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Wirtschaft

Keine Rechte für Gastarbeiter in Katar

Seit der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 an Katar vor fünf Jahren steht das Emirat international in der Kritik: Grundlegende Menschenrechte der rund 1,6 Millionen Gastarbeiter werden nicht geachtet.

Als Gastgeber einer Fußball-Weltmeisterschaft erhofft man sich eigentlich einen großen Prestigegewinn. Im Fall von Katar scheint der Schuss allerdings ein Eigentor zu werden. Auch heute wirft die Menschenrechtsorganisation Amnesty International dem Land erneut vor, trotz internationalem Druck wenig an den Missständen, unter denen Gastarbeitern leiden müssen, geändert zu haben. Dass es keine Reformen gebe, sei eine "Schande" für Katar und den Weltfußballverband Fifa.

Nur wenig Verbesserung

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Amnesty International hat in den vergangenen vier Jahren fünf Mal das Land unter die Lupe genommen. Der letzte Bericht im Mai bemängelte neun Bereiche, in denen Arbeitsrecht fundamental mit Füßen getreten wird. Heute hieß es von Amnesty: Nur in zwei dieser neun Bereichen hätte es zuletzt "begrenzten Fortschritt" gegeben, nämlich bei der Bezahlung der Fremdarbeiter und bei Gesundheit und Arbeitsschutz. Dagegen tue sich nichts in mehreren zentralen Punkten, etwa bei der Möglichkeit des Arbeitgeberwechsels, dem Beitritt zu Gewerkschaften oder der Möglichkeit, Katar auf eigenen Wunsch wieder zu verlassen.

Vielmehr werden Arbeiter immer noch nicht pünktlich bezahlt. Die Zahl der Kontrolleure, die die Arbeitsbedingungen kontrollieren sollen, wurde noch nicht, wie zugesagt, aufgestockt. Und das sogenannte Kafala-System, das von Kritikern als eine Form von moderner Sklaverei betrachtet wird, ist immer noch in Kraft.

Kern des Übels: das Kafala-System

Das traditionelle Kafala-System bestimmt unter anderem, dass ausländische Arbeitnehmer einen einheimischen Bürgen haben müssen. In der Regel ist das ihr Arbeitgeber. Dieser kann den Angestellten unter anderem untersagen, den Arbeitgeber zu wechseln oder das Land zu verlassen.

Die auf internationalen Druck angekündigte Abschaffung des überwiegend geächteten Kafala-Systems, durch das eingewanderte Arbeiter weitgehend entrechtet und zu Schwerstarbeit unter unwürdigsten Bedingungen gezwungen werden, ist schon mehrfach verschoben worden. Katar hatte im September zugesagt, das System bis zum Ende des Jahres abzuschaffen.

Seit Oktober gibt es immerhin ein neues Gesetz, das Gastarbeitern erlaubt, das Land zu verlassen, wenn sie das Innenministerium mindestens drei Tage vorher informieren. Das Ministerium wird dann aber bei den Arbeitgebern eine Genehmigung einholen. Immerhin sieht das Gesetz vor, dass Arbeitnehmer den Job nach dem Ende eines Vertrags ohne Zustimmung ihres Chefs wechseln dürfen.

In dem öl- und gasreichen Kleinstaat im Persischen Golf arbeiten etwa 1,6 Millionen Menschen aus dem Ausland – bis 2017 soll die Zahl auf 2 Millionen ansteigen. Viele sind auf Baustellen für die Fußball-Weltmeisterschaft beschäftigt.

Fifa ebenfalls in der Kritik

WM Baustelle Katar

In den nächsten zwei Jahren soll die Zahl der Gastarbeiter auf zwei Millionen anwachsen

Obwohl die "schrecklichen Bedingungen" für die meisten Bauarbeiter aus dem Ausland in dem Emirat inzwischen hinlänglich bekannt seien, "unternehmen die katarischen Behörden fast nichts Wirksames, um der chronischen Ausbeutung ein Ende zu setzen", kritisiert die Menschenrechtsorganisation.

Die Fifa hätte es zwar möglich gemacht, aufgrund des Standorts in der Wüste die Fußball-WM vom Sommer in den Winter zu verlegen. Eine klare Agenda, wie die Fifa das Emirat dazu bringen will, die Rechte der Arbeiter zu gewährleisten, gebe es aber bis heute nicht, kritisiert Mustafa Qadri von Amnesty International.

Amnesty fordert die Fifa und die WM-Sponsoren auf, Druck auf die Regierung von Katar auszuüben. Auch müssten sowohl die Fifa als auch ihre Geschäftspartner ein Überprüfungssytem einführen, das über die Einhaltung der Menschenrechte im Zusammenhang mit der Weltmeisterschaft wacht.

iw/wen (afp, AI))