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Aktuell Amerika

Keine Hinweise auf Komplizen der Terrorbrüder von Boston

So ist der derzeitige Stand der Ermittlungen. Und die Polizei muss sich in Geduld üben, was die Befragung des überlebenden Dschochar Zarnajew angeht. Der 19-Jährige kann wegen eines Halsschusses noch nicht sprechen.

Nach der Festnahme des mutmaßlichen zweiten Bombenlegers von Boston hat die strafrechtliche Aufarbeitung des Anschlags auf die Marathon-Veranstaltung begonnen. Nach US-Medienberichten bereitete das Justizministerium gegen den bei seiner Flucht schwer verletzten Dschochar Zarnajew eine Anklage wegen Terrorismus vor. Außerdem könnte der junge Mann vom Bundesstaat Massachusetts wegen Mordes angeklagt werden. Die Anklageerhebung könnte eingeleitet werden, noch bevor Zarnajew aus dem Krankenhaus entlassen wird. Laut den Angaben befinden sich Staatsanwälte in der Klinik im Bostoner Vorort Cambridge, in dem der Verdächtige behandelt wird.

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Boston: Aufarbeitung des Terroranschlags

Der Zustand Zarnajews ist nach Angaben des Gouverneurs on Massachusetts, Deval Patrick, "ernst, aber stabil". Er sei jedoch noch nicht in der Lage zu sprechen. Zarnajew war bei der Flucht in den Hals geschossen worden. Patrick fügte hinzu, er hoffe, der 19-Jährige werde überleben: "Wir haben Millionen von Fragen, und diese Fragen müssen beantwortet werden."

Republikaner für Einstufung als "feindlicher Kämpfer"

Die republikanische Senatoren John McCain und Lindsay Graham forderten, Zarnajew als "feindlichen Kämpfer" einzustufen. Damit hätte er den gleichen Status wie die Terrorverdächtigen, die in dem umstrittenen US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba inhaftiert sind. Rechtsexperten halten das aber für nicht möglich, weil der Verdächtige die US-Staatsbürgerschaft hat.

Dschochar Zarnajew soll am Montag gemeinsam mit seinem 26-jährigen Bruder Tamerlan einen Doppel-Anschlag auf den Bostoner Marathon verübt haben. Dabei wurden drei Menschen getötet und etwa 180 weitere verletzt. Mehrere Opfer verloren durch die Explosionen Arme und Beine. Auf ihrer Flucht sollen die aus einer tschetschenischen Familie stammenden Brüder einen Polizisten erschossen und einen weiteren Beamten schwer verletzt haben. Tamerlan Zarnajew starb nach einem Schusswechsel mit der Polizei.

Hinweise auf islamistischen Hintergrund verdichten sich

Die Polizei hat nach eigenen Angaben bislang keine Hinweise auf Mittäter. "Alles was ich weiß ist, dass diese Kerle alleine gehandelt haben", sagte der Polizeichef von Watertown, Edward Deveau. Lokale Medien hatten zuvor gemeldet, dass das FBI am Freitagabend drei Verdächtige im Zusammenhang mit dem Anschlag verhört habe. Die Polizei habe ihre Wohnung in der Nähe der Universität durchsucht, an der Dschochar Zarnajew als Student eingeschrieben war.

Bürger Bostons betrachten die Blumenstäuße zum Gedenken an die Opfer der Bombenanschläge (Foto: Reuters)

Blumen zum Gedenken an die Anschlagsopfer: Normalität wird für Boston noch lange Zeit ein Fremdwort bleiben

Die Ermittler konzentrierten sich zuletzt auf die Suche nach einem Motiv für die Tat. Dabei verdichteten sich die Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund. Die Bundespolizei FBI räumte ein, den älteren Bruder Tamerlan Zarnajew bereits 2011 im Visier gehabt zu haben. Damals habe eine nicht näher genannte ausländische Regierung darum gebeten, den jungen Mann wegen mutmaßlicher radikal-islamischer Ansichten zu überprüfen. Bei der Befragung von Zarnajew hätten die Ermittler aber keinen Verdacht geschöpft. US-Medien zufolge soll der Hinweis aus Moskau gekommen sein.

Tamerlan Zarnajew jahrelang unter FBI-Beobachtung?

Die Mutter der mutmaßlichen Bombenattentäter hatte in einem Interview des Nachrichtensenders CNN gesagt, dass Tamerlan "für drei, fünf Jahre" vom FBI beobachtet worden sei. "Sie haben ihn auf Schritt und Tritt verfolgt", sagte Zubeidat Zarnajewa, die darauf beharrte, dass ihre Söhne die Tat nicht hätten begehen können. Die Mutter sagte auch, dass ihr älterer Sohn vor fünf Jahren in "religiöse Politik" verwickelt worden sei. In ihrem Haus habe aber niemand über Terrorismus geredet.

In US-Medien wurde darüber spekuliert, dass sich Tamerlan Zarnajew während eines mehrmonatigen Aufenthalts in Russland im vergangenen Jahr radikalisiert und seinen jüngeren Bruder beeinflusst haben könnte. Die Familie war offenbar in den 90er Jahren vor den Kriegen in Tschetschenien zwischen russischen Truppen und islamistischen Unabhängigkeitskämpfern aus der Kaukasus-Republik geflüchtet. Nach einem Aufenthalt in Zentralasien kamen sie vor etwa zehn Jahren in die USA. Dschoschar wurde im vergangenen Jahr US-Staatsbürger, Tamerlan hatte eine Aufenthaltsgenehmigung.

sti/SC (afp, rtr, APE)

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