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Kultur

Kekillis Karriere nach der Berlinale-Sensation

Sibel Kekillis Karriere schien schon beendet, als sie mit der Goldenen Lola für "Gegen die Wand" auf der Berlinale kometenhaft begann. Jetzt ist die Schauspielerin zurück - mit gleich vier Filmen.

lächelnde Sibel Kekilli

Viel zu lächeln: Sibel Kekilli

Als der türkisch-deutsche Regisseur Fatih Akin mit seinem Film "Gegen die Wand" 2004 den Goldenen Bären gewann, schien das auch für die Hauptdarstellerin Sibel Kekilli der Beginn einer großen Karriere. Kurz darauf wurde allerdings bekannt, dass sie zuvor in diversen Pornos mitgespielt hatte. Und schon glaubten viele, einen Stern untergehen zu sehen, ehe er überhaupt aufgegangen war. Doch inzwischen hat sie in dem überaus erfolgreichen Film "Kebab Connection" mitgewirkt. Und jetzt starten innerhalb weniger Tage gleich zwei neue Kinofilme mit der jungen Deutsch-Türkin: In "Der letzte Zug" spielt sie eine Jüdin, die nach Auschwitz deportiert wird. Und in "Winterreise" unterstützt sie einen mittelständischen Unternehmer bei seinem Kampf gegen den finanziellen Untergang. Sibel Kekilli hat sich offensichtlich durchgesetzt und ihre Kritiker verstummen lassen.

Sibel Kekilli und Birol Uenel in Gegen die Wand

Sibel Kekilli und Birol Uenel in "Gegen die Wand"

Es waren die intensiven Szenen in "Gegen die Wand", mit denen sich Sibel Kekilli vor zwei Jahren ins Rampenlicht katapultierte. Regisseur Fatih Akin gewann mit dem Film den Goldenen Bären, Kekilli die Goldene Lola als beste Hauptdarstellerin. Doch so schnell die heute 26-jährige Schauspielerin berühmt wurde, so schnell wurde sie auch berüchtigt. Dafür sorgte die Boulevard-Presse, die sich auf Kekillis Vergangenheit als Pornodarstellerin stürzte. Einige Kritiker meinten daraufhin, sie habe sich in "Gegen die Wand" nur selbst gespielt: Eine junge deutsch-türkische Frau, die frei und unabhängig sein will. Das traf in der Tat auch für Sibell Kekilli zu: Ihr Abitur durfte sie trotz guter Noten nicht machen, weil ihre Eltern dagegen waren. Sie wurde Verwaltungsfachangestellte in Heilbronn und musste sich dort um die Müllentsorgung kümmern - wahrlich kein Traumjob.

"Nicht alles machen"

Sibel Kekilli scherte aus: Sie wurde Türsteherin, Kellnerin, Fotomodell, Geschäftsführerin in einem Nachtclub, drehte ein paar Pornos, ging dann nach Essen und wurde für den Film "Gegen die Wand" entdeckt. Doch der Erfolg ist auch eine Bürde. "Es hat positive Seiten und negative Seiten. Man kann nach 'Gegen die Wand' nicht einfach alles machen, um Geld zu verdienen", sagt die Schauspielerin. "Ich bin dankbar, weil der Film auch international bekannt geworden ist. Aber viele Leute haben auch Angst mit dir zu drehen, weil sie dann denken: Das wird sie bestimmt nicht machen wollen."

So ging es zunächst für Sibel Kekilli mit einer kleinen Rolle in dem Film "Kebab Connection" weiter. Ehe sie 2005 gleich vier Filme drehte: In dem türkischen Film "Heimkehr" spielt sie die Ehefrau eines Arbeiters, der bei einem Militärputsch in den 1980er Jahren gefoltert wird. Für diese Rolle wurde sie auf dem Antalya-Filmfestival als beste Schauspielerin geehrt. Und in dem Film "Winterreise" von Hans Steinbichler, der in zwei Wochen startet, dominiert sie nicht durch Energieausbrüche, sondern durch ihre Zurückhaltung in vielen stillen Momenten. Darin verkörpert sie die junge Kurdin Lela, die einen Unternehmer bei seinem Überlebenskampf unterstützt, der manisch depressiv und pleite ist.

Kekilli in Der letzte Zug mit Roman Roth

Kekilli in "Der letzte Zug" mit Roman Roth

Um einen Überlebenskampf, wenn auch ganz anderer Art, geht es ebenfalls in "Der letzte Zug". In dem Film über den letzten Deportationszug, der 1943 von Berlin nach Auschwitz fuhr, spielt Sibel Kekilli eine Jüdin, die um ihr Leben kämpft, aber auch in höchster Not andere nicht übersieht.

Gerade mal fünf, sechs Filme hat Sibel Kekilli gedreht und zeigt dabei eine erstaunliche schauspielerische Bandbreite. Sie kann energiegeladen sein und zärtlich, verstört oder brutal, zurückhaltend und mitfühlend. Welche Charakterzüge ihre Figuren haben, ist ihr eigentlich egal. Allerdings liebt sie es, Außenseiter zu spielen und ist für vieles offen - nur nicht für Hollywood, dass sie zu "90 Prozent super oberflächlich" findet. Sie meint, der europäische Film solle sich nicht mehr an Hollywood orientieren. "Die schielen eigentlich zu uns rüber. Ich finde die europäischen und asiatischen Filme aussagekräftiger, schöner und vor allem intelligenter. Und die Schauspieler sind auch viel besser."

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