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Amerika

Keine Brüste – aber Exekutionen

Darf man so etwas zeigen? Der US-Sender Fox News stellte das Video der Ermordung des jordanischen Piloten Muas al-Kasasba auf seinen Internetseiten. Und löste damit eine Kontroverse aus.

Terroristen des "Islamischen Staats" verbrennen einen Menschen. Und halten die Ermordung fest in einem Propagandavideo. Das sorgte weltweit für Entsetzen, auch in den USA. Die meisten Medien dort entschlossen sich vergangene Woche, über die Verbrennung des jordanischen Piloten Muas al-Kasasba zu berichten, ohne das Video der Islamisten zu zeigen. Anders der Sender Fox News. Er steht nun in der Kritik, weil er zeigte, wie al-Kasasba, eingesperrt in einen Käfig, verbrannte. Der Pilot der jordanischen Luftwaffe war im Dezember von IS-Kämpfern gefangen genommen worden, nachdem sein Flugzeug über Syrien abstürzte.

"Die Bilder sind nicht nur grausam, sie sind auch von hohem Wert für die Propaganda des IS", sagte Ashleigh Banfield, Moderatorin beim Konkurrenz-Sender CNN. Und erklärte den Zuschauern damit, warum CNN das Video weder im Netz noch im TV-Programm zeigte."IS-Propaganda zu verbreiten ist nicht im Interesse der USA oder der Medien", so Banfield weiter.

Fox News, bei den Zuschauerzahlen die Nummer eins in den USA, hatte im Live-Programm Standbilder der Verbrennung Al-Kasasbas gezeigt. Und als einziger US-Sender das komplette Video des Verbrechens ungekürzt auf seinen Internetseiten eingebunden. "Wir haben uns nach gründlichem Überlegen entschieden, unseren Nutzern die Möglichkeit zu geben, die Barbarei des IS selbst zu sehen. Das erschien uns entscheidender als die Befürchtungen hinsichtlich der Brutalität der Bilder", sagte John Moody, Vizedirektor von Fox News. "Die Nutzer können selbst entscheiden, ob sie diese verstörenden Inhalte sehen wollen oder nicht."

Helfershelfer der Terroristen?

Berichterstattung der US Medien zum Verbrennungsvideo des Piloten Al-Kasasba auf Fox News (Photo: Screenshot Fox News)

Fox News zeigt die letzten Minuten Al-Kasasbas

Dies sorgte jedoch für einen Aufschrei, in den auch bedeutende Fox-Mitarbeiter einstimmten. Etwa Howard Kurtz, Moderator der Sendung "Media Buzz". Er befürchte, "dass viele Medienschaffende den IS bei der Verbreitung von Propaganda unterstützen", so Kurtz. Das helfe IS, Furcht und Schrecken zu verbreiten.

Im vergangenen Jahr hatte Fox die Enthauptung der US-Journalisten James Foley und Steven Sotloff durch IS-Kämpfer nicht gezeigt. Damals hatte Nachrichtendirekor Michael Clemente so argumentiert: "Wir versuchen, mit gesundem Menschenverstand vorzugehen. Und zwar so, dass die Menschen darüber informiert sind, was tatsächlich passiert ist, ohne dass wir mehr zeigen als unbedingt nötig."

Das wäre für Roy Peter Clark, Experte für Ethik in den Medien am Poynter-Institut, auch diesmal der richtige Weg gewesen. Denn selbst wenn Fox das Video nur online verbreitet habe, um die öffentliche Wahrnehmung für die IS-Gefahr zu steigern, gebe es weiterhin ein ethisches Problem. Schließlich könnten Journalisten den Inhalt des Videos auch beschreiben, ohne das Video selbst zu zeigen. "Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der die Opfer von Gewalt durch die Medien wieder und wieder zum Opfer gemacht werden", so Clark. Das gelte auch für die Angehörigen Al-Kasasbas


Karikaturen? Lieber nicht.

Charlie Hebdo - 1. Ausgabe nach Attentat (Photo: SIMON DAVAL / MAXPPP - Montbeliard)

Mohammed-Karikaturen von Charlie Hebdo sind für die meisten US-Medien tabu

Strikt sind fast alle US-Sender, was nackte Haut angeht. Nackte Brüste auf dem Fernsehschirm? Geht nicht, so die Maßgabe der meisten Redaktionen. Ebenfalls vorsichtig gingen viele US-Medien mit den Mohammed-Karikaturen um, die in konservativen muslimischen Kreisen für einen Aufschrei sorgten und den Attentätern von Paris als Begründung ihrer Bluttat dienten.

Die Morgensendung "Fox & Friends" zeigte nach dem Attentat zwar eine der umstrittenen Karikaturen des Satiremagazins Charlie Hebdo. Kurz darauf sagte ein Sprecher des Senders jedoch, Fox "plane nicht" die Karikaturen in Zukunft zu zeigen. Auf der Internetseite des Senders war dann jedoch wieder ein Charlie-Hebdo-Cover zu sehen, das Mohammed karikierte. Gegenüber der DW wollte Fox dies nicht weiter kommentieren.

Der wichtigste Unterschied zwischen den beiden Fällen? Medienexperte Clark sagt, dass Mohammed-Karikaturen diejenigen gefährden könnten, die sie veröffentlichen. Damit stehe ein Sender selbst im Fadenkreuz. Das Video der Verbrennung des jordanischen Piloten Al-Kasasba dagegen bringe keinen Redakteur in Gefahr.

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