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Wirtschaft

Keine Erholung in Sicht

Über fünf Prozent Minus am Mittwoch und der Fall auf den tiefsten Stand seit fünf Jahren beim DAX. Eigentlich sollte man erwarten dürfen, dass es dann am Folgetag zu einer kräftigen Erholung kommt.

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Die Investoren müssten die gesunkenen Kurse nutzen, um einzusteigen. Soweit zumindest die Börsenlogik.

Aber Pustekuchen: Nur kurz konnte sich der DAX am Donnerstag Morgen erholen, doch dann ging es weiter bergab. Bis zum Handelsschluss verlor er 3,8 Prozent auf 3.007 Punkte. Damit kommt er der Marke von 3.000 Zählern bedenklich nahe.

Die sich zuspitzende Lage im Nahen Osten sorgt für die schlechte Laune an der Börse. Der jüngste Anschlag in Israel und die Drohungen der USA gegenüber dem Irak lassen die Sorgen steigen. Auch die Bundestagswahl am Sonntag bringt Nervosität in den Markt.

Klares Signal für die Krisenstimmung an der Frankfurter Börse ist, dass inzwischen sechs der 30 DAX-Aktien im einstelligen Bereich notieren. Sie sind also für weniger als zehn Euro zu haben. In den vergangenen Monaten hatte nur die Deutsche Telekom hin und wieder unter 10 Euro gelegen.

Auch am Neuen Markt ein düsteres Bild: Der Nemax50 sank um 1,6 Prozent auf 399 Punkte. Hier war erneut die Aktie der insolventen Telekommunikationsfirma MobilCom mit Verlusten von 31 Prozent auf 1,81 Euro der schwächste Wert.

Die Panik unter den Anlegern veranlasste einen Aktienhändler des Börsenmaklers Lang und Schwarz gar einen Vergleich zu den 1930er Jahren zu ziehen. Damals waren die Kurse ebenfalls nach einer Spekulationsblase eingebrochen und hatten Jahrzehnte benötigt, um sich vollständig zu erholen.

Einziger Lichtblick im Meer der Minuszeichen war die in den vergangenen Wochen arg verprügelte Allianz. Die größte europäische Versicherung legte 1,6 Prozent zu. Fundamentale Nachrichten gab es dafür nicht. Aber auch die Allianz hat schon deutlich bessere Zeiten gesehen. Der derzeitige Kurs von 91,30 Euro entspricht nur noch einem Drittel des Wertes von vor einem Jahr.

Das geht nicht spurlos am anderen deutschen Versicherungsriesen, der Münchener Rück vorbei. Sie ist mit 20 Prozent an der Allianz beteiligt. Der Kursverfall der Allianz drückt auch hier auf die Bilanz. Darauf hat nun die amerikanische Kreditbewertungsagentur Moody's reagiert und ihre Bewertung der Münchener Rück von der Höchstnote AAA auf AA1 gesenkt. Das ist zwar immer noch sehr gut, aber nicht mehr exzellent. Vom Moody's Konkurrenten Standard and Poor's erhält die Münchener Rück aber weiterhin die Höchstnote AAA. Der Kurs der Münchener Rück sank an diesem Donnerstag jedenfalls um 3,5 Prozent.

Mit Abstand die schwächste Aktie im DAX war die des Heidelberger Finanzdienstleisters MLP. Der Titel verlor 10 Prozent. Die Mannheimer Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Insiderhandel gegen Führungsmitglieder des Unternehmens.

Der Versorger E.on hat nun schon die zweite Ministererlaubnis für die geplante Übernahme des Gasunternehmens Ruhrgas erhalten. Damit will die Bundesregierung den Weg für die umstrittene Übernahme frei
machen, die bisher durch Gerichtsentscheidungen blockiert wurde. Dem E.on-Kurs half es nicht: Er verlor 1,2 Prozent.

Rentenmärkte: Die Anleihen konnten von den schwachen Aktien kaum profitieren und schlossen weitgehend auf Vortagsniveau: Der Bund-Future beendete den Handel bei 112,12 Punkten. Die Bundesbank stellt die Umlaufrendite
bei 4,13 Prozent fest.

Devisenkurse: Nach den Referenzkursen der Europäischen Zentralbank entsprach ein Euro:

0,9814 US-Dollar
0,6314 Britische Pfund und
118,85 Japanische Yen.

Die Dax-Kurse im Einzelnen, wie immer in Euro und ohne Gewähr:

Adidas-Salomon 64,62 -4,48
Allianz 91,30 +1,40
BASF 38,50 -0,17
Bayer 19,48 -1,12
Bay. HypoVereinsbank 16,01 -1,19
BMW 32,58 -1,45
Commerzbank 8,52 -0,46
DaimlerChrysler 37,45 -0,86
Degussa 27,75 +0,04
Deutsche Bank 51,60 -4,53
Deutsche Post 9,64 -0,06
Deutsche Telekom 9,40 -0,57
E.ON 47,17 -0,58
Epcos 9,42 -0,50
Fresenius Medical Care 20,60 -1,05
Henkel 62,10 -2,00
Infineon Technologies 7,61 -0,29
Linde 36,83 -1,73
Lufthansa 10,43 -0,41
MAN 16,13 -0,14
Metro 19,75 -0,80
MLP 9,83 -1,08
Münchener Rück 132,00 -4,80
TUI 31,00 -1,01
RWE 53,00 -3,79
SAP 50,35 -2,56
Schering 37,05 -1,42
Siemens 11,51 -0,61
ThyssenKrupp 17,19 -0,86
VW 40,00 -1,40

  • Datum 19.09.2002
  • Autorin/Autor Thomas Kirschning
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  • Permalink http://p.dw.com/p/2gXY
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