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Wirtschaft

Kekse statt Qualität?

Aufregung auf dem deutschen Musikmarkt: Time Warner und Viacom wollen sich am deutschen Musikkanal VIVA beteiligen. Droht nun Gefahr für die deutsche Medienkultur?

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Viva sendet auch deutsche Pop-Musik, aber wie lange noch?

Die US-Medienkonzerne AOL-Time Warner und Viacom sind hoch gehandelte Konkurrenten um eine Beteiligung an dem deutschen Musiksender VIVA. Pikant: Zu Viacom gehört der Musiksender MTV, VIVAs Konkurrent auf dem deutschen Musikmarkt.

Gerüchte - die Spannung steigt

Dieter Gorny, Geschäftsführer VIVA TV

Dieter Gorny, Geschäftsführer VIVA TV

Dieter Gorny, Chef der VIVA Media AG mit Sitz in Köln, sieht das Interesse der amerikanischen Medien-Giganten an seinem Sender positiv: "Wir brauchen einen starken internationalen Partner, ein angloamerikanischer kann uns nur gut tun", so Gorny kürzlich vor Journalisten. Und der Musik-Chef bereitete somit den Gerüchten um eine Beteiligung der Amerikaner ein Ende.

Aber die Spannung bleibt, denn noch gibt Gorny nicht preis, wer das Rennen machen wird. Er habe zwar Gespräche in New York geführt, aber er sage nicht mit wem: "Derjenige, der das meiste bietet, wird es wohl werden." Dem Aufschrei der Branche, dass ausgerechnet das Mutterunternehmen des Konkurrenzsenders MTV künftig bei VIVA mitbestimmen könne, setzte Gorny entgegen: "Ich sehe es mit Stolz, dass der weltweit größte und der drittgrößte Medienkonzern offenbar so interessiert sind an einem nordrhein-westfälischem Mittelständler."

Internationale Präsenz

1993 ging VIVA als erster deutscher Musiksender in Köln an den Start und sendet seither im 24-Stunden Format. Die VIVA Media AG expandierte verstärkt auch auf dem europäischen Markt: durch Tochtergesellschaften und Beteiligungen mit VIVAswizz, VIVAaustria, VIVApolska!, VIVA+ (Ungarn) und The Box (Niederlande). Hauptanteilseigner sind mit 15,3 Prozent der US-Konzern AOL Time Warner, Vivendi Universal und die EMI Gruppe. Weitere 18,2 Prozent gehören Gründungsmitgliedern des Senders. Im Jahr 2001 übernahm VIVA das Unternehmen Brainpool. Im ersten Quartal 2002 erzielte VIVA einen Gewinn von knapp 18,1 Millionen Euro.

Vielfalt in Gefahr?

Die nun mögliche Übernahme von VIVA mit insgesamt rund 700 Beschäftigten sei "hochpolitisch", gibt Gorny zu, "Wir machen Kultur und keine Kekse", fügte er in der Diskussion um eine mögliche "Amerikanisierung" des Senders hinzu. Staatsminister Julian Nida-Rümelin hatte zuvor mit anderen Medienpolitikern vor einer Einschränkung der Musikkultur in Deutschland gewarnt. Auch die Medienaufsicht, die Landesanstalt für Rundfunk NRW (LfR), äußerte Bedenken über eine mögliche Monopolisierung.

Im Trüben fischen

Wenn die Übernahme tatsächlich stattfinden würde, bedeute das eine Überprüfung, so ein Sprecher der LfR zu DW-WORLD. Der Musikmarkt sei ein Markt, den man nicht wirklich beeinflussen könne, hieß es aus der Landesanstalt, die Viva ursprünglich die Sendelizenz ausstellte. "Wenn Viacom den größten Aktienanteil übernehmen würde, müssen wir das natürlich überprüfen", aber noch seien die Spekulationen vielfältig, so dass tatsächliche Schritte zu voreilig wären: "Bisher fischen wir noch im Trüben."

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