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Afrika

Kenia und Uganda: Digitale Belästigung gefährdet Frauen in Medienberufen

Viele Journalistinnen und Bloggerinnen in Uganda und Kenia sehen sich Belästigungen im Internet ausgesetzt. Sexistische Kommentare, Stalking oder geleakte Fotos bringen einige von ihnen auch offline in Schwierigkeiten.

Workshop Digitale Sicherheit für Journalistinnen in Nairobi

Wie gehen Journalistinnen und Bloggerinnen am besten mit digitaler Belästigung um?

Im Dezember 2015 machten geleakte Nacktfotos der ugandischen TV-Moderatorin Kleith Kyatuhaire in den sozialen Netzwerken die Runde. Das Gravierende an diesem Vorfall war nicht nur die Tatsache, dass diese Fotos im Internet publiziert wurden, sondern vor allem die Reaktionen darauf: Online hagelte es schmähende Kommentare. Kyatuhaire zog sich daraufhin für einige Zeit aus dem öffentlichen Leben und von ihren Social-Media-Profilen zurück. Ihr Fall ist nicht einzigartig. Kyatuhaires Kollegin Antia Fabiola war 2015 wegen geleakter Nacktfotos von dem Fernsehsender entlassen worden.

Seit Medien zunehmend über das Internet publizieren, sehen sich Medienschaffende einer neuen Art der Öffentlichkeit ausgesetzt, ihre Beiträge werden oft unmittelbar von vielen Lesern und Zuschauern kommentiert und bewertet. Das führt auch dazu, dass beleidigende Kommentare oder Verleumdungskampagnen im Netz zunehmen. Es sind insbesondere Frauen in Medienberufen, die digital belästigt werden. Digitale Belästigung umfasst Hackerangriffe, das Leaken von privaten Informationen, Abhören von Telefonaten oder Chat-Nachrichten, Stalking, dazu Hassseiten auf Facebook oder beleidigende Twitter-Hashtags. Journalistinnen und Bloggerinnen überall auf der Welt werden nicht nur wegen ihrer journalistischen Arbeit angegriffen, sondern oft aufgrund ihres Geschlechts.

Frauen werden zur Zielscheibe

Die Journalistin und Bloggerin Lindsey Kukunda war selbst schon Opfer von digitaler Belästigung (Foto: Fodé Kouyaté)

Die Journalistin und Bloggerin Lindsey Kukunda war selbst schon Opfer von digitaler Belästigung

In Uganda sei das ein Mentalitätsproblem, erklärt die ugandische Journalistin und Bloggerin Lindsey Kukunda. "Frauen werden grundsätzlich weniger respektiert und haben nicht den gleichen sozialen Rückhalt wie Männer. Diese Unterschiede gab es schon immer, doch durch die sozialen Medien ist es nun viel einfacher geworden, Frauen zu beleidigen", erzählt Kukunda, die selbst aufgrund ihrer Blog-Artikel mehrfach Beschimpfungen per E-Mail und über Facebook-Kommentare erhielt. Die Attacken auf Frauen im Netz können auch offline deren Ansehensverlust mit sich bringen. Die Frauen seien selbst Schuld, heißt es in solchen Fällen meistens. "Alle Opfer der digitalen Belästigung, auch die TV-Moderatorin Kyatuhaire, haben sich danach öffentlich entschuldigt", so Kukunda, "anstatt sich zu wehren und sich für ihre Rechte einzusetzen."

Seit kurzem ist Kukunda Mitglied des Mentoren- und Mentorinnenetzwerk für Digitale Sicherheit, welches seit Ende 2014 von dem ugandischen Hub for Investigative Media und der DW Akademie aufgebaut wird. Kukunda ist hier Ansprechpartnerin für digitale Belästigung und wird zukünftig auch Seminare halten, in denen sie über die Möglichkeiten der digitalen Sicherheit informiert. Ende 2015 nahm Kukunda in Nairobi an einem von der DW Akademie organisierten Workshop zum Thema "Digitale Sicherheit für Journalistinnen" teil. Der Workshop wurde mit Journalistinnen aus Uganda und Kenia durchgeführt. Die Teilnehmerinnen hatten die Möglichkeit, sich regional auszutauschen und voneinander zu lernen. "Anders als in Uganda sind die Frauen in Kenia sehr selbstbewusst, sie kennen ihre Rechte, sie sprechen offen über digitale Belästigungen", berichtet Kukunda begeistert.

