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Asien

Keine Perspektive für Rohingya-Flüchtlinge

Im Westen Myanmars fliehen Angehörige der Rohingya-Minderheit vor der ausufernden Gewalt. Viele versuchen vergeblich, nach Bangladesch zu gelangen.

Ende Oktober brach eine zweite Welle der Gewalt zwischen der buddhistisch geprägten Bevölkerungsmehrheit und der muslimischen Volksgruppe der Rohingya im Unionsstaat Rakhine im Westen Myanmars aus. Nach UN-Angaben wurden fast 5.000 Häuser in den Dörfern der Rohingya im südlichen Teil von Rakhine zerstört, also im Küstenstreifen, der sich südlich von der Grenze zu Bangladesch an der Bucht von Bengalen entlangzieht.

Seit dem ersten Gewaltausbruch im Juni sind über 100.000 Rohingyas aus ihren Wohngebieten geflohen. Viele sind in Flüchtlingslagern in Sittwe, der Hauptsstadt des Unionsstaates, untergekommen, andere versuchten, ins Nachbarland Bangladesch zu gelangen.

An Land nur nach Bestechung der Küstenwache

Bootsflüchtlinge der Rohingya vor Myanmars/Bangaldeschs Küste (Foto: Reuters)

Bootsflüchtlinge der Rohingya-Minderheit

Nach den Angriffen auf muslimische Wohnviertel Ende Oktober haben viele Rohingyas versucht, sich auf dem Seeweg in Sicherheit zu bringen. Insgesamt sollen 150 Hausboote und Fischerboote mit 14.000 Passagieren in See gestochen sein, wie Vertreter der Rohingyas mitteilten.

"Die meisten versuchten, in Sittwe an Land zu gehen. Aber nur 19 Boote haben dies geschafft, nachdem die Passagiere Angehörige der Küstenwache Myanmars mit insgesamt 1,6 Millionen Kyat (etwa 1.500 Euro) bestochen haben", berichtete Aung Kyaw Oo, ein Sprecher der Rohingyas in Sittwe der Deutschen Welle.  "Die anderen Passagiere, Männer, Frauen und Kinder wurden daran gehindert, in Sittwe an Land zu gehen. Sie steuerten daraufhin Myaukni Maw und die Insel Sandama in der Nähe an."

Elend in Flüchtlingslagern

Von vielen dieser Bootsflüchtlinge wurde seitdem nichts mehr gehört oder gesehen. Die 36jährige muslimische Halima Khatun aus Kyaukphyu berichtete gegenüber der Deutschen Welle von ihrer Flucht: "Als sie gegen Mitternacht unser Dorf angriffen, bestieg ich mit unseren zwei Töchtern ein Boot. Meinen Mann und unseren Sohn habe ich in dem Chaos aus den Augen verloren. Später erhielt ich von meinem Mann einen Anruf, er war auf einem anderen Boot. Jetzt bin ich mit den Töchtern in Sittwe, aber wo der Rest meiner Familie ist, weiß ich nicht."

Flüchtlinge in einem Lager am Rande der Großstadt Sittwe an der Westküste Myanmars (Foto: Reuters)

Flüchtlinge in einem Lager am Rande der Großstadt Sittwe an der Westküste Myanmars.

Halima Khatun ist eine von fast 5.000 Muslimen, die als neue Flüchtlinge in Sittwe angekommen sind. Deren Lage ist nach Angaben von Hilfsorganisationen sehr schlecht, es fehlt an Nahrungsmitteln, Trinkwasser und medizinischer Versorgung. Das betrifft nicht nur die Rohingyas, sondern auch Angehörige der buddhistischen Mehrheit des Rakhine-Staates, die vor der Gewalt hierher geflohen sind. Ein Viertel der Kinder, die sich in den menschenunwürdigen Camps aufhalten, sind nach Angaben von Refugees International unterernährt.

Auf neue Wellen von Flüchtlingen nach weiteren Gewaltausbrüchen seien die Lager überhaupt nicht vorbereitet. Die Regierung von Myanmar hat sich nach anfänglichem Widerstand zwar bereit erklärt, humanitäre Hilfe aus muslimischen Ländern ins Land zu lassen, aber bis jetzt sei davon nichts in nennenswertem Umfang angekommen, berichten Hilfsorganisationen.

Erschöpfte Bootsflüchtlinge

Unterdessen ist das Schicksal Tausender Bootsflüchtlinge ungewiss, die weder in Myanmar noch in Bangladesch an Land gehen durften. Der Rohingya-Fischer Foizullah berichtete, er habe etwa 50 Fischerboote mit Flüchtlingen an Bord vor der Mündung des Grenzflusses Naf gesehen. "Es müssen etwa 2.000 bis 2.500 Menschen sein, Frauen, Männer, Kinder. Sie warten auf eine Gelegenheit, nach Bangladesch zu gelangen. Aber dessen Küstenwache patrouillierte dort, so dass die Boote nicht weiterfahren konnten." Er sei nahe an zwei Boote herangefahren. Die Kinder an Bord hätten krank und erschöpft gewirkt. "Die Männer sagten, sie kämen aus Kyaik Phyu, sie baten um Trinkwasser. Wir gaben ihnen Wasser und etwas zu essen für die Kinder."

Bangladesch bleibt hart

Ein Soldat Myanmars in einem zerstörten Dorf (Foto: Reuters)

Ein Soldat in einem zerstörten Dorf der Rohingya-Volksgruppe

Die Grenzbehörden Bangladeschs setzen die Politik der geschlossenen Grenze konsequent um, eine Politik, die unlängst von Außenministerin Dipu Moni bekräftigt wurde. Der Kommandeur der Grenzschutztruppe in der grenznahen Stadt Cox's Bazaar, Oberstleutnant Zahid Hassan, erklärte vor der Presse: "Wir haben Geheimdienstinformationen, dass Rohingyas versuchen, sich nach Bangladesch hereinzuschmuggeln. Wir sind auf dem Posten und werden ihnen die Einreise verwehren. Jede Woche fangen wir Dutzende Rohingyas aus Myanmar ab und schicken sie zurück."

Unterdessen mehren sich Hinweise, dass von den in den Küstengewässern ausharrenden Bootsflüchtlingen schon etliche ums Leben gekommen sind. "Fischer aus Bangladesch haben uns berichtet, sie hätten gesehen, wie Leichen von den wartenden Booten ins Meer geworfen wurden", sagt Rohingya-Aktivist Tin Soe. Bewohner eins Dorfes aus dem Grenzgebiet hätten zwölf Leichen an der Küste treiben sehen, 30 tote Flüchtlinge seien im Mündungsgeiet des Grenzflusses Naf gezählt worden.