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Asien

Kim Jong Un übernimmt Militär-Oberbefehl

Kim Jong Un hat nach der Parteiführung nun auch offiziell das militärische Oberkommando in Nordkorea übernommen. Schlag auf Schlag festigt er damit seine Macht nach dem Tod seines Vaters - der Politikkurs bleibt.

Kim Jong Un (Foto: dapd)

Kim Jong Un hat nun alle wichtigen Posten inne

Einen so schnellen politischen Auftsieg sieht man selten: Kurz nachdem Kim Jong Un, jüngster Sohn des verstorbenen nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il, die Parteiführung übernommen hatte, ist er nun auch zum Oberbefehlshaber der Armee ernannt worden. Das berichtet die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Samstag (31.12.2011). Die Entscheidung sei nach einem Treffen des Politbüros des Zentralkomitees der Arbeiterpartei am Freitag gefallen. Das Politbüro sah es als notwendig an, nun offiziell zu verkünden, dass Kim Jong Un "das einzige Zentrum der Einheit, des Zusammenhalts und Führung der Arbeiterpartei" sei.

Trauerzeremonie auf einem Platz in Pjöngjang mit tausenden Menschen (Foto: PA/dpa)

Staatstrauer um den verstorbenen Kim Jong Il

Damit ist die Partei dem Willen Kim Jong Ils gefolgt. Bereits Anfang Oktober soll der im Alter von 69 Jahren verstorbene Kim der Parteispitze mitgeteilt haben, dass sein Sohn die Militärführung über die 1,2 Millionen Mann starke Armee übernehmen solle. In den vergangenen Tagen ließen Medienberichte vermuten, Kim Jong Un habe bereits die militärische Führung übernommen. Doch erst jetzt bestätigte Nordkorea diese Meldung.

Immer ein bisschen mehr Verantwortung

Bereits in den vergangenen zwei Jahren hat der zwischen 1983 oder 1984 geborene, jüngste Kim-Sprössling nach und nach wichtige Posten in der Staatsverwaltung übernommen. Seit September 2010 trat er stets an der Seite seines Vaters auf. In dieser Zeit ist er auch zum Vier-Sterne-General ernannt worden - ein wichtiger Rang, da Militär- und Parteistrukturen in Nordkorea eng miteinander verflochten sind. Die Armee ist ein wichtiger Machtfaktor und gehört zu den viertgrößten der Welt. Durch die so genannte Songun-Doktrin, die Kim Jong Il in den 1990er Jahren eingeführt hatte, kommt ihr eine ganz besondere Rolle zu: Die Armee steht an erster Stelle und ist damit sogar wichtiger als die Zivilbevölkerung.

Kim Jong Uns verstorbener Vater hatte die Militärführung bereits 1991 übernommen, drei Jahre vor dem Tod des nordkoreanischen Staatsgründers Kim Il Sung, dem "ewigen Präsidenten". 17 Jahre lang leitete Kim Jong Il die Geschicke des verarmten Nordkoreas, das er auch außenpolitisch zunehmend isolierte, in dem er beispielsweise den Bau einer Atombombe weiter vorantreiben ließ.

Klare Politikausrichtung ohne Veränderung

Kim Jong Il liegt in einem Glassarg (Foto: dapd)

Abschied vom "geliebten Führer" Kim Jong Il

Kim Jong Un will in diese Fußstapfen seines Vaters treten: Der politische Kurs Nordkoreas werde beibehalten, verkündete die nationale Verteidigungskommission am Freitag. Die internationale Gemeinschaft solle nicht auf Veränderungen hoffen. Auch mit der südkoreanischen Regierung von Präsident Lee Myung Bak werde man keinerlei diplomatische Beziehungen aufnehmen.

Der Konflikt zwischen Nord- und Südkorea dauert seit Jahrezehnten an. Die Führung in Pjöngjang droht den Südkoreanern immer wieder mit Krieg, viele militärische Zwischenfälle spitzen die Lage weiter zu. Den letzten großen Zwischenfall gab es im November 2010, als Nordkorea die zu Südkorea gehörende Insel Yongpyong mit Granaten beschoss. Vier Menschen wurden dabei getötet, zahlreiche verletzt. Das südkoreanische Militär erwiderte das Feuer. Im Juli 2011 gab es die erste zaghafte Annäherung beider Staaten: Erstmals seit Jahren sprachen die Außenminister beider Länder wieder miteinander. Die jüngsten Äußerungen aus Nordkorea zeigen Beobachtern zufolge wieder eine deutliche Abkühlung.

Autorin: Nicole Scherschun (dpa, afp, rtr)
Redaktion: Stephan Stickelmann

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