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Kultur

Keine Entwarnung für die Ozonschicht

In den letzten Jahren schien sich der Ozon-Gehalt stabilisiert zu haben. Doch in diesem Jahr ist das Ozonloch über dem Südpol so groß wie selten zuvor.

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Satelittenaufnahme der Arktis

Die Erde wird in 20 Kilometern Höhe von der Ozonschicht umgeben, die sie vor der gefährlichen ultravioletten Strahlung der Sonne schützt. Vor zwanzig Jahren wurde erstmals die Abnahme des Ozons über den Polar-Regionen erkannt und seitdem genau beobachtet.

Es ist gut 18 Jahre her, seit sich weltweit 180 Länder im Abkommen von Montreal auf die Beschränkung des Ausstoßes von Flurkohlenwasserstoff (FCKW) geeinigt haben. Denn FCKW gilt als Hauptverursacher des Ozonlochs. Seitdem, so haben amerikanische Forscher herausgefunden, scheint sich die Ozonschicht langsam zu erholen. Doch Frank Jürgen Diekmann von der Europäischen Weltraumorganisation ESA (European Space Agency) zweifelt, dass die Gefahr schon gebannt ist. Die ESA beobachtet seit 1990 mit drei Satelliten die Ozondichte: "Die Ozonkonzentration hat sich eher stabilisiert, das Loch ist kleiner geworden. Gerade aber 2005 erwarten wir Rekord-Ozonlöcher oberhalb der Antarktis, sodass wir von unseren letzten Daten ausgehend, noch keine Entwarnung geben können."

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1968/12/12 Earth as seen from Apollo 8 moon mission, photo

Verursacht wurde das Loch durch das FCKW. Denn die Chlorbestandteile spalten Ozon in ein Sauerstoff-Molekül und in ein Sauerstoff-Atom und lassen es so verschwinden. Die Ausdehnung des Loches hat aber jahreszeitliche Gründe und das hängt mit der Sonneneinstrahlung zusammen. In den Monaten des Südfrühlings, September bis November, wenn die Sonne nach einer Zeit der absoluten Dunkelheit wieder aufgeht, trifft sie auf so genannte polar-stratosphärische Wolken. Diese Wolken entstehen über dem Südpol, da sich die Luftmassen in den dunklen Monaten nicht austauschen und vermischen können. Die Wolken sammeln deshalb immer mehr Chlor-Bestandteile, die bei der ersten Sonneneinstrahlung in Radikale gespalten werden, und so das Ozon zerstören.

Gefahr auch für die nördliche Hemisphäre

Diese meteorologischen Bedingungen können aber auch für die Nord-Halbkugel gefährlich werden, gibt Christoph Brühl, Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz, zu bedenken: "Die Öffentlichkeit guckt ja im Moment immer mehr auf die Antarktis, was das Ozonloch angeht. Im Prinzip ist in der Nordhemisphäre die Gefahr genauso, nur kommt sie nicht jedes Jahr vor." Das hängt mit den unterschiedlichen meteorologischen Bedingungen zusammen. "Über der Arktis sind die Strömungsverhältnisse mehr gestört, sprich: Man hat ab und zu auch wärmere Bedingungen im Winter", sagt Brühl.

Bis sich die Ozonschicht vollständig erholen könnte, werden vierzig bis fünfzig Jahre vergehen - solange bleiben Flurkohlenwasserstoffe in der Atmosphäre. Doch Entwarnung kann nicht gegeben werden, denn der Treibhauseffekt hat auch Einfluss auf die Ozonschicht, besonders in der nördlichen Hemisphäre. Er verursacht das Abkühlen der so genannten oberen Stratosphäre - also der Schicht, die für die Ozon-Bildung wichtig ist. Wenn es dort kalt wird, kann im Winter ein ähnlich geschlossenes Gebiet wie über dem Südpol entstehen. Die Luftmassen über der Nord-Halbkugel könnten sich dann ebenfalls nicht länger austauschen und der Ozon-Filter über Europa wird beschädigt, so Christoph Brühl: "Wir hatten bis jetzt immer noch Glück, dass die Meteorologie der Sache noch rechtzeitig im März ein Ende gesetzt hat. Aber das muss nicht sein. Das kann durchaus auch mal bis in den April dauern, und dann hat das sehr wohl Konsequenzen, dass die UV-Strahlung über Deutschland stärker sein könnte als im Juni."

"Erlebt hier keiner mehr"

Auch in Zukunft ist die Ozonschicht weiter sehr anfällig. Obwohl sich dank des Montreal-Abkommens eine Stabilisierung abzeichnet, fehlen zur Begrenzung der Treibgase immer noch Absprachen der Länder, Treibgase wie zum Beispiel Propan, Bhutan und CO2 wirkungsvoll einzuschränken. Ökonomische Interessen verhindern hier eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Bisher getroffene Absprachen, die Treibgase eindämmen könnten, geben nach Brühls Worten wenig Grund zur Zuversicht: "Dass sich das wieder erholt, was wir jetzt beschädigt haben, das erlebt hier keiner mehr - selbst wenn man die Emission total ausschaltet."

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