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Filme

Kerkeling-Film "Ich bin dann mal weg" im Kino

Im Jahr 2001 begibt sich der deutsche TV-Komiker Hape Kerkeling auf den Jakobsweg. Und schreibt er ein erfolgreiches Buch darüber. Jetzt wurde das Abenteuer mit Devid Striesow in der Hauptrolle verfilmt.

Die Zugabe schafft er nicht mehr. Am Ende einer Show bricht Hape Kerkeling vor laufenden Kameras zusammen. Das ist der Punkt, an dem er sich sagt: Stop, das reicht, ich muss Pause machen. Er gammelt rum, starrt zu Hause die Wand an, raucht Kette und kommt nicht mehr aus seinem Bademantel raus. Bis eine berühmte Pilgerreise seine Aufmerksamkeit erregt: Der Jakobsweg, eine Wanderung von Saint-Jean-Pied-de-Port in den französischen Pyrenäen bis zum Wallfahrtsort Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens.

Tatsächlich macht sich der Komiker auf den Weg und tritt guten Mutes die fast 800 Kilometer lange Wanderung auf dem "Camino Francés" an. Was genau er sucht, weiß er noch gar nicht. Doch auf der langen und beschwerlichen Pilgerreise lernt er so viel über sich selbst, findet neue Perspektiven. Am Ende wird ihm klar, wonach er gesucht hat.

Buchcover: Hape Kerkeling - Ich bin dann mal weg

2006 erscheint das Buch "Ich bin dann mal weg"

Fünf Jahre später schreibt Kerkeling ein Buch über seine "spirituelle Abenteuerreise". Es verkauft sich mehr als fünf Millionen Mal. Die Pilgerzahlen auf dem Jakobsweg sind im Jahr nach Erscheinen des Buches sprunghaft angestiegen. Aus Deutschland machten sich fast 6000 Menschen mehr auf als im Jahr zuvor. Und jedes Jahr werden es mehr. Für den Jakobsweg-Hype, den das Buch ausgelöst hat, gibt es tatsächlich einen Begriff: "Kerkeling-Effekt".

Devid Striesow ist Hape Kerkeling

Nun ist das Buch verfilmt worden. Die Hauptrolle spielt allerdings nicht Hape Kerkeling. Der mittlerweile 51-jährige Kerkeling war 36, als er sich auf den Jakobsweg begab. Das passt erstens nicht zusammen. Zweitens soll der Film einen Mann zeigen, der mit dem Promi aus dem Fernsehen wenig zu tun hat. Sondern einen privaten Menschen, der psychisch und physisch an seine Grenzen geht. Das zu spielen, so Kerkeling, sei die Aufgabe eines Schaupielers.

Striesow hat Kerkeling, wie er vor 15 Jahren aussah, ganz genau studiert. Er beherrscht Kerkelings Mimik, seinen Tonfall, seine Bewegungen. Und sieht ihm im Film sogar ähnlich. In der Buchvorlage kommen wir dem privaten Kerkeling etwas näher, Striesow gibt diesem Menschen im Film ein Gesicht.

Filmszene Ich bin dann mal weg © Warner Bros

Ritual nach einem langen Wandertag: Die "Erkenntnis des Tages" niederschreiben

So sind wir nah bei ihm, wenn er ganz alleine einen steilen Pfad mitten in den Pyrenäen hochstapft. Wenn er abends im Hotelzimmer (die überfüllten Pilgerherbergen mag er nicht so) sitzt und in sein Tagebuch schreibt. Wie er im strömenden Regen friert. Oder wie er im Café sitzt und sich über einen heißen Milchkaffee freut.

Striesow zu Seite stehen Martina Gedeck als Stella, die den Jakobsweg immer wieder geht, um über den Tod ihrer Tochter hinweg zu kommen. Und die junge, freche englische Journalistin Lena, gespielt von Karoline Schuch. Das Trio lernt sich früh kennen, begegnet sich immer wieder, findet aber erst zusammen, nachdem Hape seine erste spirituelle Erfahrung gemacht hat - kurz nachdem er die Reise entnervt abbrechen wollte.

Filmszene Ich bin dann mal weg © Warner Bros

Das Dreamteam: Lena, Hape und Stella

Immer wieder gibt es Rückblenden, in denen Stationen aus Hapes Kindheit geschildert werden - der Tod seiner Mutter, seine ersten Schritte in Richtung Entertainer. Wir lernen auch seine "Omma" (Kathariba Thalbach) kennen, die sich nach dem Tod der Mutter um den kleinen Hape kümmert.

Die Produktionsfirma hat eng mit Kerkeling zusammengearbeitet, dem es wichtig war, dass der "Geist des Buches" erhalten blieb. Mit dem Ergebnis sei er glücklich, sagt er. "Es wäre cooler und spannender, den Film jetzt völlig zu zerreißen. Das geht aber nicht. Der Film ist wirklich wundervoll."

Freunde von rührend-witzigen Geschichten, von beeindruckenden, lichtverwöhnten Landschaften und von Devid Striesow werden auch glücklich sein. Mit einem etwas kritischen Blick wird man allerdings doch den Tiefgang vermissen, den eine Geschichte um Sinnsuche und innere Einkehr mit sich bringt. Der Film zeigt durchweg freundliche Bilder, selbst wenn es regnet. Dass der Jakobsweg mit enormen Strapazen verbunden ist, wird lediglich angedeutet.

Kerkeling und Striesow vor dem Filmplakat bei der Weltpremiere von Ich bin dann mal weg © Warner Bros

Der echte und der falsche Hape bei der Premiere in Berlin

Klamauk, ohne den das deutsche Unterhaltungskino offenbar schwerlich auskommt, fehlt leider auch bei diesem Film nicht. Ein paar Szenen, ein paar Charaktere, die etwas überzogen wirken - darauf hätten Regisseurin Julia von Heinz sowie das Autorenteam locker verzichten können. "Ich bin dann mal weg" ist ein harmloser Film, hübsch anzusehen, mit exzellenten Schauspielern - genau das Richtige für einen Kinoabend in den Weihnachtsferien.

Am 24.12. kommt der Film ins Kino - und der Jakobsweg wird in diesem Jahr wieder einen Ansturm erleben - schließlich ist die Botschaft des Films: Wenn du den Weg gehst, dann triffst du tolle Leute, die Sonne scheint fast immer und wenn du am Schluss in Santiago de Compostela angekommen bist, hast du abgenommen und weißt, wer du bist.

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