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Afrika

Kenianer besorgt über blutige Unruhen

Zwei Monate vor den Wahlen in Kenia nehmen die Unruhen im Land zu. Allein in der vergangenen Woche starben 19 Menschen. Grund für die Unruhen sind nicht nur die vermeintlich ethnischen Auseinandersetzungen.

Bei Stammesfehden zerstörte Häuser in Kenia (Foto:AP/dapd)

Kenia - Tote bei Stammesfehden

Zehn Menschen, darunter fünf Kinder, sind allein am Donnerstag (10.01.2013) im Delta des Tana Flusses, im Südosten Kenias, getötet worden. Der Grund dafür waren Auseinandersetzungen zwischen den Volksgruppen Pokomo und Orma. Der Angriff kam von der Seite der Ormo und sie benutzten Gewehre, Macheten und Pfeile. Am Ende brannten sie 19 Hütten nieder. Der Angriff wird als Racheakt gesehen, weil ein Tag vorher neun Menschen aus dem Orma-Dorf Nduru ermordet wurden. Es wird vermutet, dass die Pokomo dahinter stecken.

Seit August vergangenen Jahres sind in dieser Küstenregion bereits mehr als 150 Menschen gestorben, rund 100 wurden schwer verletzt. Bei den meisten Vorfällen handelte es sich um Racheakte. Der Streit zwischen den zwei Ethnien existiert seit mehr als 30 Jahren. Das Hirtenvolk Orma und die Pokomo-Bauern kämpfen hauptsächlich um Land- und Wasserrechte.

Konflikte als Wahlkampfstrategie?

Unruhen nach der Präsidentschaftswahl 2007 (Foto: AP Photo/Karel Prinsloo)

Unruhen nach der Präsidentschaftswahl 2007

Doch was zunächst aussieht wie blutige Auseinandersetzungen zwischen zwei Volksgruppen, wird von Beobachtern als bewusste politische Unruhestiftung im Vorfeld der Parlaments- und Präsidentschaftswahlen gesehen. Die finden am 4.März 2013 statt.

Kenia ist ein Vielvölkerstaat mit mehr als 40 ethnischen Gruppen. Einige Politiker hätten Interesse, unter ihnen Unruhen zu schüren, damit sich die verschiedenen Stämme gegenseitig umbringen oder vertreiben, so Iris Karanja, von der Konrad-Adenauer-Stiftung in Nairobi. "Diese Konflikte führen dazu, dass die Zahl der Mitglieder einer bestimmten Volksgruppe reduziert wird", glaubt sie. "Dadurch wächst die Wahlbeteiligung der anderen Volksgruppen."

Kenias Präsident Mwai Kibaki (Foto: AP Photo/Sayyid Azim, File)

Keinias Präsident Mwai Kibaki

Die ständigen Gewaltausbrüche beunruhigen die kenianische Bevölkerung. Viele befürchten, dass die Unruhen bis zu den Wahlen in zwei Monaten weiter zunehmen könnten. Bei den letzten Wahlen vor fünf Jahren, brachen erst nach den Wahlen Unruhen aus. Obwohl der amtierende Präsident Mwai Kibaki bereits zum Wahlsieger erklärt worden war, protestierten Anhänger der Oppositionspartei (ODM) und behaupteten, dass ihr Präsidentschaftskandidat Raila Odinga der eigentliche Sieger wäre. Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern der beiden Kandidaten. Mehr als 1000 Menschen kamen dabei ums Leben, etwa 600.000 mussten fliehen. Das stürzte das Land in die schwerste innenpolitische Krise seit seiner Unabhängigkeit.

Kenia in Sorge

Die Bürger der Küstenregion fühlen sich alleine gelassen (Foto: REUTERS/Charles Makunda)

Die Bürger der Küstenregion fühlen sich alleine gelassen

Dieses Mal ist die Stimmung bereits im Vorfeld stark angespannt. "Das Problem sind perspektivlose Jugendliche, die kein Geld haben und einfach zu bestechen sind. Sie lassen sich für ganz wenig Geld oder kleine Vorteile zu allem hinreißen", so Iris Karanja gegenüber der DW. Viele Kenianer sehen die Schuld bei ihrer Regierung. "Diese Ereignisse machen uns sehr traurig", so ein Kenianer. "Die Regierung sollte eingreifen. Ein normaler Bürger kann einem anderen nicht einfach so eine Waffe abnehmen, doch die Regierung kann das." Die Bürger finden, dass sie selbst wenig tun können, um den Konflikt zu stoppen, und deswegen die Regierung mehr unternehmen sollte. "Wir hören jeden Tag, dass sich diese Menschen umbringen", sagt eine Frau aus Kenia. "Wir wissen nicht, ob es ethnische Auseinandersetzungen sind oder ob das Ganze einen politischen Hintergrund hat."

Bis jetzt haben die kenianischen Sicherheitskräfte wenig getan, um die Konflikte zu stoppen. Iris Karanja findet, dass die Polizisten ihre Aufgabe nicht erledigen: "Es wurden 2000 Polizisten nur für solche Konflikte abgestellt. Aber wo sind sie, wenn so was passiert?" Den kenianischen politischen Analysten Kimani Njogu wundert die Abwesenheit der Polizisten nicht: "Die Sicherheitskräfte können nicht schnell genug bei den Menschen sein, weil die Straßen sehr schlecht sind. Außerdem gibt es nicht genügend Polizeistationen."

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