto: privat)

Andrej Serenko: "Kinder zwischen sechs und acht üben, Minen zu installieren"

"Es gibt ein Taliban-Zentrum in der Region Garmach, nordwestlich von der Provinz Badghis", so der Experte. "Dort gibt es einen ziemlich bekannten Lehrer namens Mullah Qayyum. Er bereitet die Kinder für ihre Aufgaben als Selbstmordattentäter vor. Die meisten von ihnen wurden entführt oder von den eigenen Eltern verkauft." Für einige Kinder werden bis zu 1000 US-Dollar (915 Euro) auf dem Markt gezahlt. Ein weiteres Taliban-Trainingslager für Selbstmordattentäter befindet sich in der nördlichen Provinz Sar-e-Pul. Dort seien viele Pakistaner als Lehrer tätig. Im Vergleich zu dem Camp bei Kundus soll die Ausbildung hier nur drei Monate dauern. Das Zentrum für moderne Afghanistan-Studien hat dort Ende November sechs oder sieben Kinder gezählt.

Die Terroristen setzen Kinder ein, weil diese schneller das Vertrauen von potenziellen Opfern gewinnen könnten, sagt Natalia Kharitonov vom Zentrum für Krisenforschung CSRC in Malta. Für Kinder sei es einfacher, in die Nähe von möglichen Anschlagsorten zu gelangen. "Sie sind zwar effektiver als ältere Selbstmordattentäter, aber ihr Einsatz hat auch seine Grenzen. Sie können zum Beispiel nur schlecht einen Auto-Anschlag verüben", so Kharitonov. Das sei ein möglicher Grund dafür, warum der Preis für minderjährige Attentäter in Afghanistan und Pakistan geringer sei als für Erwachsene. "Kinder werden bei Attentaten meistens mit improvisierten Sprengsätzen ausgestattet. Der Sprengsatz wird aus der Ferne betätigt. Es gibt Fälle, in denen die Kinder gar nicht wissen, welche Rolle sie gerade spielen", sagt Natalia Kharitonov im DW-Interview.

Viele Entführungen in Afghanistan

Natalia Kharitonova, Expertin des Forschungszentrums CSRC in Malta

Natalia Kharitonov: "Effektiver als Erwachsene"

Die Expertin für Krisenforschung geht davon aus, dass in den Camps oft auch Kinder von verstorbenen Kämpfern landen. Einige von ihnen bleiben länger und müssen verpflegt werden. Weil das viel Geld kostet, geht sie davon aus, dass die meisten Kinder von gefallenen Kämpfern weiterverkauft würden. Das gehe aus Berichten vor allem aus Afghanistan und Pakistan Berichte hervor.

Andrej Serenko nimmt an, dass der "Islamische Staat" in Syrien und im Irak Selbstmordattentate mit Frauen und Kindern vorbereitet. In den IS-Zentren in Afghanistan würden nur Männer ausgebildet. Es gebe zwar Informationen, dass sich auch Kinder in diesen Zentren aufhielten, aber ihre Rolle sei bis jetzt unklar. "Fakt ist, dass der IS noch keine afghanischen Kinder als Selbstmordattentäter benutzt hat - bei den Taliban ist das anders", so Andrej Serenko.

Die gezielte Ausbildung von Selbstmordattentätern - insbesondere die von Kindern - geht seiner Meinung nach auf das Konto des arabischen Einflusses der Al-Kaida in Afghanistan und Pakistan. Dabei sollte auch die Rolle von Usbekistan in Betracht gezogen werden, sagt der russische Experte. "Man muss beachten, dass Anhänger der Islamischen Bewegung Usbekistan (IBU) während ihres Aufenthaltes in Afghanistan als kompetente Lehrer für Selbstmordattentate galten." Deshalb geht er davon aus, dass einige IBU-Anhänger auch Teil des IS geworden sind.

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