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Sprachbar

Kikeriki und Wauwau

Lautmalerische Wörter gibt es – wie in vielen Sprachen – auch im Deutschen. Meist ist sofort klar, was gesagt oder beschrieben werden soll. Die Anhänger von Comics kennen sich bestens mit „Onomatopoesie“ aus.

Es gibt Wörter, die stehen in keinem Lexikon – wie zum Beispiel Klickeradoms. Man kann davon ausgehen, dass dieses Wort einmalig ist und eben nur in der Bildergeschichte von der „Frommen Helene“ des Dichters Wilhelm Busch vorkommt.

Lautmalerische Geräusche

Ein Saal in einem Schloss mit großen Kronleuchtern

Das würde ganz viel „Klingelingelings“ geben, wenn sie von der Decke fallen!

Klickeradoms“ macht es, als der dicke, freche Kater Munzel in Panik vor Helene flieht, weil er den Sahnetopf ausgeschleckt hat. Auf seiner Flucht über Tische und Bänke geht Einiges zu Bruch. Als Munzel dann auf den Kaminsims springt, stößt er die Venusfigur um, und „Ach! Die Venus ist perdü – Klickeradoms!“ fällt sie zu Boden. Gibt es einen treffenderen Ausdruck für diesen Vorgang einer Gipsfigur, die ins Wackeln kommt, das Gleichgewicht verliert und – man hört gleichsam wie sie zerspringt – vom angestammten Platz herunterstürzt und zerschellt?

Nein. Gibt es nicht. Damit aber nicht genug. Der arme Munzel weiß auf seiner Flucht nicht mehr was er tut. Vom Kaminsims springt er auf den Lüster an der Decke: „Und da geht es Klingelingelings! Unten liegt das teure Dings.“ Es ist auch klar, was damit gemeint ist. Onomatopoetisch – lautmalend – nennt man solche Wörter; und unsere Sprache ist voll davon. Natürlich nicht nur von solchen wie Klickeradoms und Klingelingelings – das sind Kunstwörter. Aber machen die Brüder und Schwestern von Munzel nicht Miau, unsere Freunde die Hunde nicht Wauwau?

Onomatopoetische Tierlaute

Eine kleine Katze (links) und ein Welpe (rechts)

Eine „Miezmiez“ versteht sich meist nicht mit einem „Wauwau“

Kleine Kinder übernehmen die lautliche Wahrnehmung und übersetzen sie so direkt wie möglich ins Wort. Erst später wird aus dem Wauwau ein Hund, aus der Miezmiez die Katze. Wenn allerdings Erwachsene von Wauwaus sprechen, wirkt das etwas befremdlich.

Die Tierwelt bietet reichlich Lautmalerisches. Denken wir nur an die gemütlich anheimelnden Äußerungen der Schweine und Kühe: zufriedenes Grunzen und beruhigendes Muhen. Lautmalerei hat viel mit dem zu tun, was die Wahrnehmungspsychologie „Anmutung“ nennt. Kein Mensch sagt Kikeriki, aber das Wort wird ohne Weiteres verstanden. Es ist der krähende Hahn, der solches von sich gibt und uns morgens weckt. Der krähende Hahn steht gewissermaßen als Synonym für den Vorgang des Gewecktwerdens.

Fremdländische Lautmalerei

Ein krähender Hahn

In jedem Land kräht der anders – auch sprachlich

Lautmalerische deutsche Wörter werden in anderen Ländern allerdings selten verstanden. Englische Hähne wecken mit einem für deutsche Ohren ungewöhnlichen „cock–a–doodle–doo“, während sich der französische Hahn mit einem exakt militärischen „cocorico“ begnügt. Und in der Türkei begrüßt ein Gockel den Tag mit einem „Ü-ürü-üüü“.

Bleiben wir noch einen Moment auf dem Bauernhof. Gibt es da nicht die herumpurzelnden Ferkel, die wir zum Quieken komisch finden? Stammt das wiehernde Gelächter möglicherweise vom Pferd, das hinter der Scheune auf der Wiese steht? Und was ist mit dem ewigen Gemecker von Tante Helene, dieser blöden Ziege?

Lautmalerei oder Onomatopoetik

Eine aufgeschlagenes Walt-Disney-Comics-Heft

Seufz, Brüll, … – der Inflektiv in den deutschen Walt-Disney-Comics

Das aus dem Griechischen stammende Wort Onomatopoesie beziehungsweise Onomatopöie wird definiert als das Nachahmen akustischer Ereignisse mit Hilfe von Sprachlauten. Oder vereinfacht mit dem „Duden“ gesagt: die Bildung eines Wortes durch Lautnachahmung, Lautmalerei. Dieses kann als wortbildender Wortstamm existieren, zum Beispiel klirren, als Interjektion, zum Beispiel hatschi!, oder als Wort, das einen Laut nicht nachahmt, ihn aber benennt, beispielsweise blechern.

In der Comicsprache spielen lautmalerische Wörter eine sehr wichtige Rolle – auch als Ausdruck von Gefühlen und Handlungen. Besonders in der deutschen Version der Walt- Disney-Comics wird zusätzlich gerne ein Inflektiv verwendet – die Infinitivendung „n“ oder „en“ wird einfach weggelassen. Der Begriff „Lautmalerei“ selbst geht allerdings – redensartlich – ein bisschen an Krücken. Denn lässt sich etwa mit Lauten malen? Oder umgekehrt gefragt: Wie sieht Kälte, wie Wärme in Farben aus?

Viel Lärm um fast nichts

Zwei Postillons in traditioneller gelber Kleidung und Hüten auf dem Kopf. Der eine Postillon (rechts) bläst in ein Posthorn.

Trara, die Post ist da!

Eine Farbe, das Gelb, verbindet man in Deutschland mit der Post. Dieser hat der Dichter Rudolf Löwenstein ein Gedicht gewidmet, das längst in Vergessenheit geraten ist: „Trara, die Post ist da!“, heißt es. „Trara!“, so klang das Horn des Postillons, also des Postboten, mit dem er sich ankündigte. Laut vernehmlich und durchaus wichtig.

Mach' doch nicht so ein Trara!“ sagen wir, wenn jemand sich wichtig tut, ein großes Aufhebens um etwas macht. Fast gleichwertig ist das Tamtam. Es ist abgeleitet von dem ostasiatischen Gong, dem Tamtam, der einen Durchmesser von bis zu 150 cm hat. Deshalb wird auch von einem großen Tamtam gesprochen, wenn besonders viel Lärm um fast nichts gemacht wird. Ähnlich verhält es sich mit Bohei. Allerdings ist hier etymologisch nicht ganz geklärt ist, woher das Wort stammt.

Mit lautem Krach

Rudolf Löwenstein hat seine Gedichte übrigens in einem Berliner Wochenmagazin für Humor und Satire veröffentlicht, das „Kladderadatsch“ hieß und von 1848 – 1944 erschien. Kladderadatsch ist ein Berliner Ausdruck für eine Situation, wenn etwas herunterfällt und mit lautem Krach in tausend Scherben zerspringt. So eine Art Klickeradoms also. In der heutigen Umgangssprache beschreibt der Kladderadatsch ein großes Chaos oder einen Skandal. Und was würde man da onomatopoetisch sagen? Seufz! Schluchz! Zeter! Brüll!…




Fragen zum Text

Kein onomatopoetisches Wort ist …
1. meckern.
2. grunzen.
3. hauen.

Redensartlich … jemand, der aus vollem Hals lacht, wie …
1. wiehert – ein Pferd.
2. meckert – eine Ziege.
3. kräht – ein Hahn.

Hat jemand etwas Schlimmes angestellt, kann sie/er nicht sagen: …
1. „Mach doch nicht so ein Tamtam! Es ist doch nichts passiert!“
2. „Das ist so ein Klickeradoms, in dem ich stecke!“
3. „Ich weiß nicht, wie ich aus diesem Kladderadatsch rauskommen soll!“


Arbeitsauftrag
Recherchiert in eurer Lerngruppe, welche lautmalerischen Wörter es noch gibt. So gehören zum Beispiel auch „quaken“ oder „seufzen“ dazu. Anschließend könnt ihr einen kurzen fiktiven Dialog über eine bestimmte Situation schreiben, in der eine Person der anderen etwas in lautmalerischen Wörtern beschreibt – wie etwa einen Unfallhergang: „Da hat es ‚Bumms' gemacht! …

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