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Wirtschaft

Keiner wird gewinnen

Wo Staaten viel Geld ausgegeben, nehmen Unternehmen viel Geld ein. Trotzdem sind Experten der Ansicht, dass im Falle eines neuen Golf-Kriegs alle Beteiligten nur „draufzahlen“.

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Wer verdient an einem neuen Golfkrieg?

Unternehmen aus dem Ausland dürften wohl vergebens auf Geld aus amerikanischen Rüstungsaufträgen hoffen, erklärt der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Professor Norbert Walter, im Gespräch mit der Deutschen Welle. "Das was in diesem Krieg an Kriegsgerät gebraucht wird, ist Höchsttechnologie und diese Höchsttechnologie können nur ganz wenige Firmen herstellen. Das sind ausschließlich amerikanische Firmen." Es werde weder eine große Zahl an Soldaten noch sehr viel Kriegsgerät eingesetzt. Walter hält es daher für eine "völlig unrealistische Vorstellung", dass die amerikanische oder gar die europäische Wirtschaft von einem Krieg profitieren könnte. Im Gegenteil.

Zerstörung lohnt sich nicht

Schon jetzt belasten die hohen Rüstungsausgaben der Amerikaner den defizitären Haushalt. Ein Krieg wird nach Schätzungen der US-Regierung bis zu 200 Mrd. US-Dollar kosten. Das wäre doppelt so viel, wie der Golfkrieg im Jahr 1990 gekostet hat - eine starke wirtschaftliche Belastung, die sich auch in Europa negativ auswirken dürfte. Je mehr in Waffen investiert wird, desto weniger Geld bleibt dem amerikanischen Staat für Investitionen in Wachstumsbranchen. Zudem verschreckt ein Krieg die Verbraucher. Für die USA wäre das verheerend, da ihre Wirtschaft zum Großteil auf Konsumausgaben basiert. Auch die Unternehmen warten auf sichere Zeiten, bevor sie investieren.

Walter geht noch weiter. Der Wirtschaftsexperte glaubt nicht, dass eventuelle Wiederaufbauarbeiten im Irak irgendwelche positiven Folgen für die Deutsche Wirtschaft oder deutsche Firmen, die dort arbeiten, haben würden. Und das, obwohl die Kontakte der deutschen Wirtschaft zum Nahen Osten und insbesondere zum Irak historisch gesehen vergleichsweise gut seien. Aber wenn es Angriffe gegen den Irak gebe, dann seien die vermutlich sehr gezielt und konzentrierten sich auf wenige Angriffsziele. Nämlich auf "potenzielle Waffenschmieden", begründet Walter seine Vermutung.

Warten auf schönes Wetter

Nach Walters Ansicht ist nur ein einziges Szenario denkbar, bei dem die Weltwirtschaft nicht unter einem Irak-Krieg leiden würde: "Wenn wir eine friedliche Situation nicht nur im Nahen Osten, sondern weltweit hätten, dann würde ganz sicherlich wegen der weltwirtschaftlichen Nachfragesituation der Ölpreis unter 20 Dollar fallen" Dafür müssten aber, so Walter, schon "alle Schönwetterbedingungen zusammenkommen". Das sei zum Beispiel der Fall, wenn Saddam Hussein abgesetzt und durch einen eher pro-westlichen Regierungschef ersetzt würde und wenn es weltweit keine terroristischen Übergriffe mehr gäbe.

Ein niedriger Ölpreis könnte in der Tat viele Haushalte und Unternehmen in den "ölverbrauchenden Ländern" entlasten. Das wiederum hätte eine Erholung der Weltwirtschaft im Verlauf des Jahres 2003 zur Folge. Den gegenteiligen Effekt prophezeit Joachim Scheide vom Kieler Institut für Weltwirtschaft für den Fall, falls der Krieg länger dauern sollte und zudem erfolglos verliefe. "Wenn es tatsächlich so sein sollte, dass der Ölpreis längere Zeit über 30 Dollar liegt, dann könnte uns das allerhand an Wachstum kosten."

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