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Nahost

Keine Freiheit für "Dr. Bazillus"

Ein Brite in irakischer Geiselhaft bangt um sein Leben. Die Geiselnehmer drohen mit seiner Enthauptung, falls nicht alle Frauen aus irakischen Gefängnissen freigelassen werden. Das verweigert die US-Regierung jedoch.

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Die Wissenschaftlerin Rihab Taha bleibt weiter in US-Haft

Die US-Regierung erklärte, im berüchtigten Abu-Ghraib-Gefängnis säßen nur zwei irakische Wissenschaftlerinnen - und dort sollten sie auch bleiben. Die beiden Frauen wurden im Frühjahr 2003 von US-Truppen verhaftet. Sie stehen seitdem unter Verdacht, zum Aufbau des mutmaßlichen Biowaffenprogramms des Irak beigetragen zu haben. Darüber hinaus sollen die Frauen hohe Ämter in der Baath-Partei bekleidet haben.

Huda Saleh Mehdi Ammasch gilt als Milzbrandexpertin und erhielt deshalb in Geheimdienstkreisen den Spitznamen "Dr. Milzbrand". Die Biologin studierte an der Universität Texas und erhielt dort im Jahre 1979 ihren Master-Abschluss im Fach Mikrobiologie. Später promovierte sie außerdem an der Universität Missouri in Columbia.

Im Irak war sie mit dem erworbenen Wissen eine gefragte Expertin in ihrem Fachgebiet und lehrte zwischenzeitlich an der Universität von Bagdad als Professorin oder unterstützte Wissenschaftler in anderen arabischen Ländern bei deren Forschungsvorhaben.

Waffenprogramm

Rihab Raschid Taha ist ins Fadenkreuz der US-Regierung geraten, weil sie Leiterin des irakischen Waffenprogramms war. Wie auch ihre Mitgefangene Ammasch ist Taha Mikrobiologin und studierte ihr Fach im Ausland.

An der Universität von East Anglia schrieb sie ihre Dissertation und erhielt von UN-Waffeninspektoren in den 1990er-Jahren die Beinamen "Doktor Bazillus" und "Toxic Taha". Britischen Geheimdienstberichten zufolge forschte Rihab Taha während des Hussein-Regimes mit hochgiftigen biologischen Waffen.

Nach Angaben der US-Regierung handelt es sich bei den beiden Wissenschaftlerinnen um die einzigen Frauen im Abu Ghraib-Gefängnis. Die Geiselnehmer des jordanischen Islamisten Abu Mussab el Sarkawi bezweifeln indes diese Angaben und fordern die Freilassung aller Frauen aus den irakischen Gefängnissen Abu Ghraib und Umm el Kasr (Camp Bucca).

Hinrichtung angekündigt

Und sie meinen es ernst: In den vergangenen Tagen haben sie schon die beiden US-Bürger Eugene Armstrong und Jack Hensley ermordet und die weitere Hinrichtung des Briten Kenneth Bigley angekündigt, falls die Forderung weiterhin nicht erfüllt wird.

"Mit dieser Forderung wollen sich die Geiselnehmer als Retter in einer guten Sache darstellen", sagt Sonja Hegasy vom Zentrum Moderner Orient in Berlin, "das ist das Kalkül der Entführer, die suchen einen positiven Halt in der Bevölkerung."

In der irakischen Bevölkerung habe man immer noch das Bild der misshandelten Gefangenen von Abu Ghraib vor Augen: "Viele befürchten, dass es den Frauen im Gefängnis noch schlechter geht als den Männern. Wenn man die Männer schon so schlimm gequält hat, dann möchte man nicht wissen, was den Frauen dort angetan wird", meint die Wissenschaftlerin.

"Enorme Grauzone"

Hans-Jürgen Schröder, Professor für US-Außenpolitik an der Universität Gießen, ist hingegen skeptisch, ob die Zahl der Frauen in den irakischen Gefängnissen wirklich so gering ist, wie sie gegenüber der Öffentlichkeit angegeben wird. Er vermutet "eine enorme Grauzone" und schenkt den Aussagen der US-Regierung auf Grund der bisherigen Erfahrungen "nicht viel Vertrauen".

Huda Sali Mahdi Ammasch verhaftet

Huda Ammasch

Am Mittwoch (21.9.04) gab es dann kurzzeitig Hoffnung für die Rettung der dritten Geisel. Das irakische Justizministerium stellte die Freilassung von Rihab Taha in Aussicht, weil die Biologin "keine Gefahr mehr für die Sicherheit des Landes" war. Nach Zahlung einer Kaution sollte Taha deshalb noch am gleichen Tag aus dem Gefängnis entlassen werden.

Doch schon wenige Stunden später sprach die US-Regierung ein Machtwort und betonte, dass "keine von beiden Frauen so bald freikommt." Dabei wird es wohl bleiben: Weiterhin lehnen US-Präsident George W. Bush, der britische Premierminister Tony Blair als auch Iraks Ministerpräsident Ijad Allaui jegliche Verhandlungen mit dem Geiselnehmern ab.

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