1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Afrika

Keine Reserven für schlechte Zeiten

Botswana und die Demokratische Republik Kongo hängen stark vom Diamantenexport ab. Doch seit in Europa und Amerika immer weniger Diamanten gekauft werden, fließt kaum noch Geld in die Kassen.

Eine Frau begutachtet einen Diamanten

Botswana- der weltweit größte Diamantenexporteur

Hamuli Boudain kennt die Sorgen der Kongolesen gut, die auf eigene Faust nach Diamanten suchen. Er arbeitet für die Nichtregierungsorganisation "Nationales Zentrum zur Unterstützung von Entwicklung und Volksbeteiligung“ und hört in diesen Tagen immer wieder die gleichen Sätze: “Ich stecke im Moment in großen Schwierigkeiten. Ich habe nicht genug Einkommen, denn was wir verkauft haben, mussten wir zu einem sehr geringen Preis verkaufen. Jetzt haben wir kein Geld mehr“, klagen die Schürfer. In den letzten Monaten seien die Preise für Rohdiamanten wegen der Wirtschaftskrise um mehr als die Hälfte eingebrochen, erzählt Boudain. Und es lassen sich nur noch wenige Diamantenhändler im Kongo sehen.

Junge Männer suchen im Schlamm nach Diamanten

Buddeln nach Edelsteinen im kongolesischen Dorf Bakua Bowa

Die Arbeitsbedingungen der Schürfer sind ohnehin schon schlecht. "Es gibt keine Unterkünfte, kein fließend Wasser und keine gesundheitliche Versorgung”, erzählt der 53-Jährige. Und jetzt sind auch noch die wenigen US-Dollar in Gefahr, die sie im Monat verdienen. 100.000 kongolesische Diamantenschürfer seien von der Arbeitslosigkeit bedroht, sagt Friedel Hütz-Adams vom Südwind-Institut für Ökonomie und Ökumene.

Eine verpasste Chance

Auch der kongolesische Staat hat durch die weg brechenden Steuereinnahmen aus dem Rohstoffexport nun Probleme Lehrer, Soldaten und Polizisten zu bezahlen. Jetzt rächt sich, dass viele afrikanische Länder keine Reserven für schlechte wirtschaftliche Zeiten beiseite gelegt haben. Eine verpasste Chance: So hätte Norwegen und die arabischen Länder Rohstofffonds gegründet. "Damit federt man die Zyklen in den Rohstoffmärkten ab und legt Geld zurück für Zeiten, in denen die Rohstoffpreise etwas niedriger sind“, führt der Rohstoff-Experte Martin Stürmer aus.

Modellstaat Botswana?

Eine Diamantenmine in Botswana

Mit den Diamanteneinnahmen Gutes tun

Eine Ausnahme ist Botswana. Der weltweit größte Diamantenexporteur mit seiner modernen Minenindustrie hat vorgesorgt. Denn neben dem Unternehmen DeBeers gehören auch dem botswanischen Staat Minenanteile. In den letzten Jahren sei dadurch ein erheblicher Teil der Einnahmen aus dem Diamantenverkauf in Fonds geflossen, die außerhalb des normalen Staatsbudgets gestanden hätten, erklärt Hütz-Adams. "Da ist ein Puffer entstanden, mit dem in den letzten Jahren Sozialmaßnahmen, Stipendienprogramme für Studenten und so weiter finanziert wurden". Und von diesen Reserven kann Botswana jetzt noch zehren. Allerdings spürt auch der Modellstaat die Wirtschaftskrise. Das kleine Land hat schon mehrere Diamantenminen zumindest vorläufig geschlossen und gut viereinhalb tausend Beschäftigte auf die Straße gesetzt.

Landwirtschaft statt Diamantenschürfen

Um den Schürfern im Kongo oder in Botswana zu helfen, würden Alternativen zur Rohstoffförderung gebraucht. "Es ist beispielsweise nicht einzusehen, dass eine Stadt wie Kinshasa hauptsächlich vom Meer her mit Nahrungsmitteln versorgt wird, während im Osten Kongos Menschen für Hungerlöhne Diamanten ausgraben, die eigentlich auch Bauern sein könnten“, argumentiert Hütz-Adams vom Südwind-Institut. "Aber so lange es keine Straßen gibt, die im Kongo von Ost nach West führen, werden diese Bauern nie ein Auskommen haben und sind dann so verzweifelt, dass sie Rohstoffe abbauen. Die Entwicklungshilfe könnte hier einsetzen, um die Infrastruktur in diesem Lande zu verbessern.“

Die kongolesischen Schürfer hoffen allerdings weiter, dass die Diamantenpreise wieder steigen werden. Sie seien krisenerprobt, sagt Boudain. "Die Menschen haben schon vorher Zeiten erlebt, in denen die Preise niedrig waren. Es war zwar noch nie so schlimm wie jetzt. Dennoch hoffen sie, dass es besser wird.“

Jana Pareigis