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Welt

Kenias Militäroffensive in Somalia

Die Gewalt durch somalische Islamisten in Kenia nimmt kein Ende. Die Regierung in Nairobi reagiert mit Luftschlägen - doch die Miliz lässt sich nicht einschüchtern. Der Konflikt droht zu eskalieren.

Kenianische Soldaten in Somalia (Foto: dapd)

Kenianische Soldaten in Somalia

Vor knapp drei Wochen sind kenianische Soldaten in Somalia eingerückt. Die Regierung in Nairobi reagierte damit auf Terroranschläge, Entführungen und Morde auf kenianischem Gebiet. Ministerpräsident Raile Odinga befürchtet eine Beeinträchtigung seines Tourismus, der zu den wichtigsten Einnahmequellen seines Landes gehört. Die islamistische Al-Shabaab-Miliz aus dem Nachbarland Somalia wird für die Entführungen verantwortlich gemacht, obwohl sie dies bestreitet. Die Miliz bezeichnet die kenianischen Soldaten als Besatzer und hat der Regierung in Nairobi nun ihrerseits offen den Krieg erklärt. Seitdem häufen sich in Kenia die Anschläge. Allein in den vergangenen Tagen wurden bei Milizen-Angriffen fast dreißig Menschen verletzt und einer getötet. Nur wenige Tage zuvor hatte die US-Botschaft in Kenia vor einem bevorstehenden Anschlag gewarnt. Auch die Vereinten Nationen sprachen von hunderten gewaltbereiter kenianischer Moslems, die von Al-Shabaab rekrutiert worden seien und von islamistischen Jugendorganisationen, die Geld für die somalische Miliz sammelten.

Kenianische Regierung unter Druck

Afrikanische Frauen tanzen (Foto: DW)

Folklore für die Touristen - eine wichtige Einnahmequelle in Kenia

Die kenianische Armee versucht, die Hochburgen der Al-Shabaab-Milizen anzugreifen. Bei einem Luftschlag in der südsomalischen Stadt Jilib gegen ein Ausbildungslager der Miliz am Wochenende gab es offensichtlich auch zivile Opfer. Laut der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" sind dabei fünf Zivilisten ums Leben gekommen. 50 Menschen wurden verletzt, darunter zahlreiche Frauen und Kinder. Das kenianische Militär räumte ein, für die Luftangriffe verantwortlich zu sein, gibt aber Al-Shabaab die Schuld an den Todesfällen. So habe einer der Extremisten einen brennenden Lastwagen voller Sprengstoff in ein Flüchtlingslager in der Stadt Jilib gelenkt. Der sei dort explodiert, erklärte Militärsprecher Emmanuel Chirchir. Die kenianische Luftwaffe habe lediglich den Lastwagen treffen wollen. Wie sehr dieser Zwischenfall die kenianische Regierung in Bedrängnis bringt, zeigte sich durch den öffentlichen Auftritt des kenianischen Ministerpräsidenten Raila Odinga. Er bedauerte, dass es zivile Opfer bei der Verfolgung somalischer Extremisten gegeben habe, und kündigte offizielle Ermittlungen an.

Emmanuel Kisyang'ani, Experte am Institut für Sicherheit in Nairobi, hält den Einsatz der kenianischen Armee für schwierig. Er glaubt, dass "Kollateralschäden schwer zu vermeiden sind, wenn man gegen eine terroristische Gruppe wie Al-Shabaab kämpft, die keine feste Basis hat". Eine reguläre Armee zu bekämpfen sei viel leichter als einen Guerilla-Krieg zu führen. Damit die kenianische Armee auf diesem Terrain gewinnt, müsste sie unter Umständen "sehr lange dort bleiben und hohe Kosten tragen". Deshalb, so Kisyang'ani, wäre es besser, mit Al-Shabaab zu verhandeln, die nun Gespräche angeboten hätten.

Warnung via Twitter

Kinder bekommen Essen (Foto: dapd)

Hunger in Somalia: Essensausgabe in Mogadischu

Nach Informationen der kenianischen Tageszeitung "Daily Nation" vom 31. Oktober 2011 steht die kenianische Armee kurz vor einem Angriff auf die somalische Stadt Afmadow und auf weitere zehn Dörfer. Die Stadt soll eine Hochburg der islamistischen Al-Shabaab Miliz und ein wichtiger Knotenpunkt beim Transport von Waffen und Waren sein. Diesmal bemüht sich die kenianische Regierung scheinbar um einen besseren Schutz der Zivilbevölkerung im Vorfeld der bevorstehenden Kämpfe: Die Armee kündigte über den Onlinedienst Twitter Angriffe auf Dörfer an, die von Al-Shabaab kontrolliert werden und appellierte an die Einwohner, sich in Sicherheit zu bringen. "Die kenianischen Streitkräfte fordern jeden, der Verwandte und Freunde in den zehn Orten hat, dazu auf, diese entsprechend zu warnen", hieß es in der Ankündigung.

Denn besonders Menschenrechtsorganisationen kritisierten die kenianische Militäroffensive, weil sie nicht nur zivile Opfer in Kauf nehme, sondern auch den Hunger in Somalia verschärfe. Die "Gesellschaft für bedrohte Völker" bestätigte, dass aus Angst vor Luftangriffen die Zahl der Flüchtlinge nach Kenia dramatisch zurückgegangen sei. Seit Monaten herrscht in Somalia eine schlimme Dürre, die eine große Flüchtlingswelle in die Nachbarstaaten verursacht hat.

Hilflose Übergangsregierung

Hotel als Flüchtlingslager (Foto: dpa)

Mogadischu: Hotel als Flüchtlingslager

Unterdessen demonstrieren die Ministerpräsidenten von Kenia und Somalia Einigkeit, halten gemeinsame Pressekonferenzen ab. Dabei beteuerte Kenias Premier Odinga, dass sein Land kein Interesse habe, dauerhaft in Somalia zu bleiben. Der Einsatz sei nur solange geplant, bis die Bedrohung durch die Al-Shabaab-Miliz abgenommen habe. Der somalische Premier, Abdiweli Mohammed Ali, unterstützte die kenianische Offensive öffentlich und betonte, dass das Oberkommando bei der somalischen Übergangsregierung liege. Er forderte eine "politische und moralische Unterstützung der internationalen Gemeinschaft, auch nach dem Rückzug der Al-Shabaab". Die Bevölkerung habe vieles hinnehmen müssen und brauche dringend Hilfe. Seine Übergangsregierung kontrolliert lediglich Teile der Hauptstadt Mogadischu und ist an einer Verdrängung der Al-Shabaab-Miliz interessiert. Sie ist aber zu schwach, um die Herrschaft über das Staatsgebiet aus eigener Kraft zurückzuerlangen.

Zweifelhafter Erfolg

Leere Strände in Kenia (Archivfoto: AP)

Leere Strände in Kenia 2005

Allerdings scheint Kenia die Risiken einer Militäroffensive in Somalia nicht zu unterschätzen. "Al-Shabaab könnte das Eingreifen Kenias nutzen, um auch die Unterstützung der Somalis zu bekommen, die sonst keine besondere Sympathie für Al-Shabaab hegen", so David Shinn, ehemaliger US-Botschafter in Äthiopien und heute Professor an der George Washington University. Viele Somalis lehnen eine Einmischung von Außen ab. Darüberhinaus zweifelt Shinn die Fähigkeit Kenias, Al-Shabaab zu besiegen, an. Die Frage sei, wie lange Kenia sich überhaupt im Land halten könne. Denn "je länger die Kenianer bleiben, desto mehr wächst die Feindseligkeit der Bevölkerung in der Region". Dazu komme, dass militärische Interventionen die Vertreibung der Bevölkerung in Südsomalia vorantreiben würden. Sie erschwerten die Nahrungsversorgung. "Das wirkt sich auf jeden Fall negativ aus, egal wie lange die Kenianer in Somalia bleiben werden."

Autorin: Lina Hoffmann
Redaktion: Katrin Ogunsade

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