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Politik

Keine pastorale Welt

Die USA wollen bis 2004 einen Raketenschild installieren. Er kann zwar Schutz vor Raketenangriffen bieten aber nicht vor Terrorismus, meint unser USA-Korrespondent Daniel Scheschkewitz in seinem Kommentar.

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Präsident Bush hat nun doch das Erbe Ronald Reagans angetreten . Dessen noch aus dem Kalten Krieg stammendes Konzept vom Krieg der Sterne soll bis 2004, wenn auch in abgespeckter Form, Wirklichkeit werden. Mit zunächst 10 Abfangraketen in Alaska, die mit Radaranlagen in Grönland und weltraumgestützten Beobachtungssatelliten vernetzt sind, will Bush die USA und ihre Verbündeten vor ballistischen Angriffen schützen.

Die Sinnfrage

Dazu hatte der amerikanische Präsident den ABM-Vetrag von 1972 Ende letzten Jahres extra gekündigt und sich so zunächst den Ärger Russlands zugezogen: Doch der Rauch verzog sich schnell, mit einem bilateralen Abrüstungsvertrag und einem Angebot zur technologischen Zusammenarbeit wurde Putin ruhig gestellt und der eigene Plan unbeirrt von den Bedenken auch einiger Europäer vorangetrieben. Heute kann das Projekt nach zahlreichen Tests als technisch einigermaßen ausgereift bezeichnet werden. Und doch stellt sich die Frage, macht ein Krieg der Sterne im Zeitalter der terroristischen Bedrohung noch Sinn?

Die Antwort fällt nicht eindeutig aus. Zwar stimmt es, dass sich Terroristen nicht durch ein Raketenabwehrschild vor Anschlägen abhalten lassen. Die Osama Bin Ladens dieser Welt brauchen nicht derart schweres Geschütz aufzufahren. Sie verfügen schon jetzt über eine ganze Palette anderer Möglichkeiten, Amerika und amerikanischen Einrichtungen in aller Welt gefährlich zu werden. Dass sie in den Besitz von Langstreckenraketen und Anlagen zur deren Abschuss geraten könnten, scheint zumindest vorläufig unwahrscheinlich. Und doch, wer garantiert uns, dass nicht eines Tages auch Länder wie Pakistan oder Malaysia mit einem hohen radikalen Moslemanteil von amerikafeindlichen Regimen kontrolliert werden. Korea arbeitet nach eigenem Eingeständnis schon jetzt an einem Atomwaffenprogramm und exportiert seine Rüstungstechnologie weltweit, weil die kommunistische Planwirtschaft keine anderen Exportgüter hervor gebracht hat. Wer keine andere Wahl hat, schließt zur Not auch den Pakt mit dem Teufel, ganz auszuschließen ist die Proliferation auch an Terroristen oder terroristische Regime nicht.

Gefahren bleiben

Letztlich ist es eine Aufgabe der Diplomatie, diese Bedrohungen aus der Welt zu schaffen. So wie dies im Falle Russlands gelungen ist und auch im Verhältnis zu China von den USA angestrebt wird. Es bleibt jedoch eine kleine Zahl autoritärer, anti-westlich eingestellter Staaten, deren friedliches Wohlverhalten mit diplomatischen Mitteln allein nicht zuverlässig zu gewährleisten ist.

Sie stellen auch nach dem Ende des Kalten Krieges eine Bedrohung da, vor der auch die europäischen Regierungen ihre Augen nicht verschließen können. Deshalb haben Dänemark und Großbritannien schon jetzt ihre Zustimmung zur Stationierung entsprechender Radaranlagen signalisiert. In der Abwehr der terroristischen Gefahr taugt das Raketenschild kaum, doch die Welt ist auch ohne Terroristen keine pastorale Idylle, sondern ein gefährlicher Ort . Vor allem für Amerikaner.