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Politik

Keine Rettungsaktion für deutsche Geiseln im Sudan

Die Geiselnehmer, die eine Gruppe Urlauber aus Ägypten in den Sudan verschleppt haben, sind umzingelt. Eine Rettungsaktion ist bisher jedoch nicht geplant. Den Geiseln geht es offenbar gut.

Felsen, Gestein und Sandriffelungen im Abendlicht in Karkur Talh

Die Geiseln wurden in den Sudan verschleppt

Sudanesische Einsatzkräfte haben begonnen die Wüstengegend einzukreisen, in der die in Ägypten entführten Deutschen und ihre Reisegruppe festgehalten werden. Wie bereits am Dienstag (23.09.2008) bekannt wurde, liegt der Ort im Sudan, ungefähr 25 Kilometer von der ägyptischen Grenze entfernt. "Der Aufenthaltsort der Entführer ist genau lokalisiert worden", sagte der Staatsminister im sudanesischen Außenministerium, Mutrif Siddig. Die Behörden planten aber nichts, was das Leben der Geiseln gefährden könne.

Die Geiselnehmer haben mit der Tötung der Geiseln gedroht. Damit wollten die Täter verhindern, dass die Gruppe per Flugzeug gesucht wird, teilte ein ägyptischer Behördenvertreter am Dienstag mit.

Neben einem Krisenstab des Auswärtigen Amtes bemühe sich laut der Nachrichtenagentur Suna inzwischen auch eine ägyptische Verhandlungsgruppe um die Freilassung der Geiseln. Angaben des ägyptischen Tourismusministers Soheir Garana zufolge, haben die Entführer zwischen acht und 15 Millionen US-Dollar Lösegeld gefordert.

Identität der Geiselnehmer unklar

Kairo, Assuan, Gilf Kebir

Touristen wurden über die Grenze in den Sudan vershleppt

Die Reisegruppe, der neben fünf Deutschen auch fünf Italiener und eine Rumänin angehören, war am Freitag während einer Wüstensafari nur wenige Kilometer von der sudanesischen Grenze entfernt in der Region Gilf el Kebir entführt worden. Laut der ägyptischen Nachrichtenagentur Mena überfielen vier maskierte und bewaffnete Männer die Gruppe. Die Regierung in Kairo geht von einem kriminellen, keinem terroristischen Hintergrund aus. Momentan befänden sich die Geiseln in der Gegend von Dschebel Uweinat, erklärte das sudanesische Außenministerium. Der ägyptische Tourismusminister Zoheir Garrana sagte der Zeitung "Al-Ahram", alle Geiseln seien wohlauf.

Über die Identität der Geiselnehmer herrscht nach wie vor Unklarheit. Die arabische Zeitung "Al-Hayat" berichtete am Mittwoch unter Berufung auf einen ägyptischen Behördensprecher, die Kidnapper stammten aus Dschibuti. Zuvor hatte es von ägyptischer Seite geheißen, einer der Entführer komme aus dem Tschad, seine drei Komplizen aus dem Sudan. Der sudanesische Außenminister erklärte dagegen, die Kidnapper seien alle Ägypter.

Deutscher Tourist verheimlicht Entführung

Die Entführung hätte verhindert werden können, berichtet unterdessen der Berliner "Tagesspiegel". Ein Deutscher habe vor Monaten seine eigene Verschleppung in der Region verheimlicht, schreibt die Zeitung, um eine Verzögerung seiner Reise durch Befragungen und Formalitäten zu vermeiden. Der Deutsche sei mit einem Reiseführer, einem ägyptischen Offizier und einem einheimischen Mechaniker unterwegs gewesen und für zehn Tage von Angehörigen der Sudan Liberation Army (SLA) verschleppt und ausgeraubt worden. Hätte der Mann seine Gefangennahme damals gemeldet, hätten alle Reiseveranstalter die Gegend gemieden, die bisher als sicher galt.

Die SLA hat allerdings bereits erklärt, sie habe mit dem kriminellen Akt gegen die Touristen nichts zu tun. Auch die Rebellengruppe "Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit" (JEM) wies eine Beteiligung an der Entführung zurück. "Wir haben nichts zu tun mit irgendeinem Kidnapping", so ein Sprecher. (gri/kas/har)

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