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Filme

Ken Loach wird 80: Zeigen, wie die Realität ist

Erst kürzlich erhielt der Regisseur zum zweiten Mal die Goldene Palme in Cannes. Anlässlich seines 80. Geburtstags blickt die DW auf die beeindruckende Karriere des sozialkritischen Filmemachers aus England zurück.

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Happy Birthday, Ken Loach!

Ken Loach gilt als Anwalt und Stimme der sozial Benachteiligten und Ausgegrenzten. Viele Filme seiner langjährigen Karriere beschäftigen sich mit sozialen Missständen. Auch im fortgeschrittenen Alter ist er nicht müde geworden, auf gesellschaftliche Ungerechtigkeiten hinzuweisen: Mit seinem Film "I, Daniel Blake" über einen Handwerker, der sich nach einem Herzinfarkt durch den Behördenwahn des britischen Sozialsystems kämpft und eine alleinerziehende Mutter, die Opfer einer Zwangsräumung wurde, gewann er 2016 bereits zum zweiten Mal die Goldene Palme in Cannes.

Eigentlich wollte Ken Loach sich längst aus dem Filmgeschäft zurückziehen, doch die gesellschaftlichen Umstände und die Sozialpolitik der konservativen Regierung Großbritanniens ließen ihn nicht los. "Wir müssen uns dieses grausame System aus Sanktionen und Leistungen nochmal anschauen. Es ist darauf aus, den Armen zu erzählen, es sei ihre eigene Schuld und sie haben keinen Job, weil sie unfähig oder unnütz seien", sagte er gegenüber der BBC. Deswegen wolle er zeigen, wie die Realität sei: nicht nur sehr traurig, sie mache ihn auch sehr wütend, betonte er in einem weiteren Interview.

Filmszene aus Ken Loachs 'Raining Stones', Foto: Imago/ZUMA Press

Ken Loachs "Kes" war der erste Spielfilm für den Schauspieler Colin Welland und brachte ihm 1971 den britischen Filmpreis.

Vom Juristen zum Schauspieler und Regisseur

Bevor der am 17. Juni 1936 in Nuneaton/Warwickshire geborene Sohn eines Elektrikers zum Film kam, absolvierte er seinen Militärdienst bei der Royal Air Force. Danach bekam er ein Stipendium für ein Jurastudium in Oxford. Schon während seines Studiums machte Ken Loach erste Erfahrung mit dem Theater. Die große Leidenschaft zum Schauspiel blieb. Uns so entschied er sich trotz Jura-Abschluss für eine Künstlerkarriere. Nach Engagements bei Wander- und Repertoirebühnen verschlug es Ken Loach Anfang der 1960er-Jahre zum Fernsehen.

Auf die erste Station beim Privatsender "ABC Television" folgte 1963 ein Wechsel zur BBC. Dort führte er unter anderem bei der populären Polizei-Serie "Z-Cars" Regie. Im Rahmen der BBC-Reihe "The Wednesday Play" war der Regisseur an mehreren hochgelobten und preisgekrönten Filmen wie zum Beispiel "Cathy Come Home" von 1966 beteiligt. Schon hier zeigte Ken Loach sein Bewusstsein für soziale Themen. Der Film über eine Arbeiterfamilie, die nach einem Unfall und dem Arbeitsplatzverlust des Vaters zu verelenden droht, wurde von Kritikern als eins der gelungensten Dramen über die Lebensverhältnisse in England zu jener Zeit bezeichnet.

Filmszene aus Ken Loachs 'Riff Raff', Foto: Imago stock&peopleFür

Szene aus "Riff Raff": Auch für Schauspieler Robert Carlyle (m) war ein Loach-Film ein Karrieresprung. Mit "Trainspotting" wurde er später weltberühmt.

Durchbruch auf der Kinoleinwand

Mit "Poor Cow" - einem Film über eine misshandelte Frau, die nach der Inhaftierung ihres Mannes mit einem anderen Kriminellen anbandelt - schaffte Ken Loach 1967 den Sprung auf die Kinoleinwand. Auch hier erfuhr er große Anerkennung von Kritikern. Etwa für seinen Film "Kes" (1970) über einen ausgegrenzten Jugendlichen, der einen Falken aufliest und aufzieht.

