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Wirtschaft

Keine Endstation für Generation 50plus

Ein Handschlag, ein Versprechen! "Hand drauf!" ist der Name für einen Beschäftigungspakt - und es ist der Anspruch im saarländischen Saarlouis, älteren Langzeitarbeitslosen wieder eine ehrliche Perspektive zu eröffnen.

Reiner Calmund (Foto: Beschäftigungspakt)

"Hand drauf!"-Botschafter Reiner Calmund

Als sich der Landkreis Saarlouis im Jahr 2008 dem so genannten Beschäftigungspakt West-Süd-West anschloss, wollte man gleich Nägel mit Köpfen machen. Während anderen Orts manchmal nur ein bis zwei Vermittler für die älteren Arbeitslosen zuständig seien, habe man in Saarlouis gleich ein ganzes Team "50plus" geschaffen, erzählt Margret Kuhn, die Geschäftsführerin des örtlichen Jobcenters. Zehn speziell geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich seitdem ausschließlich um Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt anscheinend schon abgeschrieben sind.

Mut machen für beruflichen Neustart

In der vom Strukturwandel nicht verschonten Industrieregion Saarlouis handelt es sich immerhin um durchschnittlich 1200 Betroffene, die ständig individuell und intensiv betreut werden: alle älter als 50, immer seit vielen Jahren ohne Job und oft auch ohne Qualifikation.

Margret Kuhn, Geschäftsführerin des Jobcenters Saarlouis (Foto: Beschäftigungspakt)

Margret Kuhn (l.), Geschäftsführerin des Jobcenters Saarlouis

Gut ein Drittel könne erfolgreich in dauerhafte sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen vermittelt werden, erklärt die Chefin des Jobcenters nicht ohne Stolz. Allerdings sei es nicht immer leicht, diese Menschen für einen beruflichen Neustart zu motivieren, so Kuhn weiter: "Aber nicht, weil jemand keine Lust mehr hat, sondern weil sich natürlich auch ganz große Ängste ergeben: Was fordert man von mir? Kann ich das überhaupt noch leisten? Habe ich die Qualifikation?" Das sei ein wichtiger Teil der Beratungsarbeit, noch einmal Mut zu geben. Auch für eine Qualifizierung könne gesorgt werden.

Chance genutzt

Uwe Leist ist einer, der sich für diesen Weg entschieden hat. Der gelernte Maler und Lackierer konnte nach einem Unfall seinen Beruf nicht mehr ausüben. Umschulung, befristetes Arbeitsverhältnis, Entlassung und schließlich Hartz-IV-Empfänger. Mit diesem Schicksal wollte sich der heute 53-Jährige nie abfinden. Er suchte weiter, lernte hinzu und kam schließlich zur kirchlichen Sozialstation Saarlouis, wo er ehrenamtlich Demenzkranke betreute.

Mit Hilfe des Programms "Perspektive 50plus" absolviert Leist zurzeit eine einjährige Ausbildung zum Altenpflegehelfer und sieht nun wieder Licht am Ende des Tunnels: "Jetzt habe ich das gefunden, was ich gesucht habe. Jeder weiß es, wir haben einen Pflegenotstand. Von daher sind die Aussichten sehr gut." Er rechne damit, nach bestandener Prüfung auf der Sozialstation bleiben zu können.

Ex-Langzeitarbeitsloser Uwe Leist (r.) mit Chefin Sylvia Robert (Foto: Beschäftigungspakt)

Hand drauf! Ex-Langzeitarbeitsloser Uwe Leist mit Chefin Sylvia Robert

Dass die Chancen dafür sehr gut stehen, bestätigt auch Sylvia Robert. "Ältere Menschen haben einen großen Lebenserfahrungsschatz und sehr viel Einfühlungsvermögen."Für die Chefin der Kirchlichen Sozialstation liegen die Vorteile der Beschäftigung Über-50-Jähriger im Bereich der häuslichen Altenpflege auf der Hand. Gerade wenn es um die Versorgung älterer Menschen gehe. "Wir haben sehr gute Erfahrungen, wenn Jung und Alt zusammenarbeiten."

"Hand drauf!" hält was "Perspektive 50plus" verspricht

Neben dem Saarland gehören das Bundesland Rheinland-Pfalz sowie Teile von Nordrhein-Westfalen und Hessen zum Beschäftigungspakt West-Süd-West. Er ist damit der Größte von 78 regionalen Zusammenschlüssen, die unter dem Dach des 2005 gestarteten bundesweiten Förderprogramms "Perspektive 50plus" tätig sind.

Das Motto des Paktes im Südwesten steht als Sinnbild für sein Wirken: "Hand drauf". Und das gilt für alle, die an diesem Kraftakt beteiligt sind, einschließlich vieler Partner in der Wirtschaft. Allerdings hätten längst noch nicht alle Unternehmen begriffen, dass sich die Wiederbeschäftigung von Menschen zum Vorteil aller lohnen kann, schränkt Margret Kuhn ein. Und auch in der Politik sei weiterhin Überzeugungsarbeit nötig.

Logo 'Hand drauf!' (Foto: Beschäftigungspakt)

Nicht quatschen, machen!

Um mehr Gehör in Wirtschaft und Politik zu finden, hat sich der Beschäftigungspakt West-Süd-West prominente Unterstützer ins Boot geholt. Neuestes Beispiel ist Ex-Fußballmanager Reiner Calmund (s. Artikelbild oben), der als Botschafter für "Hand drauf" gewonnen werden konnte. Der 65-Jährige steht - wie er selbst sagt - immer noch "unter Volldampf". Seine Expertise als Fußballexperte ist ebenso gefragt wie sein Knowhow als Erfolgsmanager, das er in vielen Vorträgen bei Industrieunternehmen und Verbänden weitergibt. "Nicht quatschen, machen!" lautet Calmunds Devise. Sein neues Ehrenamt betrachte er als eine Art Bürgerpflicht: "Weil ich das Glück hatte, vorwiegend auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen. Da muss man der Gesellschaft auch etwas wiedergeben, auch älteren Menschen.

Ältere Mitarbeiter seien für jedes Unternehmen ein Gewinn, ist der gelernte Handelskaufmann und studierte Betriebswirt überzeugt. Die Erfahrung der Alten bezeichnet er als eine ihrer wichtigsten Ressourcen. Außerdem sei Leistungsfähigkeit keine Frage des Alters und schon gar nicht ein Privileg der Jugend. Wenn man mit Respekt und Achtung zusammen am Arbeitsplatz ist, dann sei das optimale Kombination für wirtschaftlichen Erfolg. Das ist mehr denn je ein Thema. Deshalb unterstütze er das Projekt, betont Calmund und bringt es in der ihm eigenen humorvollen Art auf den Punkt: "Die Jüngeren sind schneller, die Älteren kennen die Abkürzungen."

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