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Politik

Kenias Cyberwahlkampf

Am 27. Dezember wählt Kenia ein neues Parlament und einen neuen Präsidenten. Nach den letzten Umfragen zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf Rennen ab. Es wird um jede Stimme gekämpft. Zum ersten Mal auch im Internet.

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Kenias Wahlkampf: Online kann man dabei sein

Ein paar Mal werden sie noch wach, dann ist Wahltag. Eine schnelle Eingabe und Thuweba Diwani ist mittendrin im kenianischen Wahlkampf. Zwar sitzt die 34-Jährige Doktorandin mehr als 6000 Kilometer weit weg, in ihrem Zimmer in einem Bonner Studentenwohnheim. Zu weit, um an Wahlveranstaltungen teilzunehmen. Doch auf der Homepage von Kenias Präsident Mwai Kibaki kann sie die einfach anhören.

Gerappte Versprechen online

Freier Schulbesuch bis zum Abitur, kostenlose Arztbesuche für Kinder unter fünf, Bekämpfung der Armut. Das sind einige von Kibakis Wahlversprechen. Doch die spielen im so genannten Online-Büro nur eine Nebenrolle. Hier werden Kibakis Erfolge betont. Ob durch Redeausschnitte, Zitate von Bill Clinton oder im privaten Fotoalbum. Und dann gibt es noch eine besondere Ecke - für jüngere Wähler wie Thuweba Diwani. Hier läuft Rap: "I love Kibaki". "Die Jugend in Kenia ist die größte Gruppe, die wählen kann und die versucht er zu erreichen, mit einer Sprache, die sie anspricht", sagt Thuweba. Ihr gefällts: "Das Lied hat schon einen 'catchy tune', zu dem man tanzen könnte."

Odingas Blog oder Kibakis Rap? Internet-User in Nairobi

Odingas Blog oder Kibakis Rap? Internet-User in Nairobi

Von den 34 Millionen Kenianern gehen nur knapp drei Millionen online. Wichtiger ist eine andere Zielgruppe: Die eine Million Kenianer, die dauerhaft im Ausland lebt. Zwar haben sie im Ausland kein Wahlrecht. Aber dennoch eine ganze Menge Einfluss. "Erstens glauben die Leute, dass die Kenianer im Ausland aufgrund ihrer finanziellen Ressourcen viel bewegen können. Außerdem haben sie großen Einfluss auf ihre Verwandten zu hause", sagt der kenianische Journalistik-Professor Kodi Barth. "Man stellt sich vor, dass die Kenianer im Ausland mehr respektiert werden, wenn sie sich zu politischen Fragen äußern, als wenn das eine Gruppe in Kenia tut." Barth lehrt seit einem Jahr an der Universität von Conneticut in den USA. Im letzten Jahr haben er und die übrigen Auslandskenianer knapp 1,2 Milliarden Dollar in ihr Heimatland geschickt. Als Unterstützung für Familie und Freunde, für Investitionen und - als Parteispenden.

Der Blog des Kandidaten

Spenden – darauf ist der aussichtsreichste Oppositionskandidat Raila Odinga angewiesen. Im Gegensatz zu Regierungsmitgliedern kann er im Wahlkampf keine öffentlichen Mittel einsetzen. In seine Internetseite hat Raila Odinga daher viel investiert: Er verspricht den "wahren Wechsel" in Kenia – längst nicht nur per Audio. Sein Wahlkampf findet überall statt: Im eigenen Blog, per SMS-Update, auf der eigenen Seite im Netzwerk Facebook. Und per Videokanal auf der Internetplattform "YouTube".

Trotz all dieser Angebote fühlt sich Diwani von der eigentlichen Diskussion ausgeschlossen: "Die Websites sind eine Marketingstrategie. Da kann man sich informieren und lustige Lieder hören und sonst was, aber da kriegt man nicht mit, was wirklich die Zivilgesellschaft denkt", meint Thuweba Diwani.

Ohrfeigen der First Lady

Aber auch dafür gibt es in diesem Wahlkampf erstmals spezielle Angebote im Netz. Sie heißen Abunuwasi.com, mashada oder rcbowen. Es sind Blogs - Online-Tagebücher, in denen die Kenianer im In- und Ausland vom Wahlkampf berichten. Hier ist auch zu lesen, was die offiziellen Medien herunter spielen. Zum Beispiel, das die Ehefrau des Staatspräsidenten bei einem Festessen den Zeremonienmeister geohrfeigt haben soll. Für Kodi Barth von der Universität Connecticut ist der Wahlkampf im Netz daher mehr, als nur eine teuere Spielerei. "Informationstechnologie unterstützt die demokratischen Prozesse. Es wird schwieriger, Dinge zu verschweigen. Menschen reden, Menschen drücken sich aus. In diesem Sinne hilft IT der Demokratie, denn es gibt Menschen den Raum, sich auszudrücken."

Doch wenn sich Thuweba Diwani über den Wahlkampf informieren will, klickt sie keinen Blog an. Letztendlich bevorzugt sie ein klassisches Angebot: Die Online-Ausgabe der kenianischen Tageszeitung "Daily Nation".

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