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Wissen & Umwelt

Keine Chance für Einbrecher

Es ist der Traum eines jeden Polizisten: Einbrüche verhindern, bevor sie passieren. Eine neue Software soll dabei helfen, dem ein Stück näher zu kommen.

Nach einer durchfeierten Silvesternacht geht es müde und durchgefroren nach Hause. An der Haustür angekommen schnell die Schlüssel hervorgeholt - doch die Tür ist schon offen. Auf Höhe des Schlosses deutliche Spuren eines gewaltsamen Eindringens. Laptop, Stereoanlage, TV und Safe fehlen.

Opfer eines Einbruchs werden: Der Alptraum vieler Mieter, Haus- und Wohnungsbesitzer. Die Aussichten, sein Hab und Gut wieder zu sehen, sind nach einem Einbruch verschwindend gering. Besser ist, das Verbrechen passiert erst gar nicht. Diesem Ziel wollen die Kriminalämter in Deutschland bald schon mithilfe einer Software näherkommen.

Der Computer ist schneller

Ein vermummter Einbrecher mit Taschenlampe schaut durch ein Fenster in eine Wohnung (Foto: picture alliance).

Schutz der Dunkelheit: Viele Einbrüche finden in der Nacht statt

Eine solche Software entwickelt das

Institut für musterbasierte Prognosetechnik (IfmPt)

in Oberhausen. Precobs nennt sich das Programm: Pre Crime Observation System. Es sammelt Daten von aktuellen und vergangenen Einbrüchen und untersucht sie nach Mustern. Dadurch ließen sich besonders gefährdete Gebiete identifizieren, erklärt Michael Schweer, Mitarbeiter des Instituts: "Mit Daten aus der Vergangenheit kann das Programm bestimmte Schwerpunktgebiete entwickeln.

So lassen sich Muster nachvollziehen." Vor allem vier Faktoren seien für die Software interessant: Neben Tatort und Tatzeit gehören etwa auch Beute und Vorgehensweise der Einbrecher dazu. Der Software liegt ein wissenschaftlich bereits beschriebener Effekt zu Grunde, der als "Near Repeat" bezeichnet wird. Demnach ist in einem Gebiet, in dem eingebrochen wurde, innerhalb eines Zeitfensters von rund 72 Stunden noch mit einem Folgeeinbruch zu rechnen.

Durch langjährige Erfahrung weiß die Polizei inzwischen, zu welchen Jahreszeiten viele Einbrüche stattfinden. Silvester ist so ein Beispiel. Darüber hinaus ist die Analyse aber aufgrund der großen Datenmenge schwierig. "Das Problem ist in der Regel, dass die Muster relativ komplex sind. Das System kann innerhalb von Minuten zehntausende von Daten untersuchen. Das könnte ein Mensch in der Kürze der Zeit überhaupt nicht", sagt Schweer über die Software.

Dem Täter voraus

Anstatt also Kapazitäten mit der aufwendigen Analyse durch Personal zu verschenken, bräuchte man dank der Software nur wenige Beamte. Diese könnten dann vor Ort entscheiden "wie auf die einzelne Prognose reagiert wird und welche präventiven oder repressiven Maßnahmen getroffen werden", so Schweer. Eine Maßnahme könne unter anderem die Entsendung von Zivilfahndern an einbruchgefährdete Orte sein. Die Chance, dass Einbrecher auf den Einsatz der Software mit veränderten Strategien reagieren könnten, betrachtet Schweer als gering: "Selbst wenn die Verbrecher ein Anpassungsverhalten hätten, kann man weiterhin ein Muster erkennen. Unser Fokus ist auf Wiederholungstäter gerichtet, professionelle Einbrecher und Banden. Die werden in jedem Fall nach bestimmten Mustern arbeiten."

Die Verbrecherjagd der Zukunft?

Einbrüche im Voraus verhindern zu können, klingt vielversprechend. In Bayern und Nordrhein-Westfalen sollen deshalb Systeme getestet werden. In Köln und Duisburg kommt vorhersagende Software ab Anfang 2015 bis September 2016 in der Praxis zum Einsatz. Danach soll entschieden werden, ob die Programme auch wirklich halten, was sie versprechen.

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