Die Offenheit der kenianischen Medienschaffenden ermöglicht es auch, digitale Belästigung besser zu erfassen. In 2015 hat die Vereinigung von Frauen in Medienberufen in Kenia (Association of Media Women in Kenya) zusammen mit der Menschenrechtsorganisation Article 19 und mit Unterstützung der DW Akademie eine Studie zum Thema digitale Sicherheit für Journalistinnen durchgeführt.

Workshop Digitale Sicherheit für Journalistinnen in Nairobi (Foto: Antje Deistler)

Teilnehmerinnen des Workshop "Digitale Sicherheit für Journalistinnen" in Nairobi mit Trainerin Antje Deistler


Studie erfasst digitale Belästigung

Insbesondere weibliche Medienschaffende in Kenia nutzen die sozialen Medien, etwa um mit Leserinnen und Zuschauerinnen zu kommunizieren, Beiträge zu bewerben oder einen Standpunkt zu vertreten. 75% der befragten Journalistinnen waren schon einmal digitaler Belästigung ausgesetzt. Dabei geschahen die meisten dieser Vorfälle auf Facebook, gefolgt von WhatsApp und Blogs. Meistens als Doppelattacken: Zum einen wurde dabei der Inhalt ihrer Artikel oder Blogbeiträge kritisiert. Anders aber als bei ihren männlichen Kollegen, wurden die Leserkommentare zu den Beiträgen weiblicher Journalistinnen jedoch schnell sexistisch. Als die Journalistin Caroline Mutoko im November 2015 in ihrer wöchentlichen Kolumne in der Tageszeitung "Star" den kenianischen Präsidenten Uhuru Kenyatta kritisierte, reagierte der Blogger Robert Alai unverblümt: Zunächst warf er Mutoko vor, unsachlich und unrealistisch zu sein, um im nächsten Satz zu behaupten, dass sie keine Kinder kriegen könne und deswegen ein Baby aus einem Krankhaus gestohlen hätte - und das alles auf Facebook.

Die Teilnehmerinnen aus Kenia und aus Uganda tauschen sich aus. (Foto Antje Deistler)

Die Teilnehmerinnen aus Kenia und aus Uganda tauschen sich aus

Caroline Mutoko wehrte sich gegen die Diffamierungen des Bloggers und erntete dafür positives Feedback in Kenias Medien. Sie war zudem eine von zwei Journalistinnen, die im Rahmen der Studie für digitale Sicherheit erlaubte, dass ihre Social-Media-Profile auf beleidigende Kommentare ausgewertet wurden. Mutokos Offenheit mit dem Thema wird allerdings von einem Großteil der Journalistinnen und Bloggerinnen nicht geteilt. Fast die Hälfte der befragten Betroffenen hat nichts gegen digitale Belästigung unternommen. Viele ziehen sich nach solchen Demütigungen aus dem Internet zurück, legen ihre Arbeit für einige Zeit nieder oder verändern ihre Online-Aktivitäten so, dass sie keinen Angriffen mehr ausgeliefert sind. Gerade einmal zehn Prozent haben die Vorfälle ihren Arbeitgebern gemeldet. 70 Prozent der Befragten glauben nicht, dass ihr Arbeitgeber genug getan hat, um sie zu schützen.

Gefahr für freie Meinungsäußerung

Ein Problem, das auch in Uganda besteht, so Kukunda. Frauen seien im Kampf gegen digitale Belästigungen überwiegend auf sich allein gestellt. Das koste viel Zeit und Kraft, die sie von ihrer eigentlichen Arbeit abzweigen müssen. Kukunda rät den Medienmacherinnen, sich von vorneherein richtig zu schützen: "Ich rate den Frauen, ihre Handys mit einem Passwort zu sichern, und ihre Kommunikation zu verschlüsseln." Und dann sei es weiterhin wichtig, dass die Frauen in Uganda sich wehren, offen über die Vorfälle sprechen und ihre Rechte einfordern, betont Kukunda, "Je mehr Frauen damit offen umgehen, umso besser können wir das Problem angehen."

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