Während der 80er-Jahre war es für Ken Loach schwierig, seine Ideen umzusetzen. Unter der konservativen Premierministerin Margaret Thatcher hatte er mit Kürzungen und Zensierungen zu kämpfen: Seinen Film "A Question of Leadership" (1980) über den Streik von Stahlarbeitern musste er vor dessen Ausstrahlung kürzen. Eine vierteilige Serie über das Versagen der Gewerkschaftsführung während der Streiks wurde 1983 noch nicht einmal gesendet, sondern verschwand im Archiv. In dem kürzlich erschienen Dokumentarfilm "Versus: The Life and Films of Ken Loach" von Regisseurin Louise Ramond sagte Loach zu diesem Thema: "Wenn man Filme über das Leben von Menschen macht, ist Politik entscheidend."

Filmszene aus Ken Loach 'The Wind that shakes the Barley', Foto: picture-alliance/KPA Archivalcollection

Für "The Wind That Shakes The Barley" erhielt Loach 2006 zum ersten Mal die Goldene Palmes in Cannes

Mit dem Politthriller "Hidden Agenda" meldete sich der Sozialkritiker 1990 jedoch eindrucksvoll zurück. Der Film wurde mit dem Großen Jurypreis in Cannes ausgezeichnet. Der internationale Durchbruch folgte ein Jahr später: Mit bissigem Humor schildert Loach in dem von der Kritik gelobten "Riff Raff" (1991) den Niedergang der Arbeiterklasse aus der Sicht von Londoner Bauerarbeitern. "Raining Stones" (1993) ist die Geschichte über einen Vater, der als Türsteher und Rohrreiniger Geld für ein weißes Kleid für die Kommunion seine Tochter zusammenspart. Auch hierfür erhielt er den Sonderpreis der Jury in Cannes.

Kritische Stimmen aus der Heimat

Nicht alle Filme von Ken Loach thematisieren die Arbeiterklasse oder das Leben sozial Benachteiligter. In seinem Werk finden sich auch Filme, die historische Ereignisse aufgreifen, wie die Bürgerkriege in Nicaragua ("Carla's Song) und Spanien ("Land And Freedom"). Auch "The Wind That Shakes The Barley", für den er 2006 seine erste Goldene Palme erhielt, ist von der Geschichte inspiriert. Er zeigt direkt und ungeschönt den irischen Freiheitskampf gegen die britische Regierung in den 1920ern. Für seine Sichtweise musste Loach auch Kritik einstecken.

Filmszene aus Ken Loachs 'Looking For Eric', Foto: picture-alliance/Mary Evans Picture Library

Wohl Ken Loachs fröhlichster Film: "Looking For Eric" mit Steve Evets (Bild) und Fußballstar Éric Cantona

So schrieb die "Daily Mail" über den Film: "Warum verabscheut Ken Loach sein Land so sehr?" Schon zuvor gab es kritische Stimmen, die dem linksgesinnten Filmemacher eine zu starke Parteilichkeit und Propagandaabsichten vorwarfen. Dass er aber bei weitem kein purer Schwarzmaler ist, beweist Loach mit seinem trockenen Humor, der in vielen seiner Filme mitschwingt. Mit "Looking For Eric" (2009), mit der Fußballikone Éric Cantona, gelang ihm sogar eine wahre Feelgood-Komödie.

So authentisch wie möglich

Die Authentizität seiner Filme erreicht Ken Loach auch über seine eigenwillige und konsequente Arbeitsweise: Meist sind es Laiendarsteller mit denen er zusammenarbeitet. Sie kennen nur Bruchteile des Drehbuchs und müssen häufig improvisieren. Dabei wird alles in chronologischer Reihenfolge gedreht. Alles, um die Geschichten so real wie möglich wirken zu lassen, wie er in dem Dokumentarfilm über sich noch einmal betont: "Du denkst, wie kann ich es so drehen, dass es glaubwürdig ist. Dass ich es wirklich für wahr halte."

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