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Bildung

Keine Ferien in den Semesterferien

Leere Stühle in der Mensa, keine Stühle im Hörsaal. Trotzdem sind deutsche Unis während der Semesterferien nicht geschlossen. Immer mehr Studierende lernen auch in den Ferien in der Uni - und mancherorts wird renoviert .

Abgedeckte Stühle im Hörsaal F im Philosophenturm (Foto: DW / Janine Albrecht)

Bauarbeiten statt Vorlesung

Es riecht nach Farbe, aus dem Fußboden ragen Metallstäbe, von der Decke hängt ein Stromkabel. So sieht es momentan im Hörsaal F des Hamburger Philosophenturms aus. Hier wird offensichtlich renoviert. Marita Vietmeyer steht mitten in dem leeren Verlesungsraum, sie weiß über alle Bauarbeiten an der Uni Hamburg Bescheid. Vietmeyer leitet das Referat der Bauplanung. Momentan gibt es etwa 30 Baustellen auf dem Campus. Im Gebäude der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften ist derzeit die erste Etage für Umbauarbeiten komplett gesperrt. "Wir werden die ganze Etage hier neu organisieren, denn hier sollen eine transparente Bürolandschaft und ein Studierendenbüro entstehen", sagt Marita Vietmeyer und muss dabei fast schreien, damit man sie versteht. Hinter ihr ziehen gerade Elektriker weiße Stromkabel von einer großen Kabeltrommel. Das macht ordentlich Lärm. Während des Semesters wären solche Bauarbeiten unmöglich. Denn direkt unter dieser Etage befinden sich Vorlesungsräume.

Bauplaner haben es schwer

Marita Vietmeyer, Leiterin des Referates Bauplanung der Uni Hamburg, vor dem Absperrungsschild einer Baustelle (Foto: DW / Janine Albrecht)

Bauplanerin Marita Vietmeyer

Doch selbst in den Ferien ist es immer schwerer für die Bauleitung geworden, passende Termine für Umbau- oder andere Reparaturmaßnahmen zu finden. "Wir haben jetzt viel mehr Klausurtermine, früher gab es nur zu Beginn der Ferien und am Ende Klausuren, jetzt schreiben die Studierenden während der gesamten Ferien ihre Arbeiten", sagt Vietmeyer. Seit der Hochschulreform mit der Einführung des Bachelor- und Master-Systems müssen die Studenten mehr Klausuren schreiben. Außerdem werden die Räume der Uni zunehmend für externe Veranstaltungen genutzt, um so Geld in die Hochschul-Kassen zu spülen.

Hochbetrieb in der Rechtsbibliothek

Auch in der Rechtsbibliothek ist in den Ferien viel los. Wegen der langen Öffnungszeiten bis kurz vor Mitternacht und der schönen, modernen Arbeitsplätze kommen nicht nur Jurastudenten zum Lernen in den gläsernen Bücherturm.

Lesesaal der Zentralbibliothek Recht an der Uni Hamburg (Foto: DW / Janine Albrecht)

In der Rechtsbibliothek

"Ich muss eine Hausarbeit schreiben", sagt eine Jura-Studentin. Auch an den anderen Schreibtischen stapeln sich die Fachbücher, sitzen Studenten vor ihrem Laptop und schreiben. "Man muss schon einiges tun, aber schlimmer geworden ist die Lernsituation für mich nicht", beschwichtigt ein anderer Student. Ein Kommilitone, der direkt neben ihm sitzt, sagt dagegen, dass er in den Ferien bisher nur eine Woche wirklich frei gehabt hätte. Nicht nur Studenten sitzen hier und lesen. "Jeder interessierte Bürger kann bei uns auch juristische Fachliteratur einsehen", sagt Georgia Wohlleben. Sie verwaltet die Zentralbibliothek Recht. "Da kommen auch Forscher aus dem Ausland, die sich spezielle Literatur angucken wollen." Daher herrsche hier gerade in den Ferien Hochbetrieb, sagt Wohlleben.

Eingeschränktes Mensa-Angebot

Ganz anders sieht es hingegen in der Mensa der Philosophischen Fakultät aus: Leere Tische, leere Kühlschränke, leere Speisetheken. Die Mensa ist geschlossen.

"Wir haben hier auf dem Campus nicht den vollen Ansturm, normalerweise sind das 10.000 Essenteilnehmer täglich, zurzeit haben wir etwa die Hälfte, und dann macht es Sinn, einen Betrieb zu schließen", sagt der Leiter der Hochschulgastronomie des Hamburger Studierendenwerks, Michael Gradtke. Insgesamt drei Mensen betreibt das Studierendenwerk auf dem Hauptcampus. Eine nach der anderen wird in den Ferien grundgereinigt und saniert.

Studenten verreisen weniger

Fliesenleger Christian Funk in der Mensa im Philosophenturm der Uni Hamburg (Foto: DW / Janine Albrecht)

Die Mensa wird neu gefliest

Den Mensa-Betrieb kann das Studierendenwerk, das sich um die sozialen Belange der Studenten kümmert, während der Ferien einschränken. In anderen Einrichtungen der Studentenwerke wird es dagegen auch in den Semesterferien kaum leerer. So etwa in den Studentenwohnheimen. Früher hat Michael Gradtke während der Ferien für einige Wochen kaum Studierende in den Wohnheimen angetroffen. Das ist heute anders, denn nicht jeder kann es sich leisten, zu verreisen oder als ausländischer Student die teure Heimreise anzutreten. "Auch da merken wir, dass immer mehr Studierende da sind und nicht nur Ferien und Party machen, sondern tatsächlich auch lernen", sagt Gradtke.

Bis Mitte Oktober sollen die Sanierungs- und Reinigungsarbeiten fertig sein. Dann beginnt das Wintersemester, und die Uni Hamburg will für den Ansturm der kommenden Erstsemester gewappnet sein.


Autorin: Janine Albrecht
Redaktion: Gaby Reucher

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