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Welt

Kenianer wird UN-Handelsorganisation führen

Als Politiker angesehen, als Intellektueller vielseitig: Was Mukhisa Kituyi anpackt, gelingt ihm. Nun haben die Vereinten Nationen den Kenianer zum Chef ihrer Handelsorganisation UNCTAD gewählt.

Mukhisa Kituyi ist einer, der sich zu Wort meldet. Die Leser von Kenias größter Tageszeitung Daily Nation finden dort regelmäßig Meinungsbeiträge von ihrem ehemaligen Handelsminister. "Er hatte eine spektakuläre Karriere hier in Kenia und Ostafrika", sagt voller Anerkennung der kenianische Schriftsteller und Akademiker Chacha Nyaigotti Chacha.

Diese Karriere wird nun gekrönt: Die UN-Vollversammlung und Generalsekretär Ban Ki-Moon haben Kituyi die Leitung der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) übertragen. Am 1. September 2013 wird Kituyi die Nachfolge von Supachai Panitchpakdi antreten. Der Thailänder steht seit 2005 an der Spitze der Organisation.

Den Kenianer erwartet keine leichte Aufgabe, denn die Erwartungen sind hoch: Die UNCTAD gilt als Gegenpol zum Modell der freien Marktwirtschaft, das die Weltbank und der Internationale Währungsfonds (IWF) repräsentieren. Ihre kritischen Töne sind aber nicht immer willkommen. Unterstützer der UNCTAD forderten deshalb eine international angesehene und intellektuell herausragende Persönlichkeit an der Spitze. Dass Kituyi diese Fähigkeiten mitbringt, da ist sich Kenias führender Ökonom Frederick Mweni ganz sicher: "Er wird in einem Bereich arbeiten, den er gut kennt", sagt er der Deutschen Welle, "und sein Verhandlungsgeschick als Politiker und seine Auffassungsgabe als Akademiker werden ihm dabei helfen."

Der scharfe Kritiker

Seine akademische Laufbahn begann Kituyi, der 1956 im westkenianischen Bezirk Bungoma geboren wurde, an der Universität von Nairobi. Er wechselte jedoch bald an Ugandas renommierte Makerere-Universität, wo er 1982 einen Abschluss in Politikwissenschaften und Internationalen Beziehungen erhielt. Doch auch die Sozialwissenschaften interessierten ihn: Im norwegischen Bergen promovierte er 1989 in Ethnologie. Sein Promotionsthema: Der Einfluss der Marktwirtschaft auf Maasai-Viehhirten in Kenia. Den wissenschaftlichen Ehren folgte 1992 der Einstieg in die Politik.

UNCTAD-Chef Supachai Panitchpakdi (Foto: AFP/Getty Images)

Tritt nach acht Jahren an der UNCTAD-Spitze ab: Der Thailänder Supachai Panitchpakdi

Als Abgeordneter vertrat er einen Wahlkreis seines Heimatbezirks Bungoma im Parlament und gewann rasch an Ansehen. Zweimal wurde er wiedergewählt. In Kituyis letzter Amtsperiode von 2002 bis 2007 ernannte ihn Präsident Mwai Kibaki zum Minister für Handel und Industrie.

In dieser Funktion übte Kituyi bisweilen scharfe Kritik an der internationalen Gemeinschaft. Als die Welthandelsorganisation 2003 über Patentrechte auf Medikamente stritt, äußerte sich der Kenianer verärgert: "Während ihr diese komplizierte Debatte führt, sterben meine Landsleute." Die nationale Politik verließ er 2007, als er seinen Sitz im Parlament verlor. Doch sein Ruf reichte über die eigenen Staatsgrenzen hinaus. Schon 2009 soll er als potenzieller Leiter der UNCTAD im Gespräch gewesen sein, doch damals verlängerte UN-Generalsekretär Ban das Mandat des Thailänders Supachai Panitchpakdi um weitere vier Jahre. Und Kituyi widmete sich neuen Aufgaben: Er gründete das kenianische Institut für Regierungsführung (KIG), das als Schnittstelle zwischen Politik und Forschung gesehen wird.

Als kritische Stimme ist Mukhisa Kituyi immer wieder an die Öffentlichkeit getreten. Er begrüßte die us-amerikanische Politik, Handel und Investitionen in Afrika zu fördern, pochte aber zugleich auf verbindliche Verträge. Zudem sah er afrikanische Regierungen in der Pflicht: Diese sollten den interafrikanischen Handel stärker fördern. In der Zeitung Daily Nation beklagte er die Gier nimmersatter Politiker, die die Chancen Afrikas überschatte.

Afrika soll mehr in den Mittelpunkt rücken

Der designierte UNCTAD-Chef Mukhisa Kituyi mit dem US-Politiker und zwischenzeitlichen Weltbankchef Zoellick (Foto: AP)

Gut vernetzt: Kituyi mit dem US-Politiker und zwischenzeitlichen Weltbankchef Zoellick

Kenias führender Ökonom Mweni hofft nun, dass der kommende UNCTAD-Chef Kituyi die Belange Afrikas stärker in den Mittelpunkt rückt. Mit einer sehr jungen Bevölkerung und wachsenden Volkswirtschaften seien die ökonomischen Voraussetzungen für einen afrikanischen Aufschwung günstig.

Auch Schriftsteller Chacha Nyaigotti Chacha räumt Kituyi gute Chancen ein. Aufgrund seiner Erfahrungen in Kenia, Norwegen und zuletzt auch bei der amerikanischen Denkfabrik Brookings sei er gut geeignet, die Organisation "neu zu formen, um Probleme aus einer globalen Perspektive anzugehen". Es sei wichtig, dass die UNCTAD die Interessen der Entwicklungsländer genauso in den Blick nehme wie die der Industrieländer.

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