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Politik

"Keine deutsche Maggie Thatcher"

Die Nominierung der deutschen CDU-Vorsitzenden Angela Merkel zur Kanzlerkandidatin hat ein reges internationales Medienecho ausgelöst.

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"Gaseta", Moskau: Merkels Kandidatur gegen jede deutsche Tradition

"Die Kür Merkels zur gemeinsamen Kandidatin der Unionsparteien war keine Sensation, denn darüber wurde in Deutschland schon seit Wochen geredet. Andererseits blieb bis zuletzt eine Unsicherheit, denn in Deutschland geht es gegen die Tradition, eine Vertreterin des schönen Geschlechts für das Amt des Regierungschefs vorzuschlagen.

Gerade deshalb hat noch vor drei Jahren niemand Merkel ernst genommen, und sie verlor die Kandidatenkür gegen den CSU-Vorsitzenden Edmund Stoiber. Der wiederum verlor die Wahl gegen Gerhard Schröder. Doch heute sind die politischen Realitäten in Deutschland anders."

"Le Figaro", Paris: Merkel könnte neues Verhältnis zu Paris schaffen

"Wird das deutsch-französische Paar zum Opfer des französischen Neins beim EU-Referendum? Zweifellos sieht es sich der tiefsten Krise seit langem gegenüber. Und das aus zwei Gründen. Erstens besteht der Gegensatz in einer fast existenziellen Frage und zweitens betrifft er nicht wie früher nur die politischen Klassen, die sich unter dem Druck der Vernunft irgendwann wieder aussöhnen. Zum ersten Male tritt ein neuer Akteur in diesem Gegensatz auf: die öffentliche Meinung. In Frankreich hat sich das Unbehagen an Europa im Referendum ausgedrückt.

Nichts davon in Deutschland, wo die Ratifizierung makellos durch beide Parlamentskammern erfolgte. Doch auch jenseits des Rheins ändert sich die Wahrnehmung Europas. Angela Merkel ist keine Europaexpertin. Doch sie lässt sich von ihrem Mentor Helmut Kohl inspirieren, der stets darauf geachtet hat, die kleinen Staaten in sein Handeln einzubeziehen. Sie scheint in der Lage, das Verhältnis zu den USA zu entspannen. Das könnte das Misstrauen der neuen östlichen EU-Mitglieder gegen die Achse Paris-Berlin vermindern, die damit eine neue Glaubwürdigkeit gewinnen könnte."

"Gazeta Wyborcza", Warschau: Keine deutsche Maggie Thatcher

"Angela Merkel ist die erste Frau und die erste Politikerin aus der ehemaligen DDR, die für das Amt des Bundeskanzlers kandidiert. Es ist fast sicher, dass sie im Herbst die Regierung übernimmt. Doch obwohl sie eine Anhängerin eines liberalen Kapitalismus ist, wird sie keine deutsche Maggie Thatcher sein.

Der Weg zum Kanzlersessel war lang, da Merkel zunächst keine Rückendeckung in der CDU hatte. Daher unterlag sie vor drei Jahren im Bemühen um die Kanzlerschaft Edmund Stoiber. Stoiber verlor, Merkel dagegen stärkte ihre Position - sie übernahm die Macht über die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, sie forcierte Horst Köhler als Bundespräsident, beseitigte die Konkurrenten Friedrich Merz, Horst Seehofer, Wolfgang Schäuble."

"La Tribune", Paris: Wie wird das Verhältnis Chirac-Merkel?

"Was wird aus dem gemeinsamen Einfluss von Berlin und Paris in Europafragen und wie wird es mit dem deutsch-französischen Paar weitergehen, wenn Gerhard Schröder das Kanzleramt seiner christdemokratischen Herausforderin Angela Merkel überlassen muss? Sicher, die Europapolitik ist Sache der Staaten. Doch die Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen wird seit 50 Jahren tief geprägt entweder vom Fehlen von Berührungspunkten ihrer Führer (Brandt-Pompidou) oder von ihrer starken Beziehung zueinander (Giscard-Schmidt, Mitterrand-Kohl).

Nichts garantiert bei einer Wahlniederlage der SPD, dass Jacques Chirac und Angela Merkel, die doch aus angeblich eng verwandten Familien kommen, dieselben engen Beziehungen knüpfen könnten. Vor allem, wenn Merkel bis zur Präsidentenwahl 2007 auf Zeit spielen sollte, um keine Trümpfe aus der Hand zu geben, bevor sie weiß, wer in den folgenden fünf Jahren der Herr im Elyséepalast sein wird." (iu)

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