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Wirtschaft

Keine Hochzeit von Viagra und Botox

Die Übernahme von Allergan hätte den US-Konzern Pfizer zum weltgrößten Arzneimittel-Hersteller gemacht. Pfizer hatte vor allem auf steuerliche Vorteile gehofft, aber das Schlupfloch ist inzwischen dicht.

Ohne Steuerschlupfloch ist der Deal für die Unternehmen nicht mehr interessant: Die geplante 160 Milliarden US-Dollar schwere Übernahme des Botox-Herstellers Allergan durch den US-Pharmariesen und Viagra-Produzenten Pfizer soll nun doch nicht stattfinden. Der geplante Zusammenschluss sei in gegenseitigem Einvernehmen abgebrochen worden, teilte Pfizer am Mittwoch mit. Pfizer müsse Allergan dafür 150 Millionen Dollar zahlen. Zudem will das Unternehmen jetzt wieder an seine alte Strategie vor der geplanten Allergan-Übernahme anknüpfen und eine Aufspaltung bis zum Ende des Jahres prüfen.

Hintergrund sind neue Maßnahmen der US-Regierung gegen Steuervorteile im Zuge solcher Übernahmen. Das US-Finanzministerium hatte am Montag neue Vorschriften bekanntgegeben, die sich gegen die Verlegung von Firmensitzen nach Übernahmen richten.

Allergan und Pfizer planten, nach dem Zusammenschluss zum weltgrößten Arzneimittel-Hersteller den Hauptsitz nach Irland zu verlegen, nicht jedoch die operativen Aktivitäten. In Irland sind die Steuersätze deutlich niedriger als in den USA: Die Unternehmenssteuer liegt in den USA bei 35 Prozent, in Irland bei nur 12,5 Prozent. Pfizer hätte sich damit jährliche Einsparungen von mehr als einer Milliarde Dollar sichern können.

Selbst Trump und Clinton sind einer Meinung

In den USA haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Konzerne nach Großfusionen ihre Firmensitze ins Ausland verlegt, was massive Steuerersparnisse mit sich bringt. Diese als Inversion bezeichnete Taktik ist in Amerika ein Politikum geworden. Selbst die favorisierten Präsidentschaftsbewerber der Demokraten und Republikaner, Hillary Clinton und Donald Trump, sind sich hier ausnahmsweise einig, dass ein Riegel vorgeschoben werden muss.

Mit der Übernahme von Allergan durch Pfizer wäre ein Konzern mit einem Jahresumsatz von mehr als 60 Milliarden Dollar entstanden. Er hätte den Schweizer Konkurrenten Novartis vom Spitzenplatz des weltgrößten Herstellers verschreibungspflichtiger Medikamente verdrängt. Für Pfizer ist es die nächste Schlappe, nachdem schon die angedachte Akquisition von AstraZeneca am Widerstand des britischen Rivalen scheiterte.

hmf/zdh (dpa, rtr)