1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Europa

Kiew demonstriert Stärke

Einen Tag nach Kanzlerin Merkel kamen die Panzer ins Zentrum Kiews: Überschattet vom blutigen Konflikt mit Separatisten im Osten des Landes feiert die Ukraine den Jahrestag ihrer Unabhängigkeit - mit einer Militärparade.

Video ansehen 02:05

Alexandra von Nahmen in Kiew zu den Feierlichkeiten

Im Beisein von Oberbefehlshaber und Präsident Petro Poroschenko zogen hunderte Soldaten sowie rund 50 Einheiten schwerer Armeetechnik durch die Hauptstadt Kiew. Die Prachtstraße Kreschtschatik - festlich in den Nationalfarben Gelb und Blau geschmückt.

Poroschenko will aufrüsten

Die Unabhängigkeitsparade gilt auch als Demonstration der Stärke im Konflikt der prowestlichen Regierung mit prorussischen Aufständischen. In Zeiten knapper Staatskassen ist die Waffenschau allerdings nicht unumstritten. Es handele sich um eine "Geste zur Unterstützung der kämpfenden Einheiten im Osten", verteidigte Andrej Lyssenko vom Sicherheitsrat in Kiew die Parade. Die damalige Sowjetrepublik Ukraine hatte am 24. August 1991 - also vor genau 23 Jahren - ihre Unabhängigkeit erklärt.

Petro Poroschenko (Foto: Reuters)

Nahm die Parade ab: Petro Poroschenko

In einer kurzen Rede betonte Poroschenko, die Ukraine wolle keinen Krieg. "Wir wählen den Frieden!", sagte der Staatschef. Poroschenko warf Russland vor, es habe die Ukraine in einen "richtigen Krieg" gezogen. "Ich bin überzeugt, dass der Kampf für die Ukraine, für unsere Unabhängigkeit, mit unserem Sieg enden wird", sagte der ukrainische Präsident. Zugleich kündigte er eine Aufrüstung der ukrainischen Armee an. In den kommenden drei Jahren sollten dafür umgerechnet mehr als 2,2 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden, so Poroschenko.

Millionen Euro aus Deutschland

Bundespräsident Joachim Gauck gratulierte dem ukrainischen Präsidenten zum Unabhängigkeitstag. Gauck sprach dabei auch die Annexion der Halbinsel Krim durch Russland an. Diese sei "völkerrechtswidrig" gewesen und habe die territoriale Integrität der Ukraine schwer verletzt, sagte der Bundespräsident.

Am Samstag hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel zum ersten Mal seit Ausbruch des Konflikts Ende 2013 mit Poroschenko in Kiew getroffen und der Ukraine Finanz- und Wirtschaftshilfe für den Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur im Osten. Merkel kündigte eine Kreditbürgschaft über 500 Millionen Euro für die Energie- und Wasserversorgung und den Aufbau von Schulen sowie 25 Millionen Euro Hilfe für Flüchtlinge an. Zudem sollen 20 im Kampf verwundete Soldaten auf deutsche Kosten behandelt werden.

Merkel: sehr fragile Situation

Nach ihrem Besuch in der Ukraine bezeichnete die Kanzlerin die Situation im Hinblick auf eine mögliche russische Invasion als weiterhin "sehr fragil". In einem ARD-Interview betonte Merkel, in dem Konflikt mit Russland könne es nur eine politische Lösung geben. Ihr Besuch habe auch der Vorbereitung des Treffens zwischen Poroschenko und Russlands Präsident Wladimir Putin gedient.

Die beiden Staatschefs kommen am Dienstag im weißrussischen Minsk beim Gipfel der Eurasischen Zollunion zusammen. Merkel dämpfte allerdings die Erwartung und sagte, das Treffen der beiden werde "sicherlich noch nicht den Durchbruch bringen".

In den Rebellenhochburgen in der Region von Luhansk und rings um die Stadt Donezk gingen die Gefechte zwischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten am Wochenende unvermindert weiter. Dabei wurde am Sonntag in Donezk unter anderem ein Krankenhaus beschädigt. Von Opfern war zunächst nichts bekannt.

Die Aufständischen teilten mit, bei etwa 5000 Angehörige von Regierungseinheiten sowie 50 Panzer und mehr als 200 gepanzerte Fahrzeuge bei Amwrosijewka nahe der russischen Grenze eingekesselt zu haben. Dafür gab es zunächst aber keine Bestätigung.

Separatisten führen Gefangene vor

Während in Kiew die Militärparade zum Unabhängigkeitstag stattfand, führten prorussische Separatisten in Donezk demonstrativ dutzende gefangengenommene ukrainische Soldaten öffentlich vor. Die etwa 50 Soldaten wurden auf den zentralen Leninplatz gebracht, wo mehrere hundert Einwohner sie mit Rufen wie "Faschisten! Faschisten!" beschimpften. Die ukrainischen Soldaten wurden anschließend in zwei Busse verfrachtet und weggefahren, während sich die Rebellen-Kämpfer von der Menge feiern ließen.

wa/cw/pg/sti (dpa, afp)

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema