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Welt

Kim Jong Un zum "obersten Führer" ernannt

Der Machtwechsel ist vollzogen: Zum Ende der offiziellen Trauerzeit um den verstorbenen Machthaber Kim Jong Il hat Nordkorea nun dessen Sohn, Kim Jong Un, zum obersten Parteiführer ernannt. Der neue Führer schwieg.

Kim Jong Un während der Trauerfeier für seinen Vater Kim Jong Il (Foto: PA/dpa)

Schweigsamer neuer Staatsführer: Kim Jong Un

Es war sein Bruder, der ihn nun offiziell vor Zehntausenden Menschen zum Führer des Landes ausrief: "Der geachtete Genosse Kim Jong Un ist der oberste Führer unserer Partei und des Militärs", sagte Kim Jong Nam am Donnerstag (29.12.2011) am zweiten Tag der Trauerzeremonie anlässlich des Todes seines Vaters Kim Jong Il. Kurz darauf übernahm auch die staatliche Nachrichtenagentur KCNA diese Bezeichnung.

Im Ein-Parteienstaat Nordkorea existieren die verfassungsmäßigen Staatsorgane parallel neben den Organen der "Koreanischen Arbeiterpartei". Entscheidungen werden in einem nicht transparenten Geflecht von Partei- und Militärstrukturen getroffen. Der Staatsführer ist daher sowohl Vorsitzender der Obersten Nationalen Verteidigungskommission, Ministerpräsident und Generalsekretär der Partei.

Seltsames Amt

Defacto ist Kim Jong Nam, ältester Sohn des verstorbenen Machthabers, das protokollarische Staatsoberhaupt. Er ist der Vorsitzende des Präsidiums der Obersten Volksversammlung, dem höchsten Entscheidungsgremium in Nordkorea, da das Parlament in der Regel nur ein Mal im Jahr zusammentritt. Offiziell hält allerdings Kim Il Sung, der 1994 verstorbene Staatsgründer, dieses Amt inne, nachdem er 1998 posthum den Titel "Ewiger Präsident" erhalten hat.

Trauerfeier in Pjöngjang (Foto: PA/dpa)

Zehntausende trauerten um Kim Jong Il

Kim Jong Nam lobte seinen Bruder in einer kurzen Ansprache und betonte, dass Nordkorea seine Trauer nun unter Kim Jong Un in eine 1000 Mal größere Stärke und in Mut verwandeln würde und den Weg, den Kim Jong Il geebnet habe, weiterverfolgen würde. Damit spielte er auf die so genannte Songun-Politik an, laut der alle Belange und die Entwicklung des Staates dem Militär unterzuordnen sind. Legitimiert wird sie mit dem Argument der ständigen Bedrohung und akuten Gefahr der Invasion ausländischer Truppen. So rechtfertigt Nordkorea auch den Aufbau seines Atomwaffenarsenals.

Wie der Vater so der Sohn

Kim Jong Un wird seit mehreren Jahren als Nachfolger seines Vaters gehandelt. Bereits am 27. September 2010 wurde er zum General ernannt. Auch der verstorbene Kim Jong Il hatte diese Position inne, bevor er seinen Vater Kim Il Sung 1994 beerbte. Zuvor wurde lange vermutet, dass gemäß der Erbfolge der älteste Sohn, Kim Jong Nam, das Amt übernehmen werde. Der aus der zweiten Ehe stammende Sohn des verstorbenen Machthabers sorgte im Oktober 2010 für Schlagzeilen, als er die Kim-Erbdynastie öffentlich in Frage stellte. Er soll damals gesagt haben, dass er gegen die Vererbung der Macht in die dritte Generation seiner Familie sei.

Kim Jong Un (links) und sein Vater Kim Jong Il (links) (Archivfoto: dapd)

Familiennachfolge: Kim Jong Un (links) mit seinem nun verstorbenen Vater Kim Jong Il (rechts)

Der Personenkult um den jüngsten Sohn und Nachfolger Kim Jong Ils wird seit 2010 kontinuierlich aufgebaut. Dazu gehört auch, dass er äußerlich seinem Vater möglichst ähnlich sieht - im Mao-Anzug mit zurückgekämmten Haaren. Seit dem 08. Januar 2010 ist Kim Jong Uns Geburtstag ein offizieller Feiertag in Nordkorea. Ihm wurden auch stetig mehr Aufgaben zugeteilt. Nordkorea-Experten vermuten zudem, dass er den Torpedo-Angriff auf das südkoreanische Schiff Cheonan im März 2010 geplant hatte.

Ein Staat am Abgrund

Kim Jong Un übernimmt keine leichte Aufgabe. Nordkorea kämpft mit vielen Problemen: Die Wirtschaft schrumpft, Nahrungsmittel sind knapp, die Stromversorgung ist instabil und das Atomprogramm frisst nicht nur die Geldreserven auf, es hat den Staat auf der internationalen Bühne weiter isoliert. Laut Angaben der Vereinten Nationen brauchen sechs Millionen Menschen, ein Viertel der nordkoreanischen Bevölkerung, dringend Lebensmittel.

Kim Jong Il regierte das Land 17 Jahre lang mit eiserner Hand. Er ist am 17. Dezember gestorben. Offizielle Todesursache ist ein Herzinfarkt.

Autorin: Nicole Scherschun (dpa, dapd, afp)
Redaktion: Naima El Moussaoui

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