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Filme

Kenias Film für den Auslands-Oscar

Eine seltene Erfolgsgeschichte für einen afrikanischen Film: Der von Tom Tykwer und Marie Steinmann zusammen mit der DW Akademie produzierte Film "Nairobi Half Life" begeistert das deutsche Publikum.

Filmszene aus Nairobi Half Life: Der aufstrebende Schauspieler Mwas (Mitte) ist der Streetgang von Oti (zweiter von rechts) beigetreten

Filmstills - Nairobi Half Life

Olwenya Maina, der die Rolle des Oti spielt (l.) und Tosh Gitonga (Regie) bei der deutschen Premiere von Nairobi Half Life in Berlin am 10. Oktober 2012 (Bild: One Fine Day Film)

Olwenya Maina, der die Rolle des Oti spielt (l.) und Tosh Gitonga (Regie) bei der deutschen Premiere von "Nairobi Half Life" in Berlin

"Nairobi Half Life", das Regiedebüt des jungen Kenianers Tosh Gitonga, erobert nach seiner umjubelten Premiere vor sechs Wochen in Nairobi nun auch das deutsche Publikum. Der Regisseur und einer seiner Hauptdarsteller, Olwenya Maina, touren mit dem Film noch bis zum 26. Oktober 2012 durch Deutschland und präsentieren das Werk unter anderem in München, Köln, Dresden und Leipzig. Besonders wichtig ist den beiden die Authentizität der Geschichte, wie der junge Schauspieler Olwenya Maina betont: "'Nairobi Half Life' ist ein Drama mit einigen komischen Momenten. Es geht um den Traum eines jungen Mannes, der in die große Stadt kommt und Schauspieler werden möchte. Aber es endet damit, dass er zum Gangster wird."

Geschichte von der Suche nach dem großen Glück

So etwas passiere vielen jungen Menschen in Kenia, sagt Olwenya Maina, der ursprünglich Priester werden wollte, seit Jahren nun aber eine Karriere als Schauspieler eingeschlagen hat. Im Film verkörpert er den Gangster Oti, der den jungen Mwas in seine Gang aufnimmt. Der wird schon bei seiner Ankunft in der kenianischen Hauptstadt Nairobi ausgeraubt, landet im Knast und kann nur mit Hilfe von Oti überleben. Trotzdem schafft er es, eine Rolle als Schauspieler in einem gesellschaftskritischen Theaterstück zu bekommen. Er führt ein Doppelleben, das immer mehr außer Kontrolle gerät.

Entwicklungshilfe einmal anders

Marie Steinmann (l.) und Tom Tykwer in Berlin (Bild: One Fine Day Film)

Marie Steinmann (l.) und Tom Tykwer in Berlin

Die Geschichte zu diesem Film wurde in Workshops in Nairobi entwickelt, die vom gemeinnützigen Verein "One Fine Day Film" organisiert werden, der von Marie Steinmann und ihrem Mann Tom Tykwer gegründet wurde. Der international erfolgreiche deutsche Filmemacher Tykwer möchte vor allem mithelfen, dass lokale Regisseure und Produzenten zu einer eigenen Filmsprache finden: "'One Fine Day' bietet in den Slums von Nairobi Kunstunterricht an, das ist speziell, weil die Schulen sonst Bruchbuden sind. Kunstunterricht an sich stellt ein absolutes Luxusprodukt dar", sagt Tykwer.

Der Supervisor im Hintergrund

In "Nairobi Half Life" beschränkte sich die Rolle von Tom Tykwer auf die eines Supervisors. Kreativ eingreifen wollte er nicht: "Tosh ist für sein Alter ein unglaublich souveräner Typ, aber manchmal lief ihm auch die Zeit davon. Dann ist es einfach gut, wenn einer, der die Arbeit schon 20 Jahre länger macht, ein paar Tricks verrät", so der Regie-Profi Tykwer.

Oft habe Tykwer einfach nur am Set gesessen und zu Tosh Gitonga, dem Nachwuchs-Regisseur gesagt: "Wenn du mich brauchst, sag Bescheid." In 24 Drehtagen entstand dieser so vitale und packende Spielfilm. Für Filmemacher Gitonga sei die Zusammenarbeit mit Tykwer einfach "nur wunderbar" gewesen. "Tom Tykwer ist ein sehr intensiver Regisseur. Das sieht man ja auch in seinen Filmen. Ich lernte vor allem von ihm, wie man eine Filmcrew führt, diese Energie eines Leaders war wichtig."

Ausverkaufte Kinos in Nairobi

Seit sechs Wochen läuft der Film in zwei Kinos in Nairobi und ist jedes Wochenende ausverkauft. Bald soll es auch eine Vorführung für die Parlamentsabgeordneten in Kenia geben. Tom Tykwer freut sich, wie sehr der Film national und international einschlägt: "Der Film ist ein Riesenrenner, wurde vom Land jetzt für den Auslands-Oscar vorgeschlagen. Es gibt so viele Erfolgsmeldungen, die alle damit zusammenhängen, dass die Menschen, die da leben, sich wirklich zum ersten Mal seit vielen Jahren in einem Film wiedererkennen."

Zu 90 Prozent authentisch bezeichnet auch Regisseur Tosh Gitonga seinen Film, der im Publikumsgespräch nach der Aufführung in Berlin betonte, das Leben einfach nur so darstellen zu wollen, wie es sei. Vor allem der Unterschied zwischen Arm und Reich wird in Städten wie Nairobi immer drastischer. Mit Kunst und Kino versuchen junge Filmemacher wie Tosh Gitonga eine Diskussion im eigenen Land anzustoßen. Der Verein "One Fine Day Films" bleibt weiter aktiv. Der dritte Film wurde bereits abgedreht.

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