1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Welt

Keine Anklage gegen weißen Polizisten: Welle der Proteste in den USA

Keine Anklage gegen den weißen Polizisten wegen der Todesschüsse auf einen schwarzen Teenager in Ferguson: Das treibt Menschen von New York bis Los Angeles auf die Straßen. Die Kleinstadt in Missouri selbst brennt.

Nur Minuten nach dem Verzicht auf eine Anklage wegen der tödlichen Polizeischüsse auf einen schwarzen Teenager in Ferguson brannnten dort Häuser und Autos. Und überall in den USA gingen Menschen gegen die Justiz-Entscheidung auf die Straßen. Am späten Montag gab es Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt von der Ostküstenmetropole New York (Artikelbild) über Boston und Chicago bis hin zu Seattle und Los Angeles an der Westküste. Anders als in Ferguson, wo die Proteste in Gewalt umschlugen, blieben die Demonstrationen in den übrigen Städten zunächst friedlich.

"Hände hoch, nicht schießen"

In New York versammelten sich jeweils hunderte Menschen auf dem Times Square und dem Union Square. Die Polizei begegnete den Demonstranten, die auf Bannern "Polizeiwillkür" und "Rassismus" anprangerten, mit einem Großaufgebot. Als sich New Yorks Polizeichef Bill Bratton auf dem Times Square zeigte, wurde er von jemandem mit roter Flüssigkeit übergossen. In der Nacht zum Freitag hatte ein angehender Polizist in New York einen unbewaffneten, unschuldigen Afroamerikaner erschossen.

In der Hauptstadt Washington kamen hunderte Demonstranten vor dem Weißen Haus zusammen. Sie forderten "Gerechtigkeit für Mike Brown" und riefen den in Ferguson berühmt gewordenen Slogan "Hände hoch, nicht schießen". In der mehrheitlich von Afroamerikanern bewohnten Westküstenstadt Oakland blockierten Demonstranten eine Autobahn.

Nach rund dreimonatigen Beratungen hatte eine sogenannte Grand Jury entschieden, dass die Beweislage für eine Anklage gegen den weißen Polizisten Darren Wilson nicht ausreiche. Der 28-Jährige hatte den unbewaffneten 18-Jährigen Michael Brown am 9. August in Ferguson auf offener Straße erschossen, nach eigener Aussage handelte er in Notwehr während eines Handgemenges. Zeugen wollen allerdings beobachtet haben, dass der Teenager vor seinem Tod die Hände erhob. Er war verdächtigt worden, kurz zuvor Zigarren aus einem Laden geklaut zu haben.

"Mörder, Ihr seid nichts als Mörder"

In Ferguson im US-Bundesstaat Missouri kam es unmittelbar nach der Entscheidung zu heftigen Gewaltausbrüchen. Demonstranten warfen mit Flaschen und Ziegelsteinen auf Polizeifahrzeuge. Mehrere Autos, darunter auch ein Streifenwagen, sowie rund 15 Läden gingen in Flammen auf. Mehrere Gebäude wurden geplündert. Die Polizei setzte Tränengas und Rauchbomben gegen Hunderte Demonstranten ein, die ihrerseits die Beamten mit Flaschen und Dosen angriffen. "Mörder, Ihr seid nichts als Mörder", wurde den Polizisten aus der Menge entgegengeschrien.

Später wurden in dem Vorort von St. Louis auch zahlreiche Schüsse auf Polizisten abgegeben. Es sei aber niemand getötet worden, weder unter den Demonstranten noch bei der Polizei, teilten die Behörden mit. Auch Feuerwehrleute wurden beim Versuch, brennende Häuser zu löschen, beschossen und mussten wieder abrücken. Das Luftfahrtamt FAA schloss wegen Schüssen in Flughafennähe den Luftraum über der Stadt. Die Gewalt in Ferguson habe ein schlimmeres Ausmaß angenommen als erwartet, hieß es von Behördenseite weiter.

Der Gouverneur von Missouri, Jay Nixon, rief zu Toleranz und gegenseitigem Respekt auf. Auch US-Präsident Barack Obama appellierte an die Menschen in Missouri, friedlich auf die Entscheidung der Jury zu reagieren. Die Polizei mahnte er, sich zurückzuhalten. Obama - der erste schwarze Präsident in den USA - sagte, es müsse noch viel getan werden, um das Verhältnis der Farbigen zur Polizei und zum Rechtssystem zu verbessern. Es gebe Amerikaner, die der Entscheidung der Jury zustimmten, aber auch Bürger, die dies wütend mache. "Das ist eine verständliche Reaktion", so Obama. Die Familie von Michael Brown betonte, tief enttäuscht zu sein. "Wir verstehen zwar, dass viele unseren Schmerz teilen." Die Frustration müsse aber in einer positiven Art geäußert werden.

Ausschreitungen in Ferguson (Foto: REUTERS/Jim Young)

Ferguson - no comment

Neun Weiße, drei Schwarze

Der Bezirksstaatsanwalt von St. Louis, Bob McCulloch, hatte zuvor auf der mit Spannung erwarteten Pressekonferenz erklärt, es habe nach der Begutachtung aller Hinweise und Befragung aller Zeugen keinen ausreichenden Beweis gegeben, der für eine Anklage gesprochen hätte. Die Jury bestand aus zwölf Geschworenen - sieben Männern und fünf Frauen, neun Weißen und drei Schwarzen. Ihre Aufgabe war es, eine vorläufige Entscheidung zu treffen, ob ein Verbrechen begangen wurde und dieses vor Gericht verhandelt werden sollte. Geheim blieb, ob die Jury einstimmig entschieden hat.

sti/SC (afp, dpa, rtr)

Die Redaktion empfiehlt