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Politik

Keine Chance für Propaganda?

Manche glauben, dass Propaganda in Zeiten des Internets keine Chance mehr habe. Denn im weltweiten Web könnten die unterschiedlichen Ansichten leicht miteinander verglichen werden. Ein Kommentar von Ingo Mannteufel.

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Die These ist beliebt: Im Web finde sich ein unermessliches Angebot verschiedener Perspektiven und Standpunkte. Schließlich präsentieren sich im WWW neben den traditionellen Medien auch staatliche Stellen, transnationale Nichtregierungsorganisationen und Aktivisten aller Couleur als alternative Informationsquellen. Unterschiedliche Sichtweisen werden so weltweit sichtbar. Es werde also schwieriger, die Wahrnehmung eines Konfliktes zu kontrollieren.

Gefährliche Geschwindigkeit

Sicherlich: Die Dokumentation der vielfältigen Informationen und Ansichten ist ein unschätzbarer Vorteil des Internets - gerade für Journalisten. Aber: Ein Blick in die inzwischen enorm beliebte News-Schleuder Google News zeigt, dass mehr Quantität nicht automatisch mehr Qualität bedeutet. Wenn Informationen nur begrenzt zugänglich sind - beispielsweise über das Geschehen an der Kriegsfront - hilft alle Vielfalt nicht gegen einseitige Informationspolitik. Wenn die India Times und die BBC dieselbe Agenturmeldung verarbeiten, kommt nicht unbedingt ein zusätzlicher Erkenntnisgewinn dabei heraus. Zudem ist es in der Praxis selbst für Internet-Profis schwierig, das quantitative Potenzial des Internets zu nutzen. Alles eine Frage der Zeit. Ein weiterer Faktor ist die Sprache: Wer kann schon Arabisch?

Dass das Internet Propaganda wirkungsvoll erschwert, ist also eher zweifelhaft. Genauso gut könnte man das Gegenteil behaupten: Das Internet ist besonders in Krisenzeiten eine geeignete Plattform für Legenden. Sensationelle Gerüchte und Falschmeldungen können sich in Sekundenschnelle über die ganze Welt verbreiten. Komplexere Analysen oder weniger spektakuläre Informationen gehen dagegen eher in der allgemeinen Informationsflut unter.

Propaganda

Das Internet ist aufgrund des sonst so vorteilhaften "demokratischen Prinzips" anfällig für Propaganda: Im Netz sind die Information für den User gleichweit entfernt - einen Klick. Das Internet suggeriert damit eine grundsätzliche "Gleichheit der Informationsrelevanz". Doch natürlich sind Websites nicht in gleicher Weise vertrauensvoll und zuverlässig. Die Glaubwürdigkeit der Informationen auf einer Website eines professionellen unabhängigen Nachrichtenorgans, in einem Anti-Kriegs-Weblog einer Privatperson und auf der Homepage des irakischen Außenministeriums ist unterschiedlich. Gerade die boomenden Weblogs - mit ihrem auch für Journalisten attraktiven Mix aus News, Kommentar und Spekulation - sind dabei schwer einzuschätzen.

Was bleibt, ist eine Binsenweisheit: Informationen und ihre Quellen müssen kritisch hinterfragt werden. Unabhängig davon, ob es viele oder wenige sind, egal ob sie online oder offline sind.