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Aktuell Europa

Kiew setzt Anti-Terroreinsatz fort

Die Offensive ukrainischer Regierungstruppen im Osten des Landes hält an. Zahlreiche Städte wurden teilweise zurückerobert, in der Separatisten-Hochburg Slowjansk verschlechtert sich zunehmend die Versorgungslage.

Die Regierung in Kiew setzt ihren "Anti-Terror-Einsatz" mit Kampfhubschraubern und gepanzerten Fahrzeugen weiter fort. Im Osten des Landes, in der Großstadt Luhansk, starben bei Schusswechseln mindestens ein Aktivist, zwei wurden verletzt, wie der Innenminister Arsen Awakow via Facebook mitteilte. In Mariupol am Asowschen Meer begannen Regierungseinheiten mit dem Sturm auf ein besetztes Regierungsgebäude. "Sie haben uns fünf Minuten gegeben, um das Haus zu verlassen und danach das Feuer eröffnet", sagte ein Separatistensprecher.

Beim Kampf um den Fernsehturm in Konstantinowka wurden mehrere Angehörige der Sicherheitskräfte verletzt. Innenminister Awakow teilte mit: "Die Terroristen verwenden schwere Waffen. Aber wir halten die Stellung". In Kramatorsk haben Regierungstruppen bereits den Fernsehturm zurückerobert. Die Operation dazu begann nach Angaben Awakows am frühen Sonntagmorgen. Am Samstag wurden mitten in der Stadt zahlreiche öffentliche Busse in Brand gesetzt, nach Berichten russischer Fernsehsender wurden bei den bisherigen Gefechten in der ostukrainischen Stadt bereits zehn Menschen getötet, darunter zwei ukrainische Soldaten. Kiew teilte mit, dass bei den Kämpfen in Kramatorsk sechs Separatisten getötet und 15 verletzt wurden.

Das Gros der prorussischen Kräfte hat sich derweil in Slowjansk verschanzt. Ukrainische Regierungstruppen haben damit begonnen die Stadt einzukreisen und dabei zahlreiche Checkpoints von Separatisten geräumt. Nach Augenzeugenberichten bildeten sich vor den Supermärkten in Slowjansk Menschenschlangen.

Premierminister beschuldigt Polizei

Die jüngste Offensive Kiews dürfte die Sorgen Russlands bestätigen: Außenminister Sergej Lawrow hatte am Samstag in einem Telefonat mit seinem deutschen Amtskollegen Frank-Walter Steinmeier seine Befürchtung geäußert, dass die Übergangsregierung nach der Befreiung der OSZE-Beobachter eine Großoffensive gegen die prorussischen Separatisten im Osten des Landes starten würde.

Mit Blick auf den Brand des Gewerkschaftsgebäudes in Odessa hat der ukrainische Premierminister Arseni Jazenjuk die Polizei der Tatenlosigkeit beschuldigt. Dem britischen Sender BBC sagte Jazenjuk: "Ich persönlich mache die Sicherheitskräfte dafür verantwortlich, dass sie nichts gemacht haben, um die Ausschreitungen zu stoppen." In Odessa waren am Freitag bei Zusammenstössen zwischen proukrainischen und prorussischen Demonstranten zahlreiche Menschen gestorben.

Das Gewerkschaftsgebäude, in dem sich prorussische Separatisten aufhielten, soll von ukrainischen Demonstranten angezündet worden sein. Bei den Ausschreitungen wurden offiziell 46 Menschen getötet und 214 verletzt. Premierminister Jazenjuk versprach eine "umfassende und unabhängige Untersuchung" der Straßenschlachten und des anschließenden Brandes im Gewerkschaftshaus.

Bei einem Besuch der südlichen Hafenstadt beschuldigte der ukrainische Regierungschef zudem Russland, die gewalttätigen Ausschreitungen der prorussischen Aktivisten orchestriert zu haben. "Russlands Absicht war es, in Odessa das zu wiederholen, was zurzeit im Osten des Landes passiert", sagte Jazenkuk bei einer Pressekonferenz in Odessa. Gleichzeitig wies er die Kritik aus Moskau zurück, wonach die Regierung in Kiew ein Blutbad in der Ost-Ukraine anrichte.

zam/nis (dpa, afp, rtr, ap)