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Asien

"Keine große Börsenschwankung 2016"

Nach einem Kurseinbruch wurde der Börsenhandel in China am Montag gestoppt. Zum Einsatz kam damit der Schutzmechanismus für Anleger, der seit 2016 in Kraft ist. Aber ist der überhaupt nötig? Dazu Experte Yi Xianrong.

Der sogenannte "Circuit Breaker" Mechanismus sieht vor, dass der Handel für 15 Minuten ausgesetzt wird, wenn der Aktienindex um fünf Prozent einbricht. Sinkt dieser Kurs um sieben Prozent, werden bis zum Handelsschluss keine Aktien gehandelt. Beträgt die Kursschwankung mehr als zehn Prozent, - egal, ob nach oben oder unten - schließen die Börsen auch am nächsten Handelstag.

Das Vorbild für den Sicherungsmechanismus sind Vorschriften der amerikanischen Börsenaufsicht SEC, die nach dem Börsensturz am 19. Oktober 1987 ähnliche Vorschriften für die Börsen in New York und Chicago ausgearbeitet hatte. An jenem Tag war der Dow Jones Index um 22,4 Prozent eingebrochen.

Yi Xianrong, Wirtschaftswissenschaftler am Institut für Finanz- und Bankenwesen der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften (CASS), erklärt die Vorgänge an Chinas Börsen am ersten Handelstag im neuen Jahr.

Wirtschaftswissenschaftler Yi Xianrong (Foto: Getty Images)

Wirtschaftswissenschaftler Yi Xianrong

Deutsche Welle: Schon am ersten Tag des Börsenhandels ist der Schutzmechanismus zum Zuge gekommen. Ist der Markt in China so nervös?

Yi Xianrong: Nein. Ich sehe da kein großes Problem. Die Anleger sind noch nicht sehr vertraut mit den Auswirkungen des neuen Schutzmechanismus, der von heute an in Kraft ist. Sie kennen die realen Folgen einer solchen Sicherung nicht. Deswegen sind die meisten Marktteilnehmer noch ein wenig aufgeregt. Mit Blick auf die sinkenden Kurse haben sich viele Anleger dafür entschieden, zunächst mal nicht zu handeln und abzuwarten. Ein Minus von sieben Prozent sehe ich nicht als großes Problem an.

Sie gehen also davon aus, dass die chinesischen Anleger allein aufgrund der Tatsache, das ab heute der Schutzmechanismus gilt, schon vorab unsicher waren und dadurch der Markt überhaupt erst abgerutscht ist. Was gibt Ihnen dafür die Zuversicht?

Das Niveau der Aktienindizes, die volkswirtschaftliche Lage sowie der chinesische Markt geben mir die Zuversicht. Aktuell liegt der kombinierte Börsenindex von Shanghai und Shenzhen bei über 3000 Punkten. Das Risiko ist für Anleger nicht wirklich groß.

Die Idee des Schutzmechanismus ist vom Ansatz her gar nicht so schlecht für Kleinanleger…

Von mir aus könnte man auf diesen Mechanismus verzichten. Der Markt würde ohne diesen künstlichen Eingriff besser auskommen. Durch die Aussetzung des Handels ist das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Markt spürbar gestört. Ein funktionierender Markt wird sich selbst regulieren.

Nach dem Börsencrash im letzten Sommer hatte die chinesische Börsenaufsicht alle Großaktionäre, die mehr als fünf Prozent der Stammaktien besitzen, verpflichtet, die Anteile binnen sechs Monaten nicht zu verkaufen. Die Frist läuft am Freitag ab. Ist das nicht ein Grund für die Aufregung am Montag?

Ein Kleinanleger im Pekinger BörsensaalChina Börsencrash Peking (Foto: Reuters)

Ein Kleinanleger im Pekinger BörsensaalChina Börsencrash Peking

Das könnte eine Rolle spielen. Viele Kleinanleger rechnen damit, dass die Großaktionäre ihre Anteile verkaufen, so dass der Kurs weiter sinkt. Deswegen zögern sie auch.

Die Regierung will auf jeden Fall die Kleinanleger schützen, um den sozialen Frieden zu wahren. Was kann sie denn dafür noch tun?

Die Regierung hat ein großes Interesse an stabilen Börsen und wird viele Maßnahmen ergreifen, um die Aktienmärkte weiter zu stützen, beispielsweise durch Anpassung des Zinsniveaus. Wenn keine bösen Überraschungen kommen, wird es 2016 keine große Börsenschwankung geben. Der kombinierte Index schafft locker die 3500-Punkte-Marke. (Er liegt derzeit bei circa 3200 Punkten, Anm. d. Red.)

Yi Xianrong, Wirtschaftswissenschaftler am Institut für Finanz- und Bankenwesen an der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften (CASS).

Das Interview führt Miao Tian.

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