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Wirtschaft

KfW bringt Konjunktur auf Tour

Immer mehr Unternehmen klopfen bei der Staatsbank KfW an. Dazu haben vielleicht auch die zwei KfW-Busse beigetragen, die im Land touren und für das Konjunkturprogramm werben. Einen Bus hat Zhang Danhong in Essen besucht.

KfW-Bus mit der Schrift Konjunktur auf Tour (Foto: KfW)

Viel Geld im Gepäck: 52,5 Milliarden will die Staatsbank unters Volk bringen

Kurz vor dem Start um zehn Uhr bildet sich vor dem dunkelblauen KfW-Bus auf dem Willy-Brandt-Platz in der Essener Innenstadt bereits eine kleine Schlange. Auch Ehepaar Tornsäufer wartet auf ein Beratungsgespräch. Oliver Tornsäufer erzählt, dass sie gerade ein altes Haus gekauft haben: "Wir wollen die Heizung sanieren, im Moment haben wir Nachtspeicheröfen." Die sind bekanntlich sehr CO2-intensiv. Jetzt wollen sich die Tornsäufers infomieren, welche Fördermöglichkeiten für neue Heizungssysteme die KfW bietet.

Viel Geld zu verteilen

Beratungsgespräch vor dem KfW-Bus (Foto: DW)

Ehepaar Tornsäufer bei der Beratung - es geht ums energieeffizientes Sanieren

Oliver Tornsäufer hat das Milliarden-Paket für die normalen Bürger im Blick. Unterstützt werden energieeffizientes Bauen und Sanieren von Wohngebäuden. Insgesamt will die staatliche Förderbank in diesem und nächstem Jahr 52,5 Milliarden Euro unters Volk bringen. Der Betrag setzt sich zusammen aus 12,5 Milliarden Euro für Bürger und Kommunen und 40 Milliarden für Unternehmenskredite.

Da in den Medien oft nur über prominente Fälle wie Opel oder Arcandor berichtet wird, haben die Menschen oft den Eindruck, dass nur den Großen geholfen werde. Stimmt nicht, sagt Brigitte Hanisch-Zelle von der KfW-Presseabteilung: "Es sind momentan 95 Prozent aller Anträge, die ein Volumen von weniger als zehn Millionen umfassen. Das heißt, das Gros der Anträge betrifft kleinere und mittlere Unternehmen."

Geizt die KfW bei Mittelständlern?

Das Logo von Arcandor auf dem Dach der Konzernzentrale in Essen (Foto: AP)

Arcandor erhielt keinen Kredit von der KfW

Beantragen ist eine Sache, bewilligen die andere. Immer wieder wird berichtet, dass die KfW mit der Hilfe für mittelständische Unternehmen geizt. Diese Berichte hat auch eine Unternehmerin gelesen. Sie - die anonym bleiben möchte - ist selber von der Krise betroffen und musste sich in den letzten Monaten von mehreren Mitarbeitern trennen. Sie wolle mit den KfW-Leuten mal Klartext reden, dass sie sich verschaukelt fühle von der Politik und von der Staatsbank.

Nach einem längeren Gespräch mit Berater Jürgen Daamen ist sie jedoch versöhnlicher gestimmt: "Ich habe mich jetzt noch einmal genauer informiert und habe festgestellt, dass die meisten Probleme eigentlich aus Informationslücken resultieren." Man müsse die Programme der KfW genau studieren, das für sich Passende finden und dann hartnäckig sein bei der Hausbank und sich nicht abwimmeln lassen, sagt die Unternehmerin.

Wo klemmt es?

Innenansicht des KfW-Busses (Foto: KfW)

Auch im Bus kann man sich beraten lassen, sogar Kaffee wird serviert

Denn nur über die Hausbank kann ein KfW-Kredit beantragt werden. Das ist das so genannte Durchleitungsprinzip. Was oft kritisiert wird, ist, dass die Hausbank wenig Anreiz hat, den Antrag zur KfW durchzuleiten. Denn solch einen Antrag mitzutragen bedeutet für die Hausbank viel Arbeit und wenig Gewinn. Dennoch wird an diesem Prinzip nicht gerüttelt. Berater Jürgen Daamen nennt den einfachen Grund: die KfW habe kein Filialnetz. Wenn alle Kunden direkt bei der KfW einen Antrag stellen wollten, müsste die Bank aber in der Fläche vertreten sein. "Dann wären wir wie eine Hausbank, aber mit staatlicher Absicherung. Wir wären also eine staatliche Bank, die den privaten Banken letzten Endes auch die Geschäftsgrundlage entziehen würde."

Das Kreditprogramm will soliden Unternehmen helfen, die erst durch die Finanzkrise in Liquiditätsengpässe geraten sind. Unternehmen, die durch Missmanagement mit dem Rücken zur Wand stehen, haben kaum Hoffnung auf staatliche Hilfe, Beispiel Arcandor.

"Deutschlands dümmste Bank"

Lehman Brothers Zentrale in New York (Foto: AP)

Die Überweisung an die pleite Lehman-Brothers setzte die KfW unter Druck

Dabei machte die staatliche Förderbank eine Zeitlang selber durch Missmanagement Schlagzeilen. Noch Mitte September 2008 überwies die KfW über 300 Millionen Euro an Lehman Brothers, obwohl die Insolvenz der US-Investmentbank bereits bekannt war. "Deutschlands dümmste Bank", titelte daraufhin die "Bild"-Zeitung.

Von daher sollen die zwei Info-Busse nicht nur für das Sonderprogramm werben, sondern auch das eigene Image aufpolieren. Von Flensburg bis Konstanz, von Aachen bis Görlitz, die mobile Einsatztruppe will innerhalb von sechs Wochen 64 Städte erreicht haben.

Autorin: Zhang Danhong

Redaktion: Rolf Wenkel

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