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Kultur

Keine Odyssee: Ein Tag als Leopold Bloom

"Bloomsday" wird der 16. Juni genannt - der Tag, an dem Leopold Bloom in James Joyces berühmtesten Roman "Ulysses" durch Dublin streift. Am Mittwoch jährt sich dieser Tag zum hundertsten Mal und wird weltweit gefeiert.

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Nicht verwechseln: das ist Joyce, nicht Bloom

Zum 100jährigen Jubiläum ist es mit einem schlichten Feiertag nicht getan. In Dublin zelebriert man die Abenteuer Leopold Blooms heuer gleich ganze fünf Monate lang. Und das alles nur wegen eines einzigen Buches? Selten dienen literarische Werke als Anlass zum feiern. Und obwohl "Ulysses" unbestritten zu einem der größten Romane der Moderne zählt, so ist es doch verwunderlich, dass ausgerechnet dieses Werk so kollektiv und volksnah gefeiert wird. Als Meilenstein der Literaturgeschichte ist es sowohl inhaltlich als auch formal äußerst schwer zugänglich. Die Anzahl der wirklichen Leser des meisterhaften Werkes dürfte verhältnismäßig gering sein.

Burgunder und Bier

Aber natürlich muss man das Werk nicht gelesen haben um zu feiern. Das Bloomsday Festival "ReJoyce 2004" in Dublin lockt mit Lesungen, Bühnenaufführungen und Straßenimprovisationen, bei denen Szenen des Romans an Ort und Stelle nachgestellt werden. Wer dabei tieferes Interesse für das Werk Joyces entdeckt, kann sich immer noch zum internationalen James Joyce Symposium gesellen.

O'Connell Street in Dublin

Straßenszene in der O'Connell Street in der irischen Hauptstadt Dublin

Besonders beliebt aber sind die "Walking Tours": in zeitgenössischen Kostümen wandelt man auf den Spuren von Leopold Bloom, bestellt am Mittag im Davy Byrnes Pub in der Duke Street ein Glass Burgunder und ein Gorgonzola-Sandwich, bevor man hinüber ins Ormond Hotel wechselt und ein Bier in der Bar trinkt. Obwohl detailliert geschildert, läddt sich Blooms Weg durch Dublin nicht mehr auf Schritt und Tritt verfolgen. Sein Haus in der Eccles Street Nummer sieben steht nicht mehr und auch das Rotlichtviertel, in dem ein Kapitel spielt, wurde dem Erdboden gleich gemacht. Ähnlich beliebt und wie die "Walking Tours" sind auch die James-Joyce-Ähnlichkeits-Wettbewerbe. Kurzum, es mag eine Odyssee sein, sich durch James Joyces Roman zu kämpfen, aber ein Tag als Leopold Bloom kann sehr vergnüglich sein.

"Bloomsday" weltweit

Bloomsday 2002 in Philadelphia

Bloomsday in Amerika

Der "Bloomstag" ist aber nicht nur in Dublin beliebt. Von Tokio bis Sydney, von San Francisco bis Buffalo, von Triest bis Paris dutzende Städte feiern weltweit ihre eigenen Bloomsday-Feste. In Deutschland bemüht man sich neben den obligatorischen Lesemarathons und Filmvorführungen ebenfalls um ein originelles Rahmenprogramm. So lässt sich in Berlin nachvollziehen, in welchem Kapitel zu welcher Stunde was gegessen und getrunken wird. In Hannover gibt ein Ire Trink- und Liebeslieder seiner Heimat zum Besten. Dazu soll es viel Guinness und Käsesenf-Sandwiches à la Davy Byrne geben. Vielleicht erhöht sich die Zahl der Leser ja doch noch. (aki)

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