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Aktuell Welt

Kerrys dramatischer Klima-Appell

Die Klimakonferenz in Lima geht in die Schlussrunde. Eine Einigung auf das Gerüst für den geplanten Weltklimavertrag steht noch aus. US-Außenminister John Kerry versuchte, die Vertreter der 195 Länder aufzurütteln.

Am offiziell letzten Tag der Klimakonferenz in der peruanischen Hauptstadt sprach US-Außenminister John Kerry Klartext: Es bleibe keine Zeit, "herumzusitzen und hin und her zu überlegen, wer dafür verantwortlich ist, zu handeln". Der Klimawandel sei menschengemacht und könne von Menschen aufgehalten werden, betonte Kerry.

Er gestand die Verantwortung der USA und anderer Industrieländer ein, nahm im Kampf gegen die Erderwärmung aber alle Länder in die Pflicht. Die Industriestaaten seien hauptverantwortlich, doch mittlerweile kämen mehr als die Hälfte der CO2-Emissionen aus den Entwicklungs- und Schwellenländern. Notwendig sei deshalb eine globale Lösung. Für den Fall eines Scheiterns warnte Kerry vor einer "Tragödie".

Schwierige Einigungsprozesse

Seit über zwei Jahrzehnten läuft das Tauziehen um den globalen Klimaschutz. In Peru wollen die Vertreter der 195 Länder das Gerüst für den geplanten Weltklimavertrag aufstellen, der Ende 2015 in Paris vereinbart werden soll. Ziel ist es, mit dem Abkommen die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Gestritten wird besonders über die Frage, welche Kriterien für die bis März vorliegenden Klimaziele gelten sollen.

Eine Einigung ist auch nach mehreren Tagen in Lima noch nicht in Sicht. Einen Grund dafür sieht der Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms, Achim Steiner, in den kleinteiligen Abstimmungsprozessen: "Die Verhandlungen werden oft in immer kleinere Pakete eingeteilt. Und leider erleben wir auch hier in Lima immer diese Versuchung, einen Verhandlungspoker zu führen, aber auf einer Ebene, die sich eben nur mit Teilelementen befasst." Dennoch dürfe man den Nutzen der Klimakonferenzen nicht unterschätzen, sagte Steiner der Nachrichtenagentur dpa.

Offen ist weiterhin, welchen Beitrag die einzelnen Staaten zur Minderung ihres CO2-Ausstoßes vornehmen wollen. Die EU und andere Teilnehmer wollen, dass alle Länder vergleichbare und überprüfbare Ziele vorlegen. Die Grünen-Politikerin Bärbel Höhn erklärte im Deutschlandfunk, dass die Länder zunächst bis zum Frühjahr 2015 ihre freiwilligen Reduktionsziele erklären sollten. Wenn man dann feststelle, dass das zu wenig für den Klimaschutz sei, müsse nachverhandelt werden, sagte Höhn, die Vorsitzende des Umweltausschusses des Bundestages ist und in Lima an der Konferenz teilnimmt.

Wegen der vielen ungelösten Fragen wird der Klimagipfel vermutlich um einen Tag verlängert. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) wird bereits zum eigentlich vorgesehenen Ende am Freitag abreisen. Sie soll gegebenenfalls von ihrem Staatssekretär vertreten werden.

sp/kle (dpa/AFP)