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Deutschland

Keine leichte Wahl in Berlin

Der Wahlkampf, so heißt es, sei in Deutschland mau gewesen. Dafür könnte der Wahltag in der Hauptstadt um so spannender werden. Und es ist nicht das einzige Rennen des Tages. Wenn das mal gut geht!

Die deutsche Hauptstadt, eher für Coolness und ausgeruhte Kreativität bekannt, zeigt sich zum Wahltag von ihrer ehrgeizigen Seite. Ausgerechnet am Tag der Bundestagswahl findet auch der Berlin-Marathon statt. 43.000 Läufer hatten sich angemeldet. Zehntausende Fans säumen die Strecke, um zu gucken und anzufeuern. Da der Berlin-Marathon ein City-Lauf ist, hat das Auswirkungen auf die ganze Innenstadt. Nicht nur, dass Autos und Busse nicht fahren dürfen. Auch für manche Fußgänger ist es schwer, auf die andere Straßenseite zu kommen, um in ihr Wahllokal zu kommen. 

Auch die Presse ist betroffen. Mehrere TV-Sender können nicht, wie gewohnt, vom Berliner Reichstag aus ihren Übertragungswagen berichten. Einige wurden deshalb auf umliegende Plätze und Gebäude verteilt. Besonders betroffen seien ausländische TV-Sender, berichten  Berliner Medien. Die zuständigen Behörden schieben sich gegenseitig die Verantwortung dafür zu.

Doch damit nicht genug. Nur knapp konnte verhindert werden, dass auch noch die Hausmeister von Berlin-Mitte am Sonntag streiken. Sie sind es, die Schulen und andere öffentliche Gebäude aufschließen, in denen viele Wahllokale untergebracht sind. Nun werden sie zur Arbeit "gezwungen". Das ist Berlin!

Symbolbild Wahlurne Bundestagswahl (picture-alliance/dpa/R. Jensen)

Geschafft!

Weitere Störungen nicht ausgeschlossen

Die Wähler in Berlin werden, so sie es durch den Marathon geschafft haben und der Hausmeister wirklich aufgeschlossen hat, auch noch über ein berühmtes Desaster abstimmen. Weil der neue Flughafen seit Jahren nicht fertig wird, gibt es nun eine Volksabstimmung darüber, ob man den alten Flughafen nicht doch lieber offen lassen sollte. Ob der neue jemals fertig wird, weiß noch keiner so richtig, ein Datum jedenfalls wurde noch nicht genannt.

Vielleicht aber gibt es noch ganz andere Störungen. Die Rechtspopulisten von der AfD fürchten nämlich Wahlbetrug und haben deshalb einen Aufruf gestartet, als "Bürger-Wahlbeobachter" das richtige Erfassen der Kreuzchen und Listen zu beobachten. Auch die AfDler der "Ein-Prozent-Bewegung" haben dazu aufgerufen. Das sind die ganz Radikalen, die sagen, dass ein Prozent der Bevölkerung ausreiche, um das Land umzukrempeln. Angeblich hätten sich schon rund 1000 "Wahlbeobachter" gemeldet. Rechtlich ist das erlaubt, aber was das für die Stimmung in den Wahllokalen bedeutet, bleibt abzuwarten. 

Überhaupt könnte die AfD Anlass für Demonstrationen sein. Vielleicht eher nicht in Berlin, weil die Demonstranten schlecht durchkommen - siehe oben. Aber für Frankfurt oder Stuttgart finden sich schon entsprechende Aufrufe in den Sozialen Medien.

Das Rennen um den dritten Platz

Die Parteizentralen sind ungefähr in einem Radius von zwei Kilometer rund um das Brandenburger Tor verteilt. Wer es rechtzeitig dorthin geschafft hat, wird als Spitzenpolitiker dann zusammen mit den anderen Kollegen Ministern, Vorsitzenden und Funktionären um Punkt 18 Uhr das erste Ergebnis der Wahl präsentiert bekommen.

In fast allen Parteien wird es wohl eher wenig Jubel geben. Laut Umfragen müssen CDU, SPD und auch die Grünen mit Verlusten an Wählerstimmen rechnen. Großen Jubel wird es bei der FDP geben, die ihren Wiedereinzug in den Bundestag nach vier Jahren selbstverschuldetem Strafsitzen feiern wird. Bei der Linken wird es darum gehen, ob sie als drittstärkste Kraft aus dem Rennen geht. Oder ob diesen Platz die AfD einnehmen kann. Die AfD wird wohl die Partei sein, die am lautesten jubelt. Vor vier Jahren haben sie den Einzug in den Bundestag mit 4,7 Prozent verpasst. Dieses Ergebnis werden sie wohl verdoppeln bis verdreifachen können.

Spitzenkandidaten TV-Debatte nach Bundestagswahl 2013 (Reuters)

Die sogenannte Elefanten-Runde mit den Spitzenkandidaten - hier 2013

Wenn alles gut läuft, und die Marathon-Sperrungen am frühen Abend abgebaut sind, können die Spitzenpolitiker dann in die Hauptstadtstudios der beiden großen öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten ZDF und ARD fahren und dort erste Wahlkommentare abgeben. Gegen 22 Uhr wird das endgültige Wahlergebnis einlaufen, so lehrt die Erfahrung. Am Montag ist dann wieder freie Fahrt in Berlin. Gleich am Vormittag werden erste Pressekonferenzen stattfinden. Mit der Regierungsbildung kann es dann noch Wochen oder Monate dauern - je nach Wahlergebnis. Da haben es die Marathon-Läufer besser: Die laufen durch das Ziel und sind fertig. 

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