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Wissen & Umwelt

Kernfusionsreaktor ITER wird frühestens 2025 fertig

Der Forschungsreaktor in Südfrankreich ist nun zur Hälfte fertig gebaut. Das hat die ITER-Leitung bekanntgegeben. Überschattet wird die Ankündigung dadurch, dass die USA ihren Beitrag deutlich reduzieren.

Seit sechs Jahren sind Bauarbeiter, Ingenieure, Physiker und viele weitere Experten eifrig mit dem Bau des Internationalen Thermonuklearen Experimentellen Reaktors (ITER) im südfranzösischen Cadarache beschäftigt. Nun teilte ITER-Chef Bernard Bigot mit, dass der Bau, der 2011 begonnen hatte, zur Hälfte fertiggestellt sei. Dies sei vor allem eine symbolische Wegmarke. Es gehe ihm darum, Fortschritte zu demonstrieren. Das sei dringend nötig, weil das Projekt wegen Kostenexplosion und Verzögerungen seit Jahren unter Rechtfertigungs-Druck steht. Sollte der Bau in diesem Tempo weitergehen, wird der Reaktor frühstens im Jahr 2025 fertiggestellt.

Atomenergie ohne radioaktiven Abfall

Ziel des ITER-Experiments ist es zu zeigen, dass ein Kernfusions-Reaktor über längere Zeit genug Energie erzeugen kann, um ein fusionsfähiges Plasma aufrechtzuerhalten. Zudem soll der ITER in der Lage sein, die erzeugte Energie, die hunderte Millionen Grad Celsius erreicht, sicher abzuführen.

So wollen die Ingenieure nachweisen, dass die Technik grundsätzlich geeignet ist, Energie aus der Verschmelzung der Wasserstoffisotope Deuterium und Tritium zu Helium zu gewinnen und für den Menschen nutzbar zu machen.

Bei einer Kernfusion entsteht im Gegensatz zur Kernspaltung kein radioaktiver Abfall.

Infografik Das Fusionskraftwerk der Zukunft Deutsch

Damit hätte sich die Menschheit den Traum erfüllt, quasi ein kontrolliertes Sonnenfeuer auf der Erde zu erzeugen, dem die Energie nie ausgeht, weil der dafür nötige Rohstoff unbegrenzt verfügbar ist. Das ist auch der Grund, weshalb 30 Staaten am ITER beteiligt sind. Neben den EU-Staaten sind das vor allem die USA, China, Indien, Japan, Russland und Südkorea.

Dennoch liegt eine dunkle Wolke über dem Projekt: Kritiker, insbesondere von den Grünen, halten das Experiment für ein Milliardengrab. Die ursprünglich anvisierten Kosten von fünf Milliarden Euro sind bereits auf mehr als das vierfache gestiegen. Zudem kämpfen die Entwickler noch mit physikalischen Problemen – etwa mit der Frage, wie die Hitze aus dem Reaktor sicher abgeführt und frischer Brennstoff nachgeliefert werden kann.

Sind Großanlagen noch zeitgemäß?

Das Hauptargument der Gegner: Die Entwicklungszeit für Kernfusionstechnik dauere zu lange, um den Klimawandel abzuwenden. Man solle das Geld besser in Windräder, Solaranlagen oder andere erneuerbare Energiequellen sowie in intelligente Netze investieren.

Befürworter halten dagegen, dass auch in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts – wenn die Kernfusionstechnologie möglicherweise industriell einsatzbereit ist – ein Bedarf für umweltfreundliche Großkraftwerke bestehe – etwa um Kernkraftwerke zu ersetzen.

Ob die ITER-Geschäftsführung ihr ambitioniertes Ziel, das erste Plasma 2025 zu zünden, einhalten kann, hängt vor allem auch davon ab, ob die 30 Projektpartner ihre Beiträge weiterhin leisten. Wie bei internationalen Forschungsprojekten üblich, leisten die einzelnen Staaten keine Geldüberweisungen, sondern liefern technische Komponenten, Forschungs- und Ingenieurleistungen.

Die USA reduzieren ihren Beitrag

Überschattet wurde die ITER-Zwischenbilanz durch die Tatsache, dass die USA ihren Beitrag für das laufende Jahr von 120 auf 50 Millionen Dollar abgesenkt haben. Für 2018 plane die US-Regierung Leistungen im Wert von 63 Millionen Dollar. Bisher haben die USA eine Milliarde Dollar in das Projekt investiert und weitere anderthalb Milliarden zugesagt.

Nach einem Schreiben des französischen Präsidenten Emmanuel Macron an seinen US-Kollegen Donald Trump habe dieser zugesagt, dass seine Regierung die Sache noch einmal überdenken wolle. "Wir hoffen auf eine Entscheidung an diesem Wochenende oder in dieser Woche", sagte ITER-Chef Bigot.

 fs/jv (dpa, rtr)

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