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Europa

Kerzenmeer in Osternacht

Oster-Bräuche gibt es in ganz Europa: Deutsche Kinder suchen Ostereier, bulgarische Winzer vergraben Eier in ihren Weinbergen, Ungarn bespritzen sich mit Osterwasser und die Rumänen tragen das Osterlicht in ihre Häuser.

Ein Mann zündet eine Kerze an anderen Kerzen an (25.12.2005/AP Photo/Petar Petrov)

Das Licht wird weitergegeben, sobald der Priester nach der Messe mit einer Kerze aus der Kirche tritt

Ostern ist für die Rumänen das wichtigste Fest im Kirchenjahr. In der Nacht vom Samstag zum Ostersonntag strömen Jung und Alt mit einer Kerze in der Hand zur Kirche.

Ein Licht breitet sich aus in der Osternacht

Blick auf eine orthodoxe Kirche in Sighisoara (05.01.2001)

Vor orthodoxen Kirchen stehen Rumänen in der Osternacht bis auf die Straße

In völliger Dunkelheit findet in der Kirche ein Teil der Auferstehungsmesse statt – bis eine Kerze das Dunkel erhellt und der Lichtschein sich ausbreitet. Die elfjährige Sofia, die eigentlich in Bukarest wohnt, fährt mit ihren Eltern oft aufs Land zur Messe, zum Beispiel nach Sinaia in den Bergen. Auch im vergangenen Jahre haben sie dort die Ostermesse besucht. "Wir standen in diesem riesigen Kloster und der ganze Hof war voller Menschen. Genau um Mitternacht kam ein Priester mit einer großen brennenden Kerze in der Hand hinaus auf die Kirchentreppe. An dieser Kerze hat dann der erste Gläubige seine kleine Kerze angezündet. Und dann wanderte das Licht von einem zum anderen, bis der ganze Hof leuchtete", erinnert sie sich an die Feier.

Ganze Straßenzüge sind in dieser Nacht vom Kerzenschein hell erleuchtet, denn jeder orthodoxe Gottesdienstbesucher trägt seine brennende Kerze nach der Messe nach Hause. Mit dem Kerzenruß malen die Rumänen ein Kreuz über ihre Haustür. Es sei ein Zeichen für die Wiedergeburt von Jesus Christus, erzählt Sofia. "Soviel ich weiß bedeutet das ein langes Leben."

Nach dem Fasten kommt das Osterbrot

Papst Benedikt XVI. (13.04.2006/AP Photo/Plinio Lepri)

Ostern ist das wichtigste Fest des katholischen Kirchenjahres

Zur Vorbereitung auf Ostern gehört bei den orthodoxen und den katholischen Rumänen auch die Fastenzeit. In vielen Läden sind bestimmte Produkte mit Schildern versehen, auf denen steht: "Diese Produkte sind beim Fasten erlaubt". Nicht erlaubt seien tierische Produkte wie Fleisch, Milch und Eier, erklärt Religionslehrerin Maria Patrascu. "Der Sinn des Fastens besteht darin die Seele zu reinigen. Man soll in dieser Zeit nichts Schlechtes denken, sagen oder tun. Auch der Körper soll sich reinigen."

In Rumänien seien heute noch viele solcher alter Bräuche lebendig, erklärt Ion Ghinoiu vom Bukaester Folkloreinstitut. Im ganzen Land backen die Frauen beispielsweise für das Ende der Fastenzeit ein spezielles Osterbrot. Dieses Brot und einen Korb roter Eier trägt jede Familie zur Mitternachtsmesse am Ostersamstag in die Kirchen. Dort werden die Speisen gesegnet.

Autorin: Grit Friedrich
Redaktion: Julia Kuckelkorn

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