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Politik

Keine Entwarnung bei Schweinegrippe

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen breitet sich die so genannte Schweinegrippe weiter aus. Fast 1000 Fälle weltweit wurden inzwischen bestätigt. Mexiko sieht seine Bürger diskriminiert.

Frau mit Schutzbrille und -Maske und Handschuhen(Foto: AP)

Unter Beobachtung: Grippe-Patientin in Mexiko

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilte am Montag (04.05.2009) mit, 985 Menschen in 20 Ländern seien infiziert. Am stärksten betroffen seien Mexiko mit 590 Infektionen und die USA mit 226. Die Zahl der Todesopfer wurde zuletzt mit 23 angegeben, davon 22 in Mexiko. In Deutschland wurden bisher acht Infektionen bekannt, die jedoch allesamt mild verlaufen sind. Auf Anordnung des Bundesgesundheitsministeriums gilt seit Sonntag in Deutschland eine Meldepflicht für Schweinegrippe: Ärzte müssen alle Verdachtsfälle und Erkrankungen den Gesundheitsämtern übermitteln.

WHO sieht Anzeichen für Pandemie

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Jörg Hacker, sagte im Zweiten Deutschen Fernsehen am Montag, die deutschen Behörden müssten die internationale Lage im Blick behalten. Weltweit steige die Zahl der Erkrankungen derzeit noch, "wenn auch nicht explosionsartig".

WHO-Chefin Margaret Chan sieht bereits Anzeichen dafür, dass ihre Organisation bald die höchste Warnstufe ausrufen könnte. Diese gilt, wenn es Anzeichen für eine weltweite Epidemie, eine Pandemie, gibt. "Stufe sechs bedeutet aber nicht das Ende der Welt. Es ist wichtig, dies deutlich zu machen", sagte Chan der spanischen Zeitung "El Pais", "weil Stufe sechs (andernfalls) eine unnötige Panik auslösen würde". Die WHO-Chefin warnte vor der Gefährlichkeit des H1N1-Virus. Man müsse vorbeugen, dass dieses sich nicht mit anderen Viren vermische. Dies sei besonders wichtig, weil auf der Südhalbkugel die Grippesaison auf ihren Höhepunkt zusteuere. Dort breche in Kürze der Winter an. "Niemand", so Chan, "kann vorhersagen, was dann passiert".

Höhepunkt überschritten?

Straßenszene in Mexiko (Foto: AP)

Eine derzeit "typische" Straßenszene in Mexiko-Stadt

In Mexiko dagegen klingt die Schweinegrippe nach Angaben der Regierung mittlerweile ab. Die Influenza habe zwischen dem 23. und 28. April ihren Höhepunkt erreicht, sagte Gesundheitsminister Jose Angel Cordova. Nunmehr befinde sie sich auf dem Rückzug, auch wenn weiterhin Vorsicht geboten sei. Bei der Eindämmung der Epidemie hätten das konsequente Tragen von Atemschutzmasken sowie regelmäßiges Händewaschen geholfen, meinte der Minister.

China greift hart durch

In China stellten die Behörden aus Furcht vor der Schweinegrippe zahlreiche Besucher aus Mexiko unter Quarantäne. Das teilte der mexikanische Botschafter in Peking mit. Keiner seiner isolierten Landsleute zeige Symptome der Krankheit, und die meisten hätten keinen Kontakt mit infizierten Personen oder Orten gehabt, kritisierte Jorge Guajardo. Offenbar genüge allein ein mexikanischer Pass, um unter Quarantäne gestellt zu werden.

Calderon sieht Diskriminierung

Mexikos Präsident Felipe Calderon warf einigen Ländern, ohne direkt Namen zu nennen, vor, gegen Bürger seines Landes wegen der Schweinegrippe diskriminierende Maßnahmen ergriffen zu haben. Dies geschehe aus "Unwissenheit und Fehlinformation", sagte Calderon.

Die Präsidenten der USA und Mexikos, Obama und Calderon (Foto: AP)

Mexikos Präsident Calderon (rechts)- hier mit US-Präsident Obama bei dessen Besuch im April

Zumindest andeutungsweise kritisierte Calderon aber doch die Volksrepublik. Mexiko habe nicht - wie andere Staaten in der Vergangenheit - versucht, die Epidemie zu verheimlichen. - China war 2003 international kritisiert worden, weil die Regierung zunächst bestritten hatte, dass es Probleme wegen der Lungenkrankheit SARS gebe. Das Außenministeriin in Peking wies die Kritik aus Mexiko zurück. Mexikaner würden nicht gezielt diskriminiert.

Heftige Proteste in Ägypten

Schweinezüchter und Polizisten (Foto: AP)

Schweinezüchter protestieren gegen "allgemeine Gesundheitsmaßnahme"

In Ägypten wurden bei Auseinandersetzungen zwischen wütenden Schweinezüchtern und Sicherheitskräften am Sonntag mindestens 20 Menschen verletzt. Zuvor hatte die Regierung in Kairo die Schlachtung aller rund 250.000 Schweine in dem muslimischen Land angeordnet. Zunächst war die Aktion als Vorsichtsmaßnahme gegen eine Ausbreitung der Schweinegrippe dargestellt worden. Später hatten die Behörden jedoch erklärt, die Massenschlachtung habe nichts mit dieser Krankheit zu tun. Es handle sich um eine "allgemeine Gesundheitsmaßnahme". In Ägypten ist bislang kein Fall von Schweinegrippe bekannt. Schweine werden in dem nordafrikanischen Land vor allem von koptischen Christen gezüchtet und verspeist. Im Islam gelten Schweine als unrein.

WHO: Verzehr unbedenklich

Die Weltgesundheitsorganisation betonte nochmals, dass von Schweinefleisch - in fast jeder Form - keine Gefahr für die Gesundheit der Menschen ausgehe. "Sie bekommen die Krankheit nicht, wenn sie Schweinefleisch essen", sagte der WHO-Lebensmittelexperte Peter Ben Embarek in Genf. Ein höheres Risiko gebe es, wenn sich das Virus in lebenden Tieren festgesetzt habe. Dann seien Bauern, Tierärzte oder Schlachter gefährdet, die sich jedoch relativ leicht schützen könnten, sagte Ben Embarek. Auch der Handel mit verarbeitetem Schweinefleisch müsse nicht eingeschränkt werden.

Mensch infiziert Schweine

Ein beunruhigendes Zeichen für die Wandlungsfähigkeit des Schweinegrippe-Erregers wurde am Wochenende in Kanada registriert. In der Provinz Alberta war das Virus erstmals von einem Menschen auf Schweine übertragen worden. Ein Arbeiter war nach Behörden-Angaben aus Mexiko zurückgekehrt, zwei Wochen später zeigten die Tiere Krankheitssymptome.

(bea/sams/rtr/dpa/afp/ap)

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