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Filme

Keine Klischees, bitte

Das Gangsterdrama "Kurz und Schmerzlos" machte Fatih Akin 1998 über Nacht bekannt. "Solino", der neue Film des erst 29-jährigen Sohnes türkischer Einwanderer erzählt eine "Gastarbeiter"-Geschichte.

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Moritz Bleibtreu wird in Fatih Akins "Solino" zum Italiener

Akin lässt "Solino" mit einer Menge Klischees beginnen. In Italien scheint immer die Sonne und das Land steckt voller Leben: Temperamentvoll nimmt die Familie Amato Abschied am Bahnhof des apulischen Dorfes Solino: Das Ehepaar Romano und Rosa macht sich mit seinen kleinen Söhnen Giancarlo und Gigi auf in die Bundesrepublik. Denn 1964 werden dort noch Arbeitskräfte gesucht. Im grauen, verrußten Duisburg vermisst Rosa nicht nur die richtigen Zutaten beim Kochen. Auch Romano erkennt, dass die Arbeit unter Tage nichts für ihn ist. Ein leeres Eck-Lokal gegenüber ihrer Wohnung bringt sie auf die rettende Idee: Sie eröffnen eine Pizzeria.

Erste Pizzeria im Ruhrgebiet

Das Restaurant namens Solino wird tatsächlich ein Riesenerfolg. Mutter kocht im Keller, Vater ist der Oberkellner und die beiden Söhne helfen, so gut sie können. Im Geschwisterkonflikt der ungleichen Brüder - nach einem Zeitsprung von zehn Jahren dargestellt von Moritz Bleibtreu und Barnaby Metschurat - verzettelt sich dann leider die Handlung. Über drei Jahrzehnte zieht sich das Möchtegern-Familienepos; eine stimmige Chronik der ersten Immigrantengeneration ist auf Spielfilmlänge aber wird nicht deutlich. Episode reiht sich an Episode; auch ein letzter Sprung in das Jahr 1984, der die vielen verschiedenen Handlungsstränge verknüpfen soll, kann dem Film nicht mehr helfen.

Arbeitsmotiv Fatih Akin

Fatih Akin bei den Dreharbeiten zu "Solino"

"Ich kenne keine Italiener, ich spreche nicht italienisch, ich kenne die 60er so wenig wie die 70er", erklärt Fatih Akin. Das "Solino"-Drehbuch habe ihn jedoch zu Tränen gerührt. Ruth Toma ("Gloomy Sunday") verarbeitet darin ein Stück Familiengeschichte aus zweiter Hand: Die Eltern ihres Mannes eröffneten in den 1960er-Jahren in Oberhausen eine Pizzeria. Auch der Regisseur betont seinen persönlichen Bezug: "Meine Eltern sind auch ausgewandert, ich habe einen Bruder, und es geht um die Liebe zum Film."

Star der deutsch-türkischen Filmszene

Akin ist der prominenteste Vertreter einer deutsch-türkischen Filmszene, die sich in den letzten Jahren fest etabliert hat. Doch für den Regisseur war "Solino" auch die Chance, sich einmal nicht eines "türkischen Themas" anzunehmen. Seine Generation will den türkischen Hintergrund zwar als Grundlage ihrer Identität sehen, nicht aber als "Problem": "Die sollen meine Filme anschauen, weil sie gut sind, nicht wegen meiner Herkunft".

1973 in Hamburg geboren, schrieb Akin noch mitten im Abitur sein erstes Drehbuch - über drei befreundete Kleinkriminelle türkischer, griechischer und serbischer Herkunft, die etwas zu tief ins organisierte Verbrechen einsteigen. Das Buch bot Akin, mittlerweile Absolvent der Hamburger Hochschule für Bildende Künste, einer Produktionsfirma an - und der Rest ist sozusagen Filmgeschichte: "Kurz und Schmerzlos" wurde 1998 mit einer Bundesfilmpreis-Nominierung, dem Bayrischen Filmpreis und einem Löwen in Locarno ausgezeichnet. Das Erstlingswerk begeisterte vor allem mit seiner Fähigkeit, Klischees zu vermeiden, weil er sie nicht benötigte um Authentizität zu erzeugen. Schade, dass Akin das mit "Solino" nicht wieder gelungen ist.